Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 57 (17.7.1902)
- Date
- 1902-07-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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worfen worden, — dieselben Juden, denen man einerseits jedwede Eristenzfähigkeit, selbst jedwede Bildungsmöglichkeit versagt, andererseits die schwersten Steuern und militärische Dienstpflicht. auferlegt, — dieselben, denen, trotzdem sie seit Jahrhunderten Inländer und Rumänen sind, plötzlich die Naturalisation aufgetragen wird, welche selbst aber nur individuell von dem Parlamente ertheilt werden kann und deren selbstverständliche Nichterlangung identisch bleibt mit — Rechtlosigkeit! So möge denn, geehrte Herren, unsere bittende Stimme Gehör bei Ihnen finden, unsere Bitte, die wir dringlichst erheben zu müssen glauben für unsere gehetzten und geächteten Glaubensgenossen in Rumänien, deren unverdiente Erniedrigung, Drangsale und Nothlage zu notorisch sind, um hier im Kreise dieser wissenden Männer voll Weisheit und Geist, voll Herz und Empfinden, voll Gerechtigkeit und Menschenliebe noch des Weiteren begründet werden zu müssen; — möge unser Appell an diese das öffentliche Gewissen repräsentierende Versammlung mächtigen Widerhall finden zu Gunsten der namenlos bedrängten Mitglieder jenes Stammes, dessen „Hosiannah" auch Ihre Andacht erfüllt und in dessen „Hallelujah" auch Ihr Herz dem gemeinsamen Allvater zujubelt. Hoher Kongreß! Wenn Sie Schutz und Beistand gewähren den armenischen Christen gegen die Türkei, so spenden Sie auch Ihr Wohlwollen und Ihre Hilfe den rumänischen Juden gegen deren eigenes, sie verleugnende Vaterland." Nikolsburg, 14. Juli. Wieder haben wir eine Trauernachricht zu melden. Frau Regina Pater die thatkräftige Präsidentin des hiesigen Frauen-Wohlthätigkeitsvereins, erlag im 58. Jahre ihres Lebens einem schmerzhaften Leiden. Die Verblichene zeichnete sich durch eine heutzutage nur noch selten anzutreffende Frömmigkeit, durch strenge Rechtlichkeit und durch vorzüglichen Wohllhätigkeitssinn aus. Als Präsidentin des letzterwähnten Vereins besuchte sie häufig. Kranke, Sterbende, und sorgte dafür, daß für unbemittelte Verstorbene weiblichen Geschlechts die Sterbelleider unentgeltlich verabfolgt wurden. War irgend in unserer Gemeinde ein verschämter Armer, eine arme Braut, so sorgte sie mit allem Eifer dafür, daß ihnen die wertthätigste Unterstützung zu Theil wurde. An dem Leichenbegängnisse betheiligte sich eine ungewöhnliche Menschenmenge, welche gekommen war, um der Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen. In unserer Friedhofshalle hielt Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang der Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf, in welcher er deren Vorzüge Erwähnung that. 5" - ' Z. England. London. Im englischen Unterhause ist vor Kurzem auch die „rumänische Judenfrage" zur Sprache gebracht worden. Die Anregung dazu gab der bekannte sremdenfeindliche Oberst Sir Howard Vincent. Selbstredend kümmerte den Judenhass» Vincent nicht die sch'.vcre Judenverfolgung, welche unsere rumänischen Glaubensgenossen zwingt, dem ungastlichen Land zu entfliehen. Er fürchtete nur die Folgen dieser Maffenauswanderung und war sehr besorgt darüber, daß die jetzt . in Rumänien hochgehenden Emigrationsfluthen einige Dutzend rumänische Juden auch auf die englische Küste werfen könnten. Handelsminister Gerald Balfour beruhigte ihn aber darüber, indem er ausführte: - Der englische Gesandte in Bukarest hat uns eine Abschrift des neuen rumänischen Handwerkergesetzes vom 18./5. März eingeschickt. Dasselbe scheint geeignet zu sein, die jüdischen Handwerker dieses Landes zu alteriren und die Emigration der Juden aus Rumänien zu steigern. Allein die Zahl der in diesem Jahre in England eingewanderten rumänischen Juden hat gegen das Vorjahr leine Steigerung erfahren. Im klebrigen beschäftigt sich gegenwärtig eine königliche Commission mit der ganzen Einwanderungsfrage. Mr. Vincent machte noch die Regierung darauf aufmerksam, daß in den letzten wenigen Monaten tausend Einwanderer an der Landung in Nordamerika verhindert wurden und frägt an, was die englische Regierung zu thun gedenkt, um die Niederlassung dieser Zurückgewiesenen in England zu verhindern. Mr. Balfour: Ich bin nicht in der Lage, zu beurtheilen. ob die angegebenen Zahlen richtig sind. Im ganzen letzten Jahre ist nur 1 pCt. aller Einwanderer von den amerikanischen Behörden am Landen verhindert worden. Von diesen sind nur 388 Personen. darunter 180 Engländer, auf ihrem Rückwege in England hängen geblieben. Es sind das nur -5 vCt. aller in Amerika zurückgewiesenen Personen und selbst von diesen haben viele nachträglich England wieder verlassen. . Personalien. Znin, 13. Juli. Am Dienstag, 3. Tamus, wurde Frau Debora Cohn, im Alter von 83 Jahren. Mutter des hiesigen Kultus- und Tempelvorstehers Herrn Herrmann Cohn, zur letzten Ruhe gebettet. Die Verblichene, eine durch Frömmigkeit, Lebensklugheit und sonstige guten. Eigenschaften ausgezeichnete, wahrhafte .12WN wrr trat weithin leuchtend hervor. Solche Vorzüge des Herzens, junb Geistes verliehen ihr die Fähigkeit, ihre Söhne und Töchter zu Mustermenschen zu erziehen, in denen die edle Heimgegangene fortleben wird. Durch ihre Menschenfreundlichkeit und Entgegenkommen verstand sie, sich in weiten Kreisen beliebt zu machen, wovon die map uns überzeugte und an welcher sich auch viele Nichtjuden betheiligten; die Herren Stadträthe und auch der Herr Bürgermeister waren ebenfalls erschienen. Die Trauerrede hielt Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Cohn - Jnowrazlaw.. Er verglich die Heimgegangene mit der Prophetin Deborah. Alles war mächtig ergriffen und die zahlreichen in Trauer Versammelten lauschten in wehmuthsvoller Andacht dieser ausgezeichneten Rede. - .