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Der Israelit · 1902-07-14 · Heft 56 (14.7.1902) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 56 (14.7.1902)
Date
1902-07-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1202 Verwaltungs-Behörden unter Umgehung des Rechtsweges einzuziehen. In seiner Entscheidung erklärt der Zweite Senat des Oberverwaltungsgerichts, daß „die jüdischen Religionsgemeinschaften in Sachsen, wenngleich nicht zu den aufgenommenen im Sinne von Paragraph 66, Absatz 1 der Verfassungs-Urkunde, so doch zu den anerkannten, im Sinne von Paragraph 20, Absatz 1 des Gesetzes vom 20. Juni 1870 gehören." Gleich unrichtig sei die Anschauung, daß die Bildung jüdischer Religions-Gemeinden nur durch Gesetz erfolgen könne; vielmehr dürfe laut Paragraph 57 der Verfassung das Kultusministerium als zuständiges Organ der Staatsgewalt die Genehmigung zur Bildung einer Gemeinde nicht versagen, wenn ohne dieselbe der jüdische Kultus nicht gepflegt werden könne. Hingegen anerkannte das Oberverwaltungsgericht unter eingehender Begründung, daß juristische Personen des öffentlichen Rechts, soweit sie Finanzgewalt beanspruchen, nicht durch Administrativ-Akte geschaffen werden können, und daß keine gesetzliche Bestimmung existire, welche die Steuersorderung der jüdischen Gemeinde und der auf ihren Antrag eingeleiteten Zwangsvollstreckung begründen könne. Darum sei das wider die Kläger eingeleitete Verfahren als unzulässig aufzuheben und die Rückzahlung der von denselben entrichteten Beiträge und Kosten zu verfügen. Die Vorstände der jüdischen Gemeinden zu Dresden, Leipzig, Chemnitz und Plauen sollen, wie man hört, - entschlossen sein, dem Landtag eine Petition zu unterbreiten, in tvelcher gebeten wird, unter Abänderung des bestehenden Gesetzes, den Gemeinden das Recht auf zwangsweise Einziehung der Steuerbeiträge zu ertheilen. Ungarn. Budapest, im Juli. Der hiesige Heilige Verein (Chewra-Kadischa) hielt kürzlich unter dem Vorsitze Jakob Boschan's seine ordentliche Jahresversammlung. Aus dem von Vereinsanwalt und Sekretär Dr. Franz Mezey verlesenen Jahresberichte gelangte nur der Passus zur Verlesung, welcher in pietätsvollen Worten des im verflossenen Jahre verstorbenen Präsidenten Moriz Ehrlich gedenkt. In dankbarer Anerkennung der Verdienste des Verblichenen ließ der Verein dessen lebensgroßes Porträt durch,den hervorragenden Maler Gustav Magyar-Mannheimer für den Sitzungssaal des Vereins Erstellen. Der übrige Theil des Berichtes wurde als verlesen betrachtet und das Absolutorium eriheilt. Ueber die vorjährige Thätigkeit des segensreich wirkenden Vereins seien folgende Daten angeführt: Das Siechenhaus im Stadtwäldchen kam dem Heiligen Verein im verflossenen Jahre auf 46,074 Kr. zu stehen; die Vereinsbeiträge für das israelitische Spital und für das Adele. Brody-Kinderspital beliefen sich auf 48,000 respektive 10,000 Kronen. Die Vereinsstiftung für das Stephanie-Kinderspital wurde auf 4000 Kronen verausgabt. An Arme wurden 100,000 Kronen vertheilt. Auf Vereinskosten wurden im Vorjahre 1622 Personen begraben, nach weiteren 276 Leichen wurde dem Verein nur ein Bruchtheil der Spesen ersetzt. Jnsgesammt fungirten die Vereinsorgane im verflossenen Jahre bei 2493 Bgräbniffen. Die vorjährigen Humanitären Ausgaben des Vereins betrugen nicht weniger als 604,181 Kronen. Die Generalversammlung billigte die von der Vereinsleitung geplante Erweiterung des Siechenhauses und die Errichtung eines Kurses für Krankenpflege. Ebensolche Billigung fand die Idee der Errichtung eines Vereins- Asyls für arme und sittlich unbescholtene Familien. Das Vereinsbudget vro 1902 wurde mit 491,810 Kr. Einnahmen und 611,671 Kr. Ausgaben sestgestellt. vermischtes. Eydtkuhnerr. 7. Juli (Verhängnißvoller Jrrthum.) Der 55 jährige jüdische Pferdehändler Abraham Lakowsky aus Wrballcn war am 1. Juli vcr Fuhre mit Pferden zum Wehlauer Markte gefahren. Unterwegs machte er in dem Stalle einer Dorfschenke bei Insterburg zur Nacht Rast und war eingeschlafen. Plötzlich wurde er durch mehrere Schläge, die ein vor ihm stehender Mann gegen seinen Kopf mit einem dicken Stocke führte, aus dem Schlafe erweckt. Der Unbekannte glaubte in L. einen Mann , vor sich zu haben, dem er schon lange Rache geschworen hatte. Er hieb auf den Schädel des L. unaufhörlich ein, als ob er von Holz wäre. L. raffte sich blutüberströmt auf und wurde mit Mühe und Noth nach seiner Heimat gebracht. Dort liegt er heute noch schwer krank danieder. Der bestialische Uebelthüter hat leider das Weite ergriffen. Eduard SegaN. Bukarest. (Frau Rosa Staadecker» gewesene Leiterin des Comites der Assistent« in Bukarest, Unterstützungsverein für arme Israeliten, bekannt durch ihre unzählige gute Thaten; — geboren in Heidlngsfcld (Bayern) im Jahre 1863,' Tochter des Spirituoscnfabrikanten Deffauer aus Heidingsfeld. Ihre Studien absolvirte^sie in Würzbnrg, wo sie eine vorzügliche Erziehung genauen hat. — Fr. Staadccker kam mit ihrem 21. Lebensjahr in's Land, heirathete Herrn Ludm. Staadecker, welcher nach 13jähriger Ehe starb, aber noch heute, ob seiner Wohlthätigkeit und Güte jedermann im Gcdächtniß ist Gleich nach ihrer Ankunft im Lande, hat sich Fr. Staadccker durch ihr edles Herz und außerordentlichen Charakter fortwährend ausgezeichnet. Sie wurde erst Mitglied, spater Präsidentin des Spital .Caritas", welches während ihrer Präsidentenschaft eine blühende Epoche zu verzeichnen hat. Nach 5 Jahren zog sich Fr. Staadecker zurück und wurde als Präsidentin der Schule »Jacob und Karolina Löbcl* gewählt, ist noch heute in diesem Amte und ist ob ihrer Arbeit und Schaffen ein Glück für dieses Institut. Sie nimmt auch regen Antheil als Comitödame für öffentliche Unterstützungen der arnren Israeliten von Seiten der Alliance (Paris), ebenso bei der Volksküche für Arme; — dorthin kommt sie regelmäßig und vertheilt persönlich Essen und Geld an die Unglücklichen. Kommt ein Fremder in's Land, ist es Fr. Staadecker, die auch diese Leute persönlich in allen jüdischen Straßen der Vorstadt herumführt und ihnen das Elend zeigt, sie hat natürlich dadurch schon oft ansehnliche Summen Geld für die armen Juden bekommen. Mit einem Wort Fr. Staadecker ist eine der wohlthätigsten Damen der Bukarester jüdischen Elite. . Briefkasten der Expedition. I. W. in F.: Ja. - — - ~ ' I Wer kann mir einen hübsch gelegenen Luftkurort in der Schweiz mit koscherer Verpflegung, bei mäßigem Preise, I angebe»? R. W. m 9Jfc

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