Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 57 (17.7.1902)
- Date
- 1902-07-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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weniger verständlich, als ja in dem Artikel selbst, der unparteiische, edle Sinn des Verewigten ausdrücklich anerkannt, damit also ausgesprochen wird, daß die angeblichen Mißstände der Person des Monarchen jedenfalls nicht zur Last zü legen sind. Aber auch abgesehen hiervor müssen wir der Wahrheit zu Ehren erklären, daß die in jenem Artikel über die politischen Verhältnisse Sachsens ausgesprochenen Urtheile, weder den Thatsachen. noch den Anschauungen der sächsischen Israeliten entsprechen. Die Stellung der Israeliten ist hier durchaus nicht anders geartet, als in den meisten anderen Bundesstaaten und der Jude, der sich eines einwandfreien Lebenswandels befleißigt, erfreut sich hier derselben Achtung, wie anderwärts. ' Ein „rüder Antisemitismus" ist niemals zu Tage getreten; und was in dem Artikel über rücksichtsloseste Reaktion, über Polizei und Rechtsprechung gesagt wird, ist lediglich eine Wiedergabe dessen, was in gewissen Parteiblättern geflissentlich und einseitig über sächsische Zustände verbreitet wird, aber durch die Wiederholung nicht an Richtigkeit gewinnt. Wir haben uns im Hinblick auf die Wichtigkeit der Sache genöthigt gesehen, aus der seither in ähnlichen Angelegenheiten bewahrten Zurückhaltung herauszutreten, glauben aber, zur Klarstellung der Sachlage verpflichtet und auch berufen zu sein. Der Vorstand der Jsr. Religionsgemeinde zu Leipzig: P. Magnus. B. Breslauer." Es ließe sich hierauf Mancherlei erwiedern, so z. B., daß in einem Lande, in dem das Schächten verboten ist, „die Stellung der Israeliten doch anders geartet ist, als in den meisten anderen Bundesstaaten." Wir wollen aber von der erfreulichen Mittheilung, daß sich unsere Glaubensgenossen unter dem Szepter des Hauses Wettin glücklich fühlen, gern ohne weiteren Kommentars Notiz nehmen. Red. d. „Jsr." Fürth, 16. Juli. (Absolutorialprüfung und Schlußfeier an der Jsr. Realschul e.) Die mündliche Absolutorialprüfung an der hiesigen Jsr. Realschule fand Freitag, 31. Juli, unter Vorsitz des Kgl. Minisierialkommiffärs, Herrn Prof. Dr. Rackl aus Nürnberg, statt. Von den vier diesjährigen Absolventen bestanden drei die Prüfung. Daran reihte sich die Schlußfeier, die am 13. Juli unter zahlreicher Betheiligung des Publikums in der Aula der Anstalt stattfand. Der Sängerchor unter Leitung des Herrn Lehrers K. Baum trug in frischem Ton einige schöne Lieder vor. Besonders vielen Beifall fand ein von vier Knaben vorgetragenes dreistimmiges Lied: Heimwärts. Mit den Gesängen wechselten Deklamationen in deutscher, in französischer und in englischer Sprache ab. Selbst schwierigere Dichtungen, wie der Monolog aus „Wilhelm Tell", .,Trois jour de Christophe Colomb“ von Delavigne und „The destruction of Sennacherib,“ von Byron, wurden mit gutem Verständnisse zum Vortrage gebracht. Es fehlte auch nicht an ansprechenden humoristischen Stücken, wie „König Ludwig I. und der Rekrut" von Bauer. „Das große Loos" von Langbein etc. Vor dem Schlußgesang hielt der Direktor Dr. Feilchenfeld eine Ansprache voll ernster Mahnungen an die Absolventen und legte ihnen an's Herz, nicht ihre Bildung als abgeschlossen zu betrachten, sondern eifrig weiter zu streben und zu arbeiten, damit sie dereinst im Leben der Schule Ehre machten. Darauf wurden den Absolventen ihre Zeugnisse übergeben. Mit einem begeistert ausgenommenen dreimaligen Hoch auf den Prinz-Regenten schloß die Ansprache. Aus dem erschienenen Jahresbericht der Anstalt entnehmen wir. daß dieselbe im abgelaufenen Jahre von 111 Schülern besucht wurde, von denen 49 der Vorschule, 62 der Realschule angehörten. Herr Lehrer Nordheimer trat bei Beginn des Schuljahres nach 38jähriger Thätigkeit in den Ruhestand, Herr Borschullehrer Stoll ging zu gleicher Zeit in den städtischen Schuldienst nach Nürnberg über. Ferner nahm am 1. Januar Herr Professor Dr. Kurz aus Gesundheitsrücksichten seinen Abschied, und Herr Dr. Gottschall verließ die Anstalt am 1. April, um ein Lehramt an der städtischen Realschule zu,Pößneck in Thüringen zu über-, nehmen. Zum Ersatz für die ausgeschiedenen Herren traten als Lehrer der Vorschule Herr Lehrer Adler, als Fachlehrer für Naturwissenschaften Herr Dr. Hambuger und als Mathematiker Herr Lehramtskandidat Otto Haberl in den Dienst der Schule ein. Die Aufnahmeprüfung für das neue Schuljahr ist auf den 4. September, der Beginn des Unterrichts auf den 6. September festgesetzt. Oesterreich. Wien, 15. Juli. An den Congreß „Pro Armenia" in Brüssel richtete der „Politische Volksverein" folgende Petition: ■'* „Geehrte Herren! Mit freudigem Danke begrüßen . die zivilisirten Völker jede öffentliche Regung ihrer hochgesinnten Söhne, welche bestimmt und geeignet ist, allen Nationen und Bekenntnissen die Lehre und das Evangelium ihrer einheitlichen, menschlichen Zusammengehörigkeit immer wieder zu verkünden, die internationalen Verletzungen dieses Fundamentalsatzes der menschlichen Gesellschaft und Gesammtheit zu brandmarken und den um ihres Stammes oder Glaubens willen Bedrohten und Verfolgten mitfühlenden Beistand und faktische Hilfe zu gewähren. . So begrüßt denn auch, geehrte Herren, der in Oesterreichs Metropole Wien bestehende und wirkende „Politische Volksverein" Ihre diesmalige Versamm-