Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 34-35 (30.4.1902)
- Date
- 1902-04-30
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Förderung deL gesetzestreuen JudenthumS begründet werden." Diese Vereine sollten, von sachkundiger Seite angeleitet-werden, Thorastudium und.abermals Thorastudiüm nach einem bestimmten Plane zunächst, zu ~pffegen: ~ (B sollen diese Vereine ihre regelmäßigen Zusammenkünfte an einem seicht erreichbaren Orte halten und dort durch das lebendige Wort eines jüdischen Gelehrten Unterricht und Belehrung über das wahre Judenthum erhalten.' Es müßte zu diesem Zwecke das ganze Badische Land in drei Zonen getheilt werden.' Die erste hätte ihren geistigen Mittel- und Stützpunkt in Frankfurt a. M., die zweite in Karlsruhe und die dritte in Freiburg zu suchen. Von Karlsruhe aus sollte das Werk in die Hand genommen werden. Die dortigen gesetzestreuen Kreise sollten zu diesem Zwecke Pioniere in die Landgemeinden entsenden. Es ist sicher, daß sie noch überall einen empfänglichen Boden vörfindcn werden. .Mag es sich zunächst nur um die Pflege der Lehre handeln. Die Knospe wird unfehlbar aufbreckien, die Blüthe entfalten und herrliche Frucht zeitigen. Die Zeit ist heutigen Tages für derartige Bestrebungen günstiger denn je. Die Großherzogliche Regierung wird solchen Bestrebungen keineswegs ein Hinderniß in den Weg legen. -derselben werden vielmehr durch den Anklang, den solche Bestrebungen in. der Landbevölkerung finden, die Augen für die eigentlichen Bedürfnisse der ^wahrhaft religiösen Bevölkerung geöffnet werden. Sie wird/ wie gar nicht anders zu erwarten, den Männern,, die'sich in den Dienst dieser hochherzigen. Bestrebungen stellen. Förderung ongedeihen lassen. Die Herren Bezirksrabbiner aber werden sich wohl hüten, dieselben unter Mißbrauch ihrer Befugnisse stören oder hintertreiben zu wollen. Wenn durch diese fortgesetzte Kleinarbeit der Boden erst bearbeitet sein wird, so wird es auch mit Gottes Hilfe dahin kommen, daß das gefetzestreue Judenthum in Baden dieselbe gesetzlich gleichberechtigte Stellung genießen wird, wie in dem benachbarten Hessen. ' R. ZeikmgSuachrichLett rmd CorrespEderrzerr. Berlin, 17. April. Am gestrigen Abend hielt die größte Gruppe des „Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" (N. N.O.), eine äußerst zahlreich.besuchte Versammlung ad, in der zum ersten Theil der Tagesordnung Herr Levy einen kurzen Lebensabriß des weit über die Grenzen unseres engeren Vaterlandes bekannt gewordenen Pädagogen, des Rektors H o rwi tz, gab. Er schilderte dessen Wirken nach drei Richtungen, die sein Leben ganz ausfüllten: als Gatten, als Rektor und Erzieher der Kinder, und als Deutschen in der Vethätixung seiner Vaterlandliebe! In allen drei ging er in gleicher Weise auf!. Ganz besonders aber hob der Vortragende die fast Allen in Vergessenheit gerathene Bedeutung Horwitz's als Dichter, namentlich religiöser und lirurgischer Gesänge, hervor, und schilderte unter Darbietung einzelner, vielleicht der hervorragendsten Schöpfungen auf diesem Gebiete, auch diese Seite des unvergeßlichen Leiters der noch heute unter seinem Namen bekannten Horwitz- Schule. . ' ' . Reicher Beifall wurde dem Vortragenden von der Versammlung gespendet! . . Als zweiter Punkt der Berathung stand die Propaganda auf der Tagesordnung. Vor Eintritt in dieselbe begrüßte zunächst, unter Zustimmung aller Anlvesenden, Herr Dr. Wohlberg, den früheren Vorsitzenden und Leiter dieser größten Gruppe des Centralvereins, der sich um die Förderung des Letzteren im Allgemeinen äußerordentliche Verdienste erworben, Herr Dr. Julius Moses, und ertheilte ihm das Wort. Redner schilderte zunächst die Erfahrungen, die er auf dem Gebiete der Propaganda für den Centralverein sich erworben, und betonte, daß trotz der erfreulichen Fortschritte — der Verein zählt jetzt bereits über 100,000 deutsche Juden zu den Seinen — dennoch große Gebiete in unserem Vaterlande zu beackern übrig bleiben. Namentlich gelte es, die besser Situirten unserer Glaubensgenossen, die sich noch immer einem nicht genug zu verurteilenden Jndifferentismus hingeben, aufzurütteln aus ihrer Lethargie und sie zu überzeugen, daß die Zeiten der Leisetreterei für uns Juden vorüber sein müssen. Redner schilderte dann eingehend die Verhältnisse der Juden, wie er sie in der Hochburg des Liberalismus, in der übrigens der Antisemitismus genau so blühe, wie der Jndifferentismus, unter den Juden selbst angetroffen und erörterte namentlich die Frage, ob es angängig sei, an die Spitze der Verwal- . tung der Gemeinde einen Mann zu stellen, dessen Kinder dem Taufbecken zugeführt seien. Man betrachte dies in mancher Gemeinde als einen besonderen Akt der Toleranz; diese Toleranz sei aber im Grunde nichts anderes, als die größte Intoleranz gegen uns Juden selbst! Denn was sollten unsere christlichen Mitbürger von dem Werth unserer eigenen Glaubensgemeinschaft, von unserem Stolz ^ind unserer Selbstachtung denken, wenn wir an die «spitze unserer Gemeinschaft Männer beriefen, die dem Judenthum den größten Faustschlag gethan und ihm nach Levita'schem Rezept die Kinder, die Zukunft entziehen?! Weiter schilderte Redner die in jener Gegend und auch im Posen'schen noch aus der guten alten Zeit bestehende Sitte resp. Unsitte, in die städtischen Vertretungen Männer nicht als deutsche Staatsbürger, sondern nach konfessioneller Scheidung als Juden hinein wählen zu lassen, also sog. jüdische Stadtverordnete. Er bekämpfte diese Prinzipe auf das allerschärfste und wies auch hier dem Centralverein ein