Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 57 (17.7.1902)
- Date
- 1902-07-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Bf e u i 11 e t o n. Ans kn Tagebncht eines Bnihur's. Von P. Jaeob-Kohn. i» Nachdem dies geschehen lvar, stellte ich ineinen ganzen Borrath auf den Tisch und lies; meine Gäste nach Belieben zngreifen. Daß kein Einziger an Apetitlosig-. reit litt, davon hatte ich mich bald iiberzcugt, denn ehe eine halbe Stunde vorüber war, hatten sie, bis auf einige Aepfcl, Alles verzehrt. . Wir blieben noch lange beisanunen, tranken Thee und schwätzten bis spät in die Nacht hinein. Erst als sich eine allgemeine Schläfrigkeit bei uns einstellte und zwei meiner Gäste bereits laut schnarchten, entfernten sich die andern, nachdem sie die Schläfer geweckt hatten. „Auf Keinen verdrießt's mich asoi, als wie auf Krämer," sagte Tanmnbaum, nachdem sich die Bachurim entfernt hatten. „Wenn sich noch e anderer Bocher einladen laßt, ist's noch kein so groß Malheur, weil, wenn er e Packl bekommt, er die Bochcrim ebenfalls dazu einlad't. Aber dieser Krämer, der Knicker, was er ist! wenn sich der einladen läßt, soi ist es eine Gemeinheit, denn revanchiren thut er sich in seinem Leben nit. Wißt Ihr, was er thut, wenn er e Packl bekommt? Im Koffer sperrt er's ein und laßt Alles lieber verderben, bevor er einem davon kosten läßt. Aber wart' nur, du Knauser! Es bleibt dir nit geschenkt; es kommt schoin e Zahltag!" Was Tannenbuam mit dieser Drohung meinte, weis; ich nicht; daß er aber dem Krämer einen Possen spielen ivill, ist gewiß. Gestern verzehrten wir drei — Tannenbaum, Löwi und ich — den Rest meines Packeis und es erinnert mich beute nichts mehr an dasselbe, als die leere Schachtel, die in einem Winkel steht und die 23 Sechserln, die in einem Apfel gesteckt hatten und von welchen ich bereits sieben Stück ausgegeben habe. 31. Oktober 18 . . „Der Sechel (Verstand), der zu spät kommt, soll besser ganz ausbleiben," sagte meine Großmutter immer, wenn ihr nach einer geschehenen Arbeit oder nach einer gegebenen Antwort, eine Art einfällt, wie sie die Sache besser hätte machen können. Sie hat ganz Recht damit:. man ärgert sich nur nachträglich, ohne sich helfen zu können, geradeso, wie ich mich jetzt darüber ärgere, daß ich mit den guten Sachen, die ich'von zu< Hause bekommen, so verschwenderisch umgegangen bin. und mir für heute, wo ich keinen Kosttag habe, garnichts übrig ließ. Als Strafe dafür, esse ich heute kein Mittagsmahl. Später: — Ich bin doch nicht für's. Fasten geeignet.. Ich habe mir fünf Eier gekauft, die ich hartgekocht mit gutem Appetit verzehrte. 4. November 18 .. - v Es fängt an. kalt zu werden und wir brauchen Holz. Ich habe heute meine ganze Baarschaft, bestehend aus einem Gulden, Tannenbaum gegeben. Er und Löwi gaben auch jeder einen Gulden, für welches Geld wir morgen einen Wagen Holz kaufen werden. Heute feuerten wir mit meiner leeren Schachtel, und so ist auch das Letzte verschwunden, was mich an die schönen Tage der vorigen Woche erinnerte. 6. November18 . . .. Gestern bot man kein Holz feil und wir konnten uns erst heute mit solchem versehen. Daß aber nichts, was ein Bachur unternimmt, ohne Schwierigkeiten vor sich gehen kann! Auch mit dem Holzkaufen hatten wir Scherereien, und zwar war es Frau Blume, die uns einen argen Spektakel machte. Die Sache verhielt sich nämlich so: Vor ihrem Geschäfte standen einige Bauern, die auf ihren Wagen Holz feil boten. Wir gingen an einen Wagen, der uns gefiel, heran und fragten den Bauer, tvas.er für das Holz verlange. Er nannte den Preis und wir singen gerade zu feilschen an, als Frau Blume, die unseren Handel bemerkt hatte, wie eine Furie aus dem Geschäfte herausgestürzt kam und wild zu schreien ansing: „Bocherimgesindel, Schnorr-Pagasch (Bagage). Hallunken, was Ihr seid! Wie untersteht Ihr Eich, auf das Holz zu handeln (feilschen), welches ich kaufen will!" - . „Wer früher kommt, mahlt eher," sagte Löwi. „Wir waren früher hier." ' Wer weiß, wie lange dieser Skandal noch gedauert hätte, wäre nicht Tannenbaum dem Rathe einiger Zuschauer gefolgt und hätte die böse Here stehen lassen, die sich endlich grollend in ihr Haus znrückzoa. ' Ich hatte mich gleich beim Beginn des Streites zurückgezogen, damit mich Frau Blume nichtsehe. Hinter einem Hausthor verfolgte ich den ganzen Auftritt. -7v. •' . ' V ' '' ' " ' " * 12. November 18.?. Revanche! Revanche! Damit will ich sagen, daß sich einer der Bachnrim. die ich zu meinem Packet eingeladen hatte, bereits revanchirt hat. - k - :;, Er heißt Bunem Liebermann und ist ein Untere länder. Außer mir waren noch meine Zimmerkollegen, diejenigen Liebermonns und ein Bachur, der mit Krämer wohnt, «ungeladen. Noch bevor wir uns gewaschen batten, entschuldigte sich unser Gastgeber, daß er nicht mit viel Fleisch auf», warten könne, da er diesmal nur sehr wenig von diesem Artikeln erhalten habe. Doch wir nahmen es nicht, so genau und waren auch mit den sogenannten „Pogücs'l" — kleine Butter- oder Schmalzkuchen — die er uns reichlich darbot, zufrieden. ^*