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Der Israelit · 1902-07-14 · Heft 56 (14.7.1902) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 56 (14.7.1902)
Date
1902-07-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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43» Jahrgang. riTi zu M lic Assstellmg hebröislhtt Mlkiscck in ün FmkfMtn StaiKliiMiotficf.*) Von A. Freimann—Frankfurt. 'Die Entwickelung der Hebraica- und Judaica- Sammlung der Frankfurter Stadtbibliothek ist in Nr. 32 der „Frankfurter Zeitung" vom Jahre 1899 durch den Direktor der Bibliothek, Herrn Professor Dr. Ebrard, anläßlich der Erwerbung der Dr. A. Verlinerschen Vüchersammlung geschildert worden. Inzwischen gelang es Herrn Rabbiner Dr. Horovitz mit Unterstützung mehrerer Gönner, eine umfangreiche Sammlung handschriftlicher Fragmente aus der Genisa der Esra-Synagoge und der Karäer in Kairo zu erwerben, die er der Stadtbibliothek überwiesen hat. Ihre bedeutungsvollste Zuwendung erhielt die Sammlung, die durch die Mittel des laufenden Bibliotheks-Etats ständig ausgebaut wird, durch die.Freiherr Wilhelm Karl von Rothschild'sche Stiftung, über die in Nr. 169 der „Frankfurter Zeitung" 1901 eingehend berichtet wurde. Um auch weiteren Kreisen den Umfang und die Art der Sammlung zu zeigen, hat die Direktion der Stadtbibliothek aus Anlaß der am 7. und 8. dss. MtZ. hier stattgefundenen Generalversammlung des Rabbinerverbandes in Deutschland in den Bibliotheksräumen eine Ausstellung veranstaltet, über die ein gedruckter Katalog vorliegt. Es ist der Versuch gemacht, aus den Bücherbeständen der Anstalt die Entwickelung des hebräischen Buchdrucks von seinen Anfängen in Italien bis zu den Ausläufern im Orient zu zeigen. Es hat daher die Ausstellung einen rein typographischen Charakter erhalten, indem von jeder Stadt, die eine hebräische Druckerei besaß und wo Bücher mit hebräischen Typen gedruckt wurden, möglichst der älteste Druck als Probe verwandt wurde. Der Ausstellungsraum gebot für die typographischen Erzeugnisse des 19. Jahrhunderts eine Beschränkung auf das Bemerkenswertheste. Der erste Theil der Ausstellung zeigt den Entwickelungsgang, den der hebräische Buchdruck in Italien genommen.. .Die Typen des Mantuaner Arztes und . Druckers Conat ähneln den geschriebenen Buchstaben noch so sehr, daß die Erzeugnisse seiner Offizin lange . Zeit für Handschriften angesehen wurden. Einen Fortschritt, zeigt die Druckerei, die vor 1480 in Rom bestand. Eine bis auf den heutigen Tag nicht mehr erreichte Vollendung hinsichtlich der Form der Typen und der . Puchausstattung tritt uns bei der Betrachtung der von _ . *) Mit freund!. Erlaubniß des Verfassers ans der «Frankfurter Zeitung". Nachdruck verboten. der Soncinaten-Familie hergestellten Druckwerke vor Augen. Es liegen Proben von Sonrinaten-Drucken aus den italienischen Städten Soncino, Brescia, Fano. Pesaro, Ortona und Rimini vor. Der von Aug. Giustiniani, Bischof von Nebia, herausgegebene Pylyglotten-Psaltera erregt unser Interesse durch die Glosse zu Psalm 19, wo eine detaillirte Schilderung der Entdeckungen seines Landmannes Christoph Columbus zu finden ist. Den Soncinaten war 1617 in dem Patrizier Daniel Bömberg zu Venedig eine fühlbare Konkurrenz entstanden. Ihren. Drucken reihen sich Bömbergs typographische Leistungen würdig an. Bömberg hatte auch den Muth, größere Werke zu drucken; wir verdanken ihm die erste Ausgabe der Rabbinischen Bibel, d. h. des alten Testaments, mit mehreren hebr. Kommentaren jüdischer Schriftsteller des Mittelalters, des babylonischen und jerusalemitischen Talmuds u. 2K m. Seine Drucke haben den Offizinen in Bologna, Ferrara, Sabbioneta, Cremona, Riva, Padua, Verona u. s. w. als Vorbild gedient. In der zweiten Hälfte des 17> Jahrhunderts beginnt für hebräische Drucke der Verfall, der ja auch bei allen anderen Druckereien jener Zeit sichtbar wird. Einzelne Druckereien sind nur noch mit der Herstellung von Bibeln und Gebetbüchern beschäftigt, letzteres zum Theil im Aufträge orientalischer Besteller, wie in Pisa und Livorno. Armselig ist die Ausstattung des Buches, das nur für den täglichen Bedarf bestimmt war. Eine ähnliche Entwickelung nimmt der Buchdruck in Spanien und Portugal und. seinen Ausläufern in der europäischen. Türkei. Bei diesen Drucken fesselt uns, abgesehen von den Typen, die der Kurrentschrift der spanischen Juden nachgeahmt ist und schon durch ihren runden Charakter den Einfluß der bei jenen gebräuchlichen arabischen Schrift nicht verleugnen kann, vor Allem das Titel-Ornament des Liffaboner Druckes. Minuskeln sind mit sagenhaften Thieren zu einer Randleiste verbunden, die ganz und gar maurischen Stil verräth. Eine freiere Entfaltung in der Anwendung von Thieren züm Ornament zeigt der auch typographische hervorragende Druck von Leiria. Das vorliegende Exemplar ist das einzige bekannte und kam im vergangenen Jahre mit den Rothschild'schen Büchern in die Stadtbibliothek. Der gelehrte Lissaboner Drucker Elieser Toledano nahm bei der Vertreibung der Juden aus Portugal Typen und Randleisten als fein Handwerkszeug mit sich; wir begegnen beiden in dem Drucke der Pesach-Hagada von Konstantinopel, die er mit dem Kommentar seines Landsmannes Jsak Abravanel, des ehemaligen Finanzministers der Könige von Castilien und von Portugal, versah. Aus Belvedere, der Drucke- - rei der Herzogin von Naxos, Donna Reyna, stammt der

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