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Der Israelit · 1902-05-05 · Heft 36 (5.5.1902) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 36 (5.5.1902)
Date
1902-05-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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SeUrmssNachrlHtes mrd Sorresporrderrzs«. Deutschland. " Berlin, 1. Mai. (Die Mandanten der jüdischen Notare.) Bei den Abgeordnetenhaus- Erörterungen über die Anstellung jüdischer Richter und Notare ist vom Justizminister behauptet worden/eine größere Anzahl von Christen trage Bedenken, sich in intimen Familien-Angelegenheiten an jüdische Notare zu wenden. Aus Anlaß dieser Erörterungen hat ein hervorragendes Mitglied der Berliner Anwaltschaft eine Umfrage bei Berliner jüdischen Notaren veranlaßt. Diese Umfrage hat, wie im Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mitgetheilt wurde, ergeben, daß bei 36 jüdischen Notaren 18,600 christliche notarielle Mandanten, nebenbei bemerkt, darunter auch der verstorbene Herr v. Plötz, und nur 6975 jüdische notarielle Mandanten nachgewiesen wurden. Es. ist aber auch versucht worden, soweit dies möglich ist — diese Statistiken haben selbstverständlich nur eine bedingte Bedeutung — der Frage naher zu treten, wie -weit Christen in intimen Familien-Angehörigen die Inanspruchnahme jüdischer Notare zu vermeiden suchen, und es ist festgestellt worden, daß gerade in „intimen Familien-Angelegenheiten" Christen vorzugsweise zu jüdischen Notaren gehen, weil diese meist ihren Gesellschaftskreisen ferner stehen. Berlin, 2. Mai. Die Morgenausgabe der „Boss. Zeitung" vom 27. April d. I. enthält folgendes bezeichnendes Inserat: B.ekanntmachung. Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung „Deutsche Reform" zu Berlin hat sich aufgelöst. Die Gläubiger werden aufgefordert, sich bei ihr zu Händen des Geschäftsführers Hans v. Mosch, Berlin C., Rosenthalerstraße 651, zu melden. Berlin, 24. April 1902. (gez.) von Mosch, Geschäftsführer. Au9 Norddeutschland, 1. Mai. Der Rabbiner der Magdeburger Synagogengemeinde, Herr. Dr. Rahmer, konnte kürzlich die Feier seiner 40jährigen Amtsthätigkeit begehen. Herr Dr. R. hat sich stets bemüht, nach außen einen Deckmantel indifferenter Halbreligiösität zur Schau zu tragen; in Wirklichkeit war er jedoch einer der schärfsten Zerstörer all' deffen, was Jüdisch in den Institutionen der ihm anvertrauten Gemeinde und in dem Bewußtsein seiner Gemeindemitglieder gewesen ist. Schon längst hat man es in Magdeburg so weit gebracht, daß die Abiturienten der jüdische» Schule trotz des Herrn Dr. Rahmer und trotz des Herrn Lehrer Steinhardt (Vorstandsmitglied des „Veöxmd jüdischer Lehrervereine), oder gerade wegen und durch' diese Herren, im Durchschnitt beim Verlassen der/Schule kaum geläufig jüdisch lesen'können. Die Magdeburger Gemeindebeamtat sind Ijeutfr auch schon so emanzipirt, daß sie ihre Binder des Samstags in der Schule schreiben kaffen.'. In der neuerbauten Synagoge, bei deren Herstellung elbstverstandlich am Samstag, wie an allen Werktagen,! gearbeitet wurde, ist deutscher Gottesdienst und gemischer Chor; soll dieser Chor in Aktion treten, dann drückt der Vorbeter am heiligen Sabbat auf einen elektrischen Knopf und weihevoll durchströmt Orgel und Gesang die mit wenigen Andächtigen besetzten Räume. Na> wir könnten noch viel mehr erzählen; aber wir hätten sogar unsere Leser mit diesem. verschont, wenn nicht das „Hamburger Familienblatt" Herrn Dr. Rahmer in einem schwungvollen Artikel glänzend gefeiert hatte. Das Bestreben des Hamburger Blattes, von den jüdischsten Juden bis hinab zu den modern, materiell denkenden und handelnden Auch-Juden, alle Kreise liebend umarmen zu wollen, wird nachgerade zur Posse. Wie mag sich beispielsweise ein Rabbiner Munk- Marburg geschmeichelt fühlen, wenn ein Blatt sein Vildniß und seine Biographie bringt, das kurze Zeit nachher einen Rahmer verherrlicht. Leider stimmt dieser Eiertanz mehr traurig, als heiter, wenn man die Gefahr bedenkt, die darin liegt, daß der urtheilslose Leser, der Spreu vom Weizen nicht zu sichten weiß, durch dieses gewissenlose Verfahren vergiftet wird. Wer in religiösen Dingen eine Gesammtheit vertreten will, der hat sich stets ehrlich auf die rechte oder ehrlich auf die linke Seite zu stellen (berechtigt ist freilich nur ein Standpunkt; glaube ich an die Offenbarung einer Religion, dann ist sie für mich mit allen ihren Konsequenzen maßgebend; glaube ich nicht an ihre Offenbarung, dann kann ich ihr — genau genommen — überhaupt nicht angehören); thut er das nicht, sondern lanciert wie ein Unwissender hin und her. dann gibt er sich selber ein Armuthszeugniß traurigster Art und ihm kann man mit den Worten des Propheten zurufen: „Wie lange wollt Ihr noch auf zwei Zweigen Hüpfen? Wenn Gott Gott ist, so folget Ihm, ist es aber der Baal, so folget, ihm." - U n g a r iü . . Budapest, Ende April. Der hiesige getaufte Jude Karl Le g r a d y, Herausgeber des Tagblattes „Pesti Hirlap" und mehrfacher Hausbesitzer, hot binnen wenigen Monaten zum zweiten Mal die bittere Erfahrung machen müssen, wie wenig ihn das bischen Taufwasser vor schmählichen Niederlagen bei seinen christlichen Mitbürgern zu schützen vermag. Er war früher Reichstazsabgeordneter, was ihm schon so viel Hochmuth verliehen hatte, daß er unter seiner zahlreichen Dienerschaft keinen Juden, mehr dulden wollte, damit er nicht an seine jüdische Abstammung erinnert werde. Bei den Neuwahlen im vergangenen Herbste ist er jedoch einem ganz gewöhnlichen Bauern unterlegen/der an seiner Stelle als Deputirter gewählt wurde. Mir

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