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Der Israelit · 1902-07-14 · Heft 56 (14.7.1902) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 56 (14.7.1902)
Date
1902-07-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1194 Wellen Speisegesetze nicht zwecklos sind, daß gerade sie viel dazu beitragen, sich den Genüssen — die vielfach zur Unsittlichleit führen — zu entsagen. Und wenn man sieht, wie der gesetzestreue Jude vorzieht, lieber trocknes Brod zu essen, ja sogar es vorzieht, zu hungern, als seine Speisegesetze zu verletzen, so muß man doch zu der Ueberzeugung kommen, daß in dieser Entsagung die beste Gewähr gegen jede Unsittlichkeit liegt. Sorgen wir also dafür, daß gerade diese armen galizischen Juden sich nicht dem Religionsgesetze entziehen und — jeder Mädchenhandel wird verschwinden. Und schließlich, was ist es, das diese galizischen jüdischen Proletarier von ihren Speisegesetzen nicht abweichen läßt? Einzig und allein ihr Gottesglaube! Und darum beten sie täglich zu ihrem Gott und Schöpfer: „Du öffnest Deine Hand und sättigst Jeden nach Wohlgefallen!" Poseach es jodecho; der Gottesglaube erhält sie in ihrer Noth und hier zeigt es sich, daß durch die Religion das soziale Leben gehoben wird. Kommen wir unserem Gesetze nach, dann treiben wir auch die rationellste Sozialpolitik und heben das soziale Leben. Unsere Sozialpolittk — sie ist niedergelegt in unserem Gesetz, in unserer heiligen Thora — sie ist das sozialste Buch der Welt und hat schon vor tausenden von Jahren Gesetze verkündet, die sich unsere Volkswirthschaft erst in neuerer Zeit zu eigen gemacht. Wir nennen hier nur: Netilas jodajim, das Waschen der Hände, und die neuesten hygienischen Vorschriften zum Schuhe gegen die Kontagiosität, die ebenfalls das Waschen der Hände vor jeder Mahlzeit bedingen. Aus dieser Gesetzgebung werden wir unsere Sozialpolitik schöpfen und — nicht aus der „Frankfurter Zeitung", die, um mit ihren Worten zu reden, ihr Conto ganz erheblich und zwecklos belastet hat. Wir überlassen nun der verehrlichen Redaktion, hieraus die Bilanz zu ziehen. .. .R. Mainz, 11. Juli. Wir hatten gestern eine hochinteressante Unterredung mit dreien der hervorragendsten Führern der zionistischen Bewegung.. Mancherlei Mißverständnisse wurden bei dieser Gelegenheit zwischen uns beseitigt. Auf Vieles werden wir sv'äter noch zurückkommen; einstweilen möchten wir Folgendes erklären: In Rr. 23 dieses Blattes, vom 20. März 1902, war eine Correspondenz Berlin, 16. März 1902, mit der Ueberschrift „Die Bilanz der jüdischen Kolnnialbank" abgedruckt. Nach Einsicht und Prüfung deS uns auf unser Ansuchen zur Verfügung gestellten Materials haben wir uns davon überzeugt, daß die in genanntem Arttkel enthaltenen Mittheilnngen über die „Jewish Colonial Trust" jeglicher Begründung entbehren und bedauern es lebhaft, einer derartigen Zuschrift Raum gegeben zu haben. Wir werden von dem Einsender dieses Artikels, der uns falsch informirt hat, keinerlei Einsendungen mehr aufnehmen. — In Nr. 12 und 13 vom 13. Februar 1902 unsres Blattes war von unserm damaligen Basler Korrespondenten an leitender Stelle ein Arttkel „Hinter den Kouliffen der Kongreßkomödie" veröffentlicht worden, der die Mittheilunz enthielt, Dr. Max Nordau habe für sein Austreten auf den Zionistenköngressen Entgelt erhalten. Wir erklären hiermit, daß uns weder bekannt ist, daß Dr. Nordau für sein Auftreten auf dem Kongreß ein Entgelt bekommen habe, noch besitzen wir irgend welche Anhaltspunkte für eine derartige Unterstellung. Wir nehmen deßhalb diese Behauptung mit dem Ausdruck lebhaften Bedauerns zurück und erklären ausdrücklich, daß es uns fern lag, der persönlichen Ehrenhaftigkeit des Herrn Dr. Nordau zu nahe zu treten oder demselben unlautere Motive zu unterschieben oder unlautere Handlungsweise vorzuwerfen. Alleustein (Ostpr.), 10. Juli. Herr Stadtältester und Stadtrath M. G. S i m o n ist am 28. v. Mts. von fünfundzwanzig versammelten Stadtverordneten einstimmig zum fünften Mal zum Stadtrath erwählt worden. Es wurde in der Versammlung besonders betont, daß Herr Simon seit 31 Jahren (sieben Jahre als Stadtverordneter) in uneigennütziger Weise, dabei als vielbeschäftigter Kaufmann, seine Kräfte in den Dienst der Stadt gestellt und hat während seiner Thätigkeit mit vier Bürgermeistern für das Wohl der Stadt geschaffen. Schon vor acht Jahren wurde Herr Simon bei Gelegenheit seiner Silberhochzeit ein Ehrengeschenk von Seiten der Stadt und das Diplom als Stadtältester überreicht. Er ist stellvertretender Vorsitzender der städtischen Sparkasse, Mitglied verschiedener Kommissionen, Vorsitzender der Marktkommiffion und des Stadtkassenvorstandes, und langbewährter' Vorsitzender der Armenkommission. Was noch ganz besonders' rühmend von Herrn Simon hervorzuheben, ist seine Pünktlichkeit, Treue und Hingebung, verbunden mit einer wahrhaft rührenden Einfachheit und Bescheidenheit. * W. K. Darmstadt, 10. Juli. Zur Verhandlung über den Antrag Backes in der Zweiten Hessischen Kammer, betreffend die Ausbildung und Anstellung der israelitischen Religionslehrer im Großherzogthum Hessen, geben wir nachstehend den Wortlaut des amtlichen und stenographischen Protokolls wieder: Abg. Backes: Mein Herren, die Großh. Regierung hat die Gründe meines Antrages für gerechtfertigt erklärt und ist bereit, die Materie gesetzlich zu regeln. Der Ausschuß hat einstimmig beschlossen, meinem Anträge zuzustimmen. Ich würde aus jede Ausführung verzichten, wenn das hohe Haus ebenso einstimmig meinen Antrag annimmt, wie es der. Ausschuß beschlossen hat. Abg. Molthan: Ich stehe auch auf dem Standpunkte des Ausschußantrages. Ich mochte nur darauf

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