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Der Israelit · 1902-07-14 · Heft 56 (14.7.1902) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 56 (14.7.1902)
Date
1902-07-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1200 Hastarot-Kommentar. Dieser Druck zeigt bei aller Seltenheit, die ihn wie auch die Werke der Officinen in Kurutschescheme und Vortaköi, Vorstädten von Konstantinopel, auszeichnet, typographisch schon einen bedeutenden Rückschritt. Die Drucke Deutschlands, -Oesterreichs, der Schweiz und Dänemarks sind zu einer besonderen Gruppe vereinigt. Das erste uns hier begegnende Werk — von Petrus Niger in Eßlingen hergestellt — verwandte noch Holzschnitte hebräischer Buchstaben. Das Gleiche ist auch bei dem Murner'schen Buch, welches das .dritte überhaupt in Frankfurt gedruckte Werk ist, der Fall. Erst das Baseler Psalterium, dessen Werth noch durch handschriftliche Bemerkungen Luthers bedeutend vermehrt ist, zeigt die größere Vollendung, die der hebr. Buchdruck in Deutschland genommen hat. In erster Zeit wird er, hauptsächlich durch den fahrenden Buchdrucker Schwarz in Prag, Oels, Augsburg und Heddernheim gepflegt, zu höchster Blüthe entwickelt. Wir verdanken ihm die schöne Probe der Buch-Illustration, die zur Titelumrahmung des vorliegenden Katalogs verwandt wurde. Einzelne Druckereien Deutschlands waren nie für den Bedarf der Juden thätig. So haben Köln. Worms, Wittenberg, Jsny, Gens u. s. w. nur Werke für christliche Gelehrte hergestellt, die meistens mit lateinischer Uebersetzung erschienen. Die Hutter'schen Drucke in Hamburg und Nürnberg zeichnen sich durch sog. Hohlbuchstaben, mit denen dieser Gelehrte den Stamm jedes Wortes anzudeuicn versucht, aus. Die meisten Drucke sind in Hanau, Wilhermsdors, Frankfurt a. O., Sulzbach, Dyhernfurth und Fürth hergestellt. Krakau, Proßnitz, Zolkiew und Lemberg, die ihrem Charakter nach dem Kreise der Druckereien Polens und Rußlands angehören, wurden ihrer heutigen Zugehörigkeit zu Oesterreich wegen der deutschen Gruppe einverleibt. Eine fünfte Gruppe bilden die Druckereien in Frankreich, den Niederlanden und England; auch sie waren besonders im 16. Jahrhundert für christliche Gelehrte thätig. Amsterdan war der hauptsächlichste Druckort für Juden. Einzelne von ihnen, wie Avignon und Aix, brachten nur Gebetbücher nach dem Ritus der Juden ihrer Gegenden zu Tage. Die ausgebreitetste Druckerthätigkeit findet sich in den russischen Städten, die eine besondere Gruppe bilden. Es bestanden allein im 38. Jahrhundert mehr als zwanzig Offizinen, die gleichzeitig zumeist kabbalistische Schriften druckten. Diese Druckereien zeigen den größten Verfall, den der hebräische Buchdruck in seiner Geschichte genommen. Papier und Typen, Ausstattung und Sah sind in gleicher Weise abstoßend. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts haben die Druckereien in Wilna und Szytomir hebräische Drucke hergestellt, die mit Recht zu den besten gezählt werden. Der Orient ist mit einem Drucke aus Safed von 1663 vertreten, die indischen Druckereien Calkutta und Bombay zeigen den Einfluß englischer Drucker. Dem 18. Jahrhundert gehört die erste Druckerei Afrika's an. Die Drucke von Cairo und Tunis verrathen die italienische Schule. Um von dem ganzen Umfang der Hebraica- Sammlung ein Bild zu geben, ist eine Anzahl besonders interessanter Schaustücke gleichsam als Anhang zur Ausstellung in einer Gruppe zusämmengestelli worden.- Die Briefe aus der Esra-Genisa bei Cairo zeigen einen Schriftcharakter, der zu den ältesten uns erhaltenen gehört. Zierliche Federzeichnungen und schön ausgeführte reich vergoldete Miniaturen weisen zwei Pergament- Handschriften aus dem 16. und 17. Jahrhundert aus. Eine reich verzierte Esther-Rolle zeigt köstliche Proben vom italienischen Geschmack des 18. Jahrhunderts. Buch-Illustrationen, der einzig bekannte hebräische Notendruck aus dem Jahre 1622 und Drucke aus farbigem Papier beschließen die sehenswerthe und lehrreiche Ausstellung. Zeitungsnachrichten und Eorresporrverrzerr. Deutschland. Berlin, 11. Juli. Am vergangenen Mittwoch waren wir Zeugen einer ergreifenden, eindrucksvollen Feier. Am Jahrzeitstage des großen Begründers des Rabbinerseminars, Dr. Israel Hildesheimer s. A., am 4. Tamus, versammelten sich in der Bachurim-Synagoge des Seminars um 10 Uhr Morgens die Dozenten, Hörer und Freunde der Anstalt zu der üblichen Gedächtnisfeier. Nachdem Herr Rektor Dr. Hofsmann Psalm 16 rezitirt hatte, bestieg Herr Dr. I. Wohlgemuth die Kanzel, um in etwa einstündiger meisterhafter Rede ein Lebensbild des unvergeßlichen Gaons in Israel zu zeichnen. Nach drei Gesichtspünkten entwickelte der geistvolle Redner Wesen und Wirken seines verewigten Meisters, als Denker, als einen Frommen und als Held schilderte er ihn dem Geschlecht, das ihn mit Augen nicht gesehen, das nur die Kunde von ihm vernommen. — Er war ein Denker. Aus den Geistesschätzen der Alten und aus den Errungenschaften seiner Zeit hatte er sich eine Weltanschauung geschaffen, die Glauben und Wissen harmonisch vereinte, war er der Typus des jüdischen Gelehrten gewesen, wie ihn das spanisch-arabische Mittelalter gekannt und verwirklicht. Vom Glauben war er zum Wissen geschritten, hatte er sich zur geschlossenen Weltanschauung erhoben. Im Mittelpunkte seines Studiums standen ihm o*er *pn. und im Kreise die nichtjüdischen Fächer. „Lernen" und immer wieder „Lernen" — das war feine Devise, llnd darum brachte er, der doch dem Profanen so viel r Jahre gewidmet hatte, der Philosophie und Orientalia,

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