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Der Israelit · 1902-07-14 · Heft 56 (14.7.1902) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 56 (14.7.1902)
Date
1902-07-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Mathematik, klassische Sprachen auf's eingehendste beherrschte. es im Lernen zu einer Meisterschaft, daß, als er kaum die Hälfte seiner Jahre' ausgelebt, eine ganze Welt in halachischen Fragen stch an ihn wandte, daß sein Name in wichtigen Entscheidungen neben dem deS TTO und des Würzburger Rav, der alten, hochbetagten glänzte. Und was ihm das Heiligste und Tbeuerste gewesen, das hat er gegen jeden Angriff mit den scharfen Waffen seines Geistes vertheidigt. Mit seiner Dissertation: „Ueber die echte Art der Bibelinterpretation," mit den „Materialien zur Beurtheilung der Septuaginta" kämpfte er für die Integrität der heiligen Schrift, seine: „Beschreibung des Herodianischen Tempels" nimmt die Glaubwürdigkeit der Mischna Josephus gegenüber in Schutz, zahlreiche Bittschriften, Artikelserien (vor allem im „Israelit", Jahrgang 1860—70) und wissenschaftliche Werke treten den Verächtern und Verkleinern der Tradition — einem Geiger. Löw, Fasse! u. a. — entgegen. Doch Werke haben auch andere geschrieben. Aber keiner hat wie er die Menschen gemodelt nach seinem Ebenbilde. Nicht nur ein Denker war er, sondern auch ein Frommer, ein Frommer nicht durch Sprüche und Lehren, sondern durch seine ganze Persönlichkeit, die von gewaltigem, unauslöschlichem Eindruck auf seine Mitwelt, vor allem auf die zahlreiche Menge seiner Schüler gewesen, die alle mit schwärmerischer Begeisterung und Liebe an ihm gehangen. Und diese Wirkung hatte seine Persönlichkeit, weil seine Frömuligkeit eine echte gewesen, nicht jene, die im Kultus der Empfindungen aufgeht, sondern die in Thaten sich äußert. Und wie mit der Front nach links gegen die Reformer, deren ganze Religion in der Erweckung von glaubensseligen Gefühlen vermittelst Orgelklang und Ehorgesang besteht, so mußte er auch nach rechts hin kämpfen gegen die Auswüchse des Chassidismus. Und doch bat er den berechtigten und edlen Kern dieser Bewegung erkannt, hat sein eigenes deutsches Empfinden am Feuer des Ostens entzündet, nnc»2 *n nrr rat war auch seines Lebens Devise. Und zum Dritten war er ein Held. Sein ganzes Leben hat er mit dem irdischen Triebe gerungen und immer obgesiegt. „Man kann, was man ^vill," äußerte er einmal im Laufe einer Unterredung, und noch mehr, er selber war ein lebendiges Beispiel für diesen Ausspruch. Den Schlaf, von dem der Talmud meint, kein Mensch habe über ihn Gewalt, er hat ihn gar oft bezwungen im Dienste seines Gottes. Einen Helden konnte man ihn auch nennen, weil er mit eiserner Energie zu Ende geführt,' was er einmal unternommen. Aus dem Nichts hat er eine gesetzcstreue Gemeinde geschaffen und ein Rabbinerseminar gegründet, der Falaschas hat er sich angenommen, vor der Mission in Jerusalem seine warnende Stimme erhoben, in's Feindesland den jüdischen Kriegern Pessachspeise gesendet, den russischen Flüchtlingen die rettende Hand geboten, was die Flammen in Bagdad zerstört, wieder ausgebaut, das Elend der aus ihrer Heimatb Vertriebenen gelindert, ums Zions willen jwA) n' geschwiegen. Das war Rabbi Esriel Hildesheimer s. A., ein Denker, ein Frommer, und ein Held! . Wir haben in Vorstehendem Nur das dürftige Gerippe der Rede des Herrn Dr. Wohlgemuth geben können, die in Form und Inhalt gleich meisterhaft, man könnte wohl sogen, außergewöhnlich zu nennen war. Das ganze Leben des großen Mannes rollte sie . vor uns auf, alle seine Kampfe, seine gesammte wissenschaftliche Thätigkeit, sein Wirken für seine Schüler, für seine Gemeinde, für brrnsn bbi. Und wunderbar wie der Inhalt, war auch die Form: Das Ganze , mosaikförmig aus Schriftversen aufgebaut, ausklingend in eine Mahnung an die Hörer des Rabbinerseminars, diesem großen Borbilde nachzueifern, Stein aus Stein zu fügen zu dem gewaltigen Gebäude, das seine Hand aufgeführt. Tiefe Ergriffenheit auf jeglichem Angesichte, das war der Nachhall dieser herrlichen Rede und nur mit thränenerstickter Stimme vermochte der Sohn des Verewigten, Herr Dozent Dr. H. Hildesheimer, das Kaddischgebet zu verrichten. Die Rezitation des 91. Psalmes, sowie eines von Herrn Rektor Dr. Hoffmann verfaßten CEt-n i6e Gebetes beschloß. die unvergeßliche Feier. . d. Dresden, im Juli. Das Oberverwaltungsgericht hat jüngst eine für die jüdischen Gemeinden in Sachsen, eminent bedeutsame Entscheidung getroffen, deren Wortlaut nunmehr vorliegt. Drei Mitglieder der Gemeinde in Plauen haben unter dem 29. September 1900 dem Vorstände ihren Austritt aus der Gemeinde für den 30. September schriftlich erklärt. Der Vorstand sah diese Kündigung als wirkungslos an und ersuchte, da die Mahnung zur Zahlung der Beiträge wirkungslos blieb, den Stadtrath um Zahlungsvollstreckung, welche — nachdem ein bei der Kreishauptmannschaft eingelegter Rekurs abgewiesen worden war — am 28 August 1901 ausgeführt wurde. Nun erhoben die Betroffenen die Anfechtungsklage beim Oberverwaltungsgericht, indem sie geltend machten, daß 1) die jüdischen Gemeinden nicht zu den anerkannten Neligionsgesellschaften gehören. sondern .Vereine sind, deren Beiträge nach den Vorschriften der Civilprozeßordnung und nur von ihren Mitgliedern eingetrieben werden dürften, was sie, die Kläger, nach ihrer Austritts-Erklärung nicht mehr waren; 2) die Bildung jüdischer Religionsgemeinschaften nicht durch Beschluß eines Ressortministers, sondern nur durch Gesetz erfolgen könne; 3) ein einzelnes Ministerium nicht im Wege der Statuten - Genehmigung einen Verein in eine juristische Person'des öffentlichen Rechts umwandeln, insbesondere ihm nicht die Kompetenz verleihen könne, von seinen'Mitgliedern Steuern zu erheben und dieselben ohne Weiteres mit . Hülfe, der

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