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Der Israelit · 1902-05-05 · Heft 36 (5.5.1902) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 36 (5.5.1902)
Date
1902-05-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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glrichlich hohe Bedeutung Z. Frankens immer tiefer; in das jüdische Volksbewußtsein cindringen werde« ' Um jedoch dem Leser einen Begriff zu machen, wie voll jene Lobreden den Mund nehmen und zu welch' absurden Ueberhebungen und unglaublichen Vergleichen sie gelangen, wollen wir einige Stellen aus der bereits erwähnten Rede des Dr. Schwarz zitiren. Bald meint er, „daß, wer Frankel nicht bloß aus seinen Schriften und Werken kennt, den muß er an Rachmanides erinnern/' bald glaubt er, „daß er die talmudische Liiteratur mit Meisterwerken bereichert hat, welche an die klassische Zeit des Maimonides erinnern." Aber als wäre ihm auch damit noch nicht die ganze Größe Franlel's gezeichnet, vergleicht er ihn auch noch mit dem Bale Tossaphos, indem er äusführt, „er knüvfte mit seiner Lehrmethode an die französische Tossaphistenschule an," und kommt sogar dazu, ihn den Amoraim an. die Seite zu stellen. „Bei ihm konnte man sich in eine der babylonischen Akademieen versetzt fühlen." Also alle zusammengenommen: Ramban. Rambam. die Bale Tossafos.nnd die Amoraim geben erst die Bedeutung Frankens wieder. Um jedoch nun ja zu verhüten, daß die Leser i*n nicht meinen, daß er übertreibe, bekennt Dr. Schwarz offen und ausdrücklich, „nicht über Gebühr oder auf Kosten Anderer wolle er.Frankel verherrlichen. Gewiß . sind Jünger ebenso geneigt, die Verdienste des Lehrers zu vergrößern,- wie Kinder die Tugenden ihrer Eltern zu verhimmeln, aber es ist ettoas Anderes, ob das Wort aus einem von Schmerz und Trauer erfüllten Herzen sich auf die Lippen ringt, und wieder etwas Anderes, ob man mit dem Wonnegefühl freudiger Dankbarkeit von einem längst verklärten TheureN redet." ' Wozu aber führen solch' ungeheure Nebertreibungen?! Sie untergraben die Wissenschaft, deren einzige Aufgabe es ist, nicht nur die Thatsachen in ihrer wahren Gestalt uns vor Augen zu führen, sondern auch die. Männer, die in ihr thätig sind, in ihrem wahren Aussehen und Werthe uns zu zeigen, indem jedem der Platz zugewiesen wird, der ihm gebührt und jene Anerkennung, die er verdient. Ein Abweichen davon, ein Ueberheben und Lobhudeln ohne Grenze führt nur zum RuincdcrWissenschnst. - .Zur..Sache selbst aber muß betont werden, daß Frankel wohl das Verdienst zuzusprechen ist. daß er zu den. Ersten gehörte, welche an der jüdischen Wissenschaft arbeiteten, / daß er ' aber keineswegs zu einem bahnbreHenden Forscher gemacht werden kann. Vergleichen wix-was Lnzatto iil dem ihm zukommenden Fache g e - ker'stel'-ha i^und stellen dxm die Leistungen Frankens in dessen Fache-gegenüber, wir erkennen sofort'die StonJofiusatto utfi Gegcnstnnd-r» foricBt. die nitöf m seinem jFrtäje actiorc^ verfällt Vm den Fehler der Gelebrren seiner Zeit. W»e schon LuamomdeL über den berühmten griechischen Arzt Galle- Löwenschritte Luzatto's und das Licht seiner Forschung gegenüber den mittelmäßigen, schwachen Schritten Frankel's, die unter einem Schirme von Hypothesen sich mühsam bewegen. Nirgends erhebt' sich seine Forschungsart zu imponirender Höhe. Alle seine Lobredner, denen kein Vergleich hoch genug ist, mögen sich doch die Mühe geben und uns zeigen, wo er in seinen zwei Hauptwerken, auf denen sein Ruhm beruhen soll, in dem wwerr w und «term xao bahnbrechend auftritt, indem er bleibende Resultate geschaffen hat. welche zu den Grundprinzipien der jüdischen Wissenschaft gehören können. Uebrigens ist es selbstverständlich, daß ein Gelehrter/ welcher zu. den bahnbrechenden, grundlegenden Forschern gezählt werden soll, den Gegenstand, über den er arbeitet, so beherrscht, daß sein Urtheil sich ihm aus dem ihm innewohnenden, erschöpfenden Wissen von selbst ergibt, und er nicht gezwungen ist, aus Citaten sichmühsam ein naturgemäß getrübtes Urtheil zusammenzufaffen. Frankel aber hat ausschließlich in seinen so sehr gerühmten Werken über Mischna und Gemöro nach Citaten gearbeitet, wodurch allein es ihm nicht möglich war, Werke zu schaffen, welche fähig wären, der Wissenschaft eine Grundlage zu geben. Außerdem hat er in seinen Citaten, die meistens dem Seder Hadoros entnommen sind, so leichtfertig gearbeitet, daß er sich nicht die Mühe gemacht hat. die einzelnen Citate-an ihren Originalstellen aufzuschlagen und in ihrem Zusammenhänge zu prüfen. - Es ist überhaupt ein himmelschreiendes Unrecht, i daß man sich vornehmlich im vorigen Geschleckte er-! laubte, über die wichtigsten Fragen der indischen Litteratur, über Mischna und Talmud, sowie über die jüd. Tradition im allgemeinen Urtheile zu fällen, die auf einigen wenigen, mühsam gesammelten Citaten beruhten, die in Wirklichkeit meistens gar nicht zur Sacke gehörten. Wenn es auch wahr ist, daß Frankel hierin höher steht, als Grätz u. a.. welche es mit den Grundprinzipien der iüdischen Wissenschaft ebenso machten, wie jener Engländer, welcher über die französische Nation schreiben wollte, und sich die Berechtigung und das Wissen dazu daher holte, daß er über den Kanal fuhr und in einem französischen Grenzdorfe übernachtete, so berechtigt doch die Thatsache. daß Frankel jene Männer überragte, noch nicht dazu, ihn zu einem bahnbrechenden Forscher zu stempeln. Auch ihm fehlten die beiden Haupterfordernisse, ein unbeschränktes, das ganze Gebiet beherrschendes Wissen und eine alles durchdringende Forscherkraft.*) - :; \ nnis klagt, daß er über dieTbora. die er nicht ocrftefie, sich Uctfieile erlaube/so erlaubten sich auch iene Gelebrten in Fragen, tu welche cinzudrmgen der Stand ibres Willens ihnen nicht gestattete. daS große Wort zu fübren. 4n seinem Fache iedoch »st beii&ot* schungen Luzattos der Stempel des Genies ausgedrückt. ' *) Wir machen den Leserauch aufmerksam auf die Worte'Zun^ die er an Kausinann in dem eben veröllentlickten Briefweckst (Jabrb. für jüd. Geschickte und Literatur. Seite 176) richtet: „Auf FrankÄ gebe ich wenig." ■-

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