Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 56 (14.7.1902)
- Date
- 1902-07-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Bei allen Gegenständen des Unterrichts, die Musik nicht ausgenommen, muß je nach dem Unterricht von Seiten des Lehrers, zu Hause täglich wiederholt und geübt werden; nur die Thora, nur das Hebräische ist das Aschenbrödel, das zu Hause verstoßen, vernachlässigt, verachtet daliegt und warten muß, bis sich die Schule seiner erbarmt und ihm die nöthige Sorgfalt angedeihen läßt! Die Schule ist noch die einzige Zufluchtsstätte, die einzige Rettungsanstalt für die Thora, für die religiöse Erziehung der Jugend! Und nun will man dieses Heiligthum auch schon antasten. Nun will man der Jugend das kärgliche Brod, das ihr gereicht wird, auch vom Munde reißen, damit sie ganz verkümmere, und nun will man den letzten Funken der Thora in der Brust der Jugend ersticken, auslöschen, damit Frost und" eisige Kälte trete an Stelle der Feuerflammen und Feuergluten, die auf den Höhen des Sinai zum Himmel emporloderten! Wie ich höre, soll in verschiedenen Gemeinden — nomina sunt odiosa — von Seiten der jüdischen Behörden beschlossen worden sein, die Kinder dürfen nicht mehr als drei Stunden wöchentlich Hebräisch lernen! Wir fragen,- was soll aus dem Judenthum, was aus der Jugend werden, wenn solche Beschlüsse in jüdischen Versammlungen möglich sind? Die Zeit der Hadrianischen Verfolgung gilt als die traurigste und schrecklichste Zeit in der Geschichte des Judenthums. Hadrian hat bei Todesstrafe den Unterricht der Thora in den jüdischen Schulen verboten! Diese Zeit nennt man tob*! oder nsvn im Wir fragen, wie weit ist der Beschluß, die Kinder dürfen nicht mehr als drei Stunden wöchentlich hebräisch lernen, entfernt von navri w? Was soll man denn anfangen in diesen drei Stunden? Wir sagten oben, die Schule hat nicht nur zu unterrichten, sondern auch das Haus zu ersetzen, die Kinder sollen in der Schule das Gelernte auch wiederholen, üben, und das alles soll man in drei Stunden fertig bringen. Wir sprechen täglich in unserem Gebete uw *pxi i:«n ca 'v.. „die Worte und Lehren der Thora bilden unser Streben und die Verlängerung unserer Tage!" Wir beten und flehen also um ein recht langes Leben, um viele, viele Jahre, und für den eigentlichen Zweck, für das Hauptziel unseres Lebens, wollen wir Gott und Seiner heiligen Thora drei Stunden wöchentlich widmen! Wer wird da nicht unwillkürlich an das Wort unserer Weisen erinnert: Es heißt in der Schrift: „denn das Gebot ist ein Licht und die Lehre eine Leuchte." (Sprüche 6, 23.) Zu diesem Wort bemerken unsere Weisen: aox "fflWJ ’JK nj nK *K3tPo an» eh •pyi nj rrapn Tu nx ny» yx nj ax anno nnx ex *ju nx. Gott der Herr ruft: „Mein Licht, die Thora, ist in deiner Hand, -ein Licht, das Leben, ist in Meiner Hand. Hütest du Mein Licht, dann behüte ich auch dein Licht, das Licht deines Lebens, löschest du aus Mein Licht, das Licht der Thora, dann lösche Ich aus dein Lebenslicht!" Und wir sollten auslöschen wollen das Licht der Thora im Heiligthum der Schule, im Herzen der Jugend, in der Seele der Kinder! Nicht doch lxonn b* nb'2. Versündigt euch nicht an der Jugend, an der ' religiösen Erziehung der Jugend, fördert, hebet, unter- - stützet den Unterricht der Jugend mit ganzem Herzen und ganzer Seele, auf daß sich auch an unseren Kindern bewähre die göttliche Verheißung na, *n *pai 7» ofar. „Und alle deine Kinder sind Lehrlinge des Ewigen, und groß ist der Friede deiner Kinder!" (Jesaia 54, 13.) ZsiturrgsKsHrichten rmd Sorreft»s«derrze«. ' Deutschland. v>V Mainz, 11. Juli. (D i e F r a n k f u r t e r Z e itung und die rituellen Speisegesetze.) Die Frankfurter Zeitung, die einen sehr wohlwollenden und ausführlichen Bericht über den Rabbinerkongreß brachte, schreibt anknüpfend an die Verhandlungen des Nabbinertages über die Bekämpfung des Mädchenhandels, daß die rituellen Speisegesetze den ärmeren orthodoxen Juden ganz erheblich und zwecklos belasten. Somit verläßt die „Frankfurter Zeitung", das Hauptorgan der demokratischen Partei, ihren Parteistandpunkt „Religion ist Privatsache," indem sie sich direkt über eines unserer heiligsten Religionsgesetze abfällig ausspricht. Sollte dies nicht etwa auf einen Mißgriff der Unterredakteure zurückzusühren sein, so müssen wir uns energisch dagegen verwahren, daß eine politische Zeitung Religionsgesetze kritisirt. Es ist eine bekannte Thatsache, daß das Halten der Religionsgesetze mit Opfern verbunden ist. Sab-, bat- und Sonntagsruhe — eine der ersten sozialen und religiösen Forderungen — sind ja nicht minder mit Opfern verbunden. Di.es Opfer muß jedoch von denen gebracht werden, die sich in den Dienst der Religion und — der Sozialpolitik stellen. Nun glaubt die „Franks. Zeitung", daß die rituellen Speisegesetze, jedenfalls weil die rituelle Beköstigung eine theuere ist, deren Beobachter ganz erheblich belastet, demzufolge müßte eine nicht rituelle Verpflegung erheblich billiger sein; nun möge uns die „Frankfurter Zeitung" gestatten, daß wir an ihre Adresse die Frage richten, ist die Schweinefleischernährung eine billigere? Wir möchten es billig bezweifeln! Gerade das Halten der Religion ist die beste Schutzmauer, eine Schutzmauer, die es nicht gestattet, ja die es zur Unmöglichkeit macht, daß die Gesetze der^ Sittlichkeit verletzt werden, und daher werden die Leute, die sich rituell verpflegen, weder Mädchenhändler geben,' noch deren Handwerk fördern. Daraus möge die „Frankfurter Zeitung" die Lehre ziehen, daß die' ri-