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Der Israelit · 1902-05-05 · Heft 36 (5.5.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 36 (5.5.1902)
Date
1902-05-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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dem Tröste, daß der Gewählte doch ein geborener, er aber blos ein gewordener Christ sei, mochte Legrady eine bessere Gelegenheit abwarten wollen. Bald schien fie auch gekommen zu sein, denn im Bezirke Abrudbernya war durch das Ableben Koloman Tißa's das Reichstagsmandat vacant geworden, auf welches der jüdische Advokat Dr. Julius Rosenberg reflektirte. „Einem Juden gegenüber werde ich doch bestimmt siegen!" mochte Legrady denken und meldete seine Gegenkandidätur an. Er war seines Sieges umso gewisser, als Dr. Rosenberg in „gut christlichen Kreisen" nicht sehr gut angeschrieben ist, weil er vor Jahren in einem Duell einen Grafen Batthyanyi erschossen hatte. Und das Resultat der Wahl? Jetzt wurde es in Abrudbanya verkündet: Dr. Rosenberg wurde mit großer Majorität zum Abgeordneten gewählt, während Karl Legrady blos. achtzehn Stimmen erhielt. Auch Dr. Rosenberg ist nichts weniger als ein gesetzestreuer Jude. Es ist. uns auch kein Fall bekannt, in welchem er kür irgend ein jüdisches Interesse eingetreten wäre. Auch in dieser Beziehung steht er mit seinen übrigen G! ubensgenossen im ungarischen Parlament in gleichem Rang. Wir registriren nur diesen Wettkampf mit dem. Meschumed, um zu beweisen, daß -auch die „Taufe" kein sicherer Hafen ist. „Denn mit Gotteswort ist nicht zu scherzen, es findet sich doch zuletzt." Ist es denn nicht die höchste Ironie? Die unga rische Regierung und das Präsidium des Abgeordneten Hauses unterstützt mit wahrer Begeisterung die Wahl eines jüdischen Abgeordneten, weil sie es vorziehen, daß ein Jude der „Nachfolger Tißa's" sei, als daß ein „getaufter Aufdringling" den Stuhl des großen Staatsmannes einnehme! Die Zeichen der Zeit pflegen nicht deutlicher zu sprechen. — So still, daß man gar nichts davon wußte, passirte dieser Tage eine aus Arad kommende, 297 Köpfe zählende Gruppe jüdischer Auswanderer ans Rumänien unsere Hauptstadt. Sie kamen aus Gala?, und fuhren über Oderberg nach Deutschland, um dort das sie nach Kalifornien führende Schiff zu besteigen. Auffallend viele Frauen, Mädchen und Kinder befinden sich unter ihnen. Manche dieser Gestalten erregten durch den Jammer, der sich auf ihren Gesichtern wieder spiegelte, herzbrechendes Mitleid. Während ganz Israel, Arm und Reich, sich freudig zum Empfange des schonen Freiheitsfestes rüstete, mußten diese Bedauerns werthen in die Verbannung gehen! Wen könnte dieser ' Gedanke ungerührt lassen? ' M. D. Oesterreich. Nikolsburg, 24. April. Der Oberkantor der hiesigen Kultusgemeinde, Herr Adolf N e u f e l d, verläßt seinen bisherigen Wirkungskreis, um einem Rufe der neuentstandenen orthodoxen Gemeinde in Nürnberg Folge zu leisten, woselbst er nach einem beifällig aufge nommenen Vortrage als Oberkantor äcceptirt wurdet Nur ungern sehen wir diesen durch seine wahre Religiosität wie nicht minder durch snne Charakterfestigkeit ausgezeichneten Mann aus unserer Mitte scheiden. Aber auch seine Leistungen als Kantor und Rcligionslehrer waren achtunggebietend. Wenn seine sonore, melodiöse Stimme erklang, lauschten die Zuhörer jedem > seiner Worte und seine erhebende Vortragsweise stimmte die Anwesenden zur Andacht. Als Lehrer war er sehr pflichtgetreu, und obwohl er nicht Pädagoge von Beruf ist, erzielte er doch durch seinen emsigen Fleiß wie durch eine gute Methode namhafte Erfolge in der Schule. Möge es ihm in seinem neuen Wirkungskreise recht gut ergehen. Da Herr Neufeld bereits am 1. Juli seinen neuen Posten antritt, wurde eine Kultusausschußsitzung einberufen, um bezüglich der Concursausschreibung die entsprechenden Beschlüsse zu fassen. Ein aus - der Mitte des Ausschusses gestellter Antrag, es möge bei dem neu anzustellenden Kantor von der Verpflichtung, den Religionsunterricht zu ertheilen, Umgang genommen werden, wurde abgelehnt, der Antrag des Kultusrathes jedoch, den Kantor mit dem Religionsunterricht zu betrauen, angenommen.. Z. Fran kr eich. Paris, am Rüsttage zum Sabbat Achre Maus. Einer der edelsten und besten, der frömmsten und gottesfürchtigsten Mitglieder unserer Gemeinde, aber auch der angesehensten und beliebtesten einer, schloß' heute früh seine Augen zur ewigen Ruhe. Herr Dr. Theodor Klein, ein Sohn des berühmten und gelehrten Rabbi Salomon Wolf Klein, z. Z. Rabbiner in Kolmar im Elsaß, ist nicht mehr. Nach kaum dreiwöchentlichem Krankenlager wurde der kaum Sechsundfünfzigjährige von hinnen gerufen. Der Heimgegangene war der würdige Sohn seines großen Vaters. Obgleich ihn sein Beruf als Arzt, da er einer der meistbeschäftig-. sten gewesen. Tag und Nacht in Anspruch nahm, fand er doch noch Zeit, an den öffentlich-jüdischen Angelegenheiten den regsten Antheil zu nehmen und überall für die unverminderte Erhaltung des altüberlieferten Judenthums auf das Energischste einzutreten. Ja selbst schriftstellerisch war der vielbeschäftigte, so stark in Anspruch genommene Mann für seine hohen Ideale thätig und seine interessanten und gediegenen Aufsätze über den Jomtauf schein in der hiesigen Zeitschrift - „Univers" sind noch in der guten Erinnerung Aller, die es ernst meinen mit der Erhaltung der Emunoh in der gallischen Zentrale. - / - l - , '. Uebermorgen. Sonntag Nachmittag den 4. d. M.. findet das Leichenbegängniß statt und werde ich . nicht verfehlen. Ihnen darüber ausführlich zu berichten.. - Herrn Dr. Kleines Gattin ist eine geborene Sender aus Biebrich, am Rhein; ihrer Ehe entsprossen fünf Söhne. '' . . .. ‘ roijfl J Paris, 30. April. Alea iacfcäest, „bet erfte Theil der großen Wahlschlacht ist geliefert, und'wahrlich, wir haben allen Grund, mit dm vorläufigen Re- | sultaten zufrieden zu sein.. Die Wahlen in Algier

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