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Der Israelit · 1902-04-30 · Heft 34-35 (30.4.1902) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 34-35 (30.4.1902)
Date
1902-04-30
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Feld seiner Thätigkeit zu. Wenn in manchen Gegenden unseres Vaterlandes viel für uns Juden noch nicht so ist. wie es für uns wünschenswerth, so läge in vielen Dingen auch die Schuld an unseren Juden. Erst wenn die Juden insgesammt gelernt haben, mit mehr Stolz und Selbstachtung auf ihr Judenthum zu blicken, sich nichts gefallen zu lassen, sich kräftiger zur Wehr zu sehen, würden auch für uns die Zustände sich bessern. Redner schloß mit der Mahnung: „Nur wer sich selber achtet, den achten auch die Andern!" (Beifall.) An der sich an dieses Referat anschließenden Diskussion betheiligte sich zunächst Herr Dr. Woblberg, indem er sich hauptsächlich mit dem Grafen Pückler beschäftigte. Darnach ergriff Herr Dr. H orwitz das Wort, um in einer längeren, von lebhaftem Beifall der anwesenden Zuhörer begleiteten Rede, die Bestrebungen und das Ziel des Vereins, seinen Erfolg und seine ' Thätigkeit klarzulegen. Seine Erfolge: einmal für uns Juden selbst, also nach innen, zur Hebung des Selbst- Lewußtseins, zur Stärkung des Selbstgefühls, zur Verachtung der in der Zeit des Kampfes zum Feinde ll eberlaufenden, und nach außen: zur Abwehr in noch viel größerem Maße, als dies gewöhnlich unseren Glaubensgenossen zum Bewußtsein komme. Nur wenn alle Juden sich um das Banner des CentralvereinS schaaren, könne das Größte, das Höchste geleistet werden, und er ermahnt daher Alle, selbst Apostel, selbst Werber für die Bestrebungen des Centralvereins zu werden. Nachdem noch Herr Dr. Wiesenthal und Herr Caspar Hartmann in die Diskussion eingegriffen, schloß der Vorsitzende nach einem kurzen Schlußwort des zweiten Referenten, Herrn Dr. Moses., die Sitzung gegen r/,12 Uhr. Köln, 17. April. (Verein zur Verbreitung des Handwerks unter den Inden, Kölner Zweig verein „Lehrlings - heim." Während der langen Leidenszeit, die den Bekennern des Judenthums auferlegt war und die im finsteren, fanatischen Mittelalter ihren Höhepunkt erreichte. ersann man in raffinirter Weise alle möglichen Mittel, den armen, geplagten Juden den Kampf um's Dasein nach Möglichkeit zu erschweren, ja, in manchen Fällen ihn schier zu unterbinden. Zu den grausamsten Mitteln gehörte unstreitig die Ausschließung der Juden vom Handwerk, den gewerblichen Betrieben und dem Ackerbau. Durch diese Maßnahmen waren sic lediglich auf den Hausirhandel und auf Geldgeschäfte angewiesen. Man zwang sie, hohe Zinsen zu nehmen, um sie beim Volke recht verhaßt zu machen und sorgte dafür, daß man die Juden, sobald man annehmen durfte, sie hätten wieder etwas Geld und Gut angesammelt, durch schwere Contributionen von Zeit zu Zeit gründlich auspreßte. llm nun bei den westdeutschen Juden den durch den tausendjährigen Druck abhanden gekommenen Sinn für das Handwerk wieder zu beleben, gründeten edle, die Erfordernisse der Zeit erkennende Männer dor etwa M Jahren in Düsseldorf, unter Führung des leider früh verstorbenen Rabbiners Dr. Wedell, den ^Verein zur ,' Verbreitung des Handwerks unter den Juden." AuS diesem Vereine entstand in Köln ein jetzt selbstständig'- verwalteter Zweigverein unter dem Namen „Israelis Lehrlingsheim, Köln," welcher vor einigen Jahren, ein ebenso praktisch, wie geschmackvoll eingerichtetes HäuS, . das „Lehrlingsheim zur Unterbringung ' und' Der- , pflegung jüdischer Handwerkslehrlinge" errichtete?' Die' Zöglinge, deren gegenwärtig 32 das Heim bewohnen,'- dort Verpflegung und Unterricht finden, während 10' bei auswärtigen Meistern und 2 in hiesigen Familien untergebracht sind, müssen satzungsgemäß nach den ' Lehren und Vorschriften unserer heiligen Religiön'.er-V zogen werden. Die jungen Leute erhalten gute Pflege . und ausreichende Beköstigung, werden im Hause'durch s einen staatlich geprüften Lehrer, der zugleich HäuHinspektor ist, im jüdischen Und profanin Wissen unterrichtet und fühlen sich in ihrem Heim, sehr wohl und behaglich. Am Sonntag, den 13. April, fand im Festsaal des Lehrlingskeims die ordentliche Generalvet-.' sammlung des Vereins statt. Mit lebhaftem Interesse' folgte die ansehnliche Versammlung dem Vörkrage des vom Vorsitzenden, Herrn Dr. Med. Auer'L'ck'ch'^M-'. statteten Jahresberichts? Demselben' entnehmen w.ir^ daß im vorigen Jahre-7 Zöglinge die Anstalt verließen/ um als Gesellen in den verschiedenen Zweigen des.Hand- ' Werks nunmehr selbstständig für ihren Unterhalt zu jorgem Ein Zögling, der eine technische Ausbildung''auf. der hiesigen Gewerbeschule erhalten - hatte, fand?Änstellung als Techniker bei einem industriellen Werk in' Düsseldorf. Die dem Vereine' gegenwärtig zufließenden Jahreseinnahmen gestatten leider nicht eine weitere Aus-, dehnung seiner Wirksamkeit und so müßten verschied'ene? zur Berücksichtigung . wohlgeeignete Aufnahmegesuche zurückgewiesen werden?' : v'o-/- - Auf Antrag des Herrn Rabbiners Dr.-Frank beschloß die Versammlung die Gründung einer Lehrlingsstiftung. Durch Zahlung eines Jahresbeitrages von Mk. 400—500, welche Summe der- Unterhalt und der Unterricht jedes Lehrlings' jährlich beansprucht, können wohlhabende Glaubensgenossen sich.ritt jener schönen Stiftung betheiligen und dadurch um'ditAüSdehnung der noch beschränkten Wirksamleit des Vereins' ein bleibendes Verdienst stcherwerben. Die Namen der Stifter sollen auf einer Ehrentafel verzeichnet und jm Jahresbericht aufgeführt werden.; /; ^T, Gelegentlich der Ehanukafeier' wurden aus. her. Stiftung eines Gönners der Anstalt an fleißige Schülei' Geldprämien in Form von Spartassenbüchern, übet je 20—30 Ml., im Ganzen Mk. 220,'vertheilt. Alls elyi^r weiteren Stiftung desselben Wohlthäie'rs erhielten zwei Zöglinge Stipendien zu ihrer technischen Ausbildung.' Rach dem Kassenbericht stellen sich die Einnahmen und

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