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Der Israelit · 1902-04-30 · Heft 34-35 (30.4.1902) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 34-35 (30.4.1902)
Date
1902-04-30
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Ausgaben auf Mk. 16,568, gegen Mk. 4000 im Jahre 1891, Ml. 9900 in 1899 und Mk. 10,000 für 1900. An Mitgliederbeitragen flössen dem Vereine im vorigen Jahre Mk. 6530, an Geschenken Mk. 2090, an Zuschüssen von Vereinen und Corporationen Mk. 1795, an Zuschüssen der Eltern von Zöglingen und Gönnern der Anstalt Mk. 1200, an Vergütungen der Meister 3025 Mark zu. Unter den Ausgabeposten finden wir: Kosten der Beköstigung und des Unterhalts der Zöglinge Mk. 9180, für deren Bekleidung Mk. 730, für Unterricht Mk. 685. Gehalter und Inkasso Mk. 1676, Hypothckenzinsen auf das Lehrlingsheim Mk. 1700, Hauseinrichtungs-Anschaffungen Mk. 610. Zur Deckung eines Fehlbetrags mußten Mk. 1100 dem Lehrlingsheim-FondS entnommen werden, v. > Der Verwaltung wurde Entlastung ertheilt und die statutengemäß ausscheidenden Vorstandsmitglieder wiedergewählt. An die Verhandlungen schloß sich ein interessanter Vortrag des Vorsitzenden, Herrn Dr. Auerbach, über die Frage: »Berechtigen uns die heutigen wirtschaftlichen Verhältnisse, jüdische Jünglinge dem Handwerk zuzuführen?" Nach eingehender Begründung gelangte Redner zu einer Bejahung dieser Frage, da der Beruf als Handwerker für nicht hinreichend bemittelte junge Leute immer noch eher Gelegenst zur Gründung einer selbstständigen, ausreichenden Existenz gewahre, als der. meist einseitig bevorzugte kaufmännische Beruf und die zu stark besetzten gelehrten Berufe. Zum Schlüsse der Sitzung begaben sich die Anwesenden in die geräumige, vorzüglich eingerichtete Turnhalle, um einen Schauturnen der Zöglinge beizuwohnen. Alle, auch die schwierigsten Uebungen, gelangten unter Leitung des Turnlehrers Herrn Kann vortrefflich zur Vorführung und bekundeten große körperliche Gewandtheit und Sicherheit. Das Aussehen der Zöglinge ist vortrefflich, dank der guten und sorgfältigen Verpflegung,. die ihnen in der Anstalt zu Theil wird. Dem wackeren Vereine wünschen wir eine kräftige, gedeihliche Fortentwickelung, ein weiteres Wachsthüm und Fortschreiten auf der so erfolgreich beschrittenen Bahn. Frankreich. Paris, 24. April. Von Zeit zu Zeit gehe ich,in die Straßen, die-vorzugsweise von unseren armen russischen^ Glaubensgenossen bewohnt sind, um meiner Brüder und Schtmstern Leiden und Entbehrungen zu sehen und meines Volkes Elend zu kennen. Ein berühckter. französischer Historiker, der ebenso groß als Gelehrter wie als Mensch war — ich meine Michelei — sagte dieses wahre und weise Mort: »Es genügt, nicht zu wissen, daß eS Leute gibt, tue vor Hunger sterben; man muß diese Leute vor Hunger sterben sehen!" .Am-ersten Feiertage bin ich in'3 jüdische Viertel hingegängen, Um eine arme jüdische Frau zu . besuchen, auf die vorzüglich die Worte Channsso'S zutreffen: Sie hat den kranken Mann gepflegt/. Sie hat drei Kinder ihm geboren, Sie hat ihn in das Grab gelegt Und Glaub' und Hoffnung nie verloren." Diese so muthige Frau sucht ihre Kinder künnner-! ich, aber redlich zu ernähren, indem sie vom frühen Morgen bis zum späten Abend für eine verhältnißmäßig recht geringe Entschädigung arbeitet. Nun ist das frohe Frühlingsfest, diese freudige Freiheitsfeier, gekommen, da sollte man doch die Gelegenheit wahrnehmen. der armen Frau und ihren kleinen Kindern etwas zu helfen, um es ihnen zu ermöglichen, sich wenigstens während der Feiertage von all' den Leiden, die sie im Laufe des ganzen Jahres über sich ergehen. lassen muß, etwas zu erholen. Von der Freude, die in jeder jüdischen Familie wahrend dieses so schönen Festes herrscht, ist im Hause der armen Wittlve nichts zu verspüren. Die kleine Stube, die zugleich als Speise-, sowie als Schlaf- und Empfangszimmer dient, ist finster, traurig und kalt, als wollten die Wände selbst von dem in diesem Hause herrschenden Elend Zeugniß ablegen. Die gelben und blassen Gesichter sind sorgen- und kummervoll. Und als ich dem jüngsten Kinde sagte: „Vien» eher petit, que je t’embrasse!“ da umarmt mich das kleine, zarte Geschöpf und fangt an bitterlich zu weinen. Und da das Kind seine Wange an die meine gelegt, da fielen unsere Thränen zusammen. Die reichen französischen Juden haben wiederum auch dieser Frau gegenüber ihre Pflicht nicht erfüllt. Wie oft, meine Herren, soll man Sie an Ihre verd ... Pflicht und Schuldigkeit erinnern, um Sie zu irgend, einer nennenswerten That zu bewegen? l Was diesen speziellen Fall betrifft, so bitte ich diejenigen Männer unter Ihnen, die noch einige hebräische Zeilen lesen können — allzu zahlreich dürften wohl solche Männer in Ihrer Mitte nicht sein! — an das berühmte Wort unserer Weisen zu denken: nna» 'aas. nm i Pi. A f t i! o. Algier. Der Kommandeur des ersten Zuaven- Regiments hat nachstehenden Regimentsbefehl erlassen: ..Der Zuave Geslin von der 6. Kompagnie ist mit 14 Tagen Arrest, davon 8 Tagen schweren Arrest, bestraft worden, weil er einen seiner Kameraden »schmutziger Jude geschimpft." ihn geschlagen und mit dem Bajonett bedroht hat. Der Oberst benutzt diese Gelegenheit, um Allen wieder einmal in's Gedächtniß zu rufen, daß es im Regiment weder Juden. Katholiken noch Vroiestanten gibt, sondern nur Kameraden, welche die Waffe'nbrüderlichkeit vereinigt. Uebrigens hätte der Zuave Geslin, ehe er Andere mit dem Schimpfwort schmutzig ^belegte, besser gethan, selbst ein reinlicher und . tüchtiger Soldat zu werden, denn eine Prüfung seines Strafregisters zeigt ihn leider nicht in solchem Lichte. Der .Oberstkommandant der Zuaven, Dubais"

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