Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 32-33 (21.4.1902)
- Date
- 1902-04-21
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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734 gettmrgsrrachrtch-e» und Eorrespondsnzen. Deutschland. Posen, im April. Die im vorigen Jahre hier in's Leben gerufene Agitation zum Bau einer großen Gemeindesynagoge hat nun endlich zum Ziele geführt. Die Gemeindebehörden haben mit Einstimmigkeit den Beschluß gefaßt, eine große Gemeindesynagoge zu errichten und es bleibt nur noch die Platzfrage zu erledigen. Die Synagoge soll nämlich nicht nur selbst einen entsprechend großen Raum einnehmen, sondern auch mit gärtnerischen Anlagen umgeben werden. Derartige umfangreiche Bauplätze aber find nicht allzuhäufig, namentlich, da darauf geachtet werden muß, daß die Synagoge nicht allzuweit von dem Mittelpunkte der Stadt entfernt sei. Das Peinlichste bei der ganzen Angelegenheit ist die Frage, was mit den beiden Gemeindesynagogen, der sog. alten und neuen Betschule, geschehen soll, , die nun seit Jahrhunderten dem Andachtsbedürfnisse der Gemeinde gedient haben, in denen Männer, wie ’3ttö "> Verfasser des wzb, pmn b'vdvi? "> prop ">, Lehrer bei nmas po, der xTsnno pnsn ppp n und noch viele andere nAro zuletzt *irx «i’pp % gebetet und gelehrt haben. Sollen diese ehrwürdigen Gebäude, an denen auch Märtyrerblut klebt, einer schmählichen Profanation anheimfallen? Wir wollen dies nicht hoffen und es wird sich wohl noch ein Modus - finden lassen, der eine Profünation ausschließt. Der lang gehegte Wunsch eines Theiles der Gemeinde, daß, wie schon längst in der Kgl. Oberrealschule und dem Kgl. Berger-Gymnasium, auch in den anderen beiden Kgl. höheren Schulanstalten, - dem Marien-Gymnastum und dem Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, jüdischer Religionsunterricht ertheilt werde, ist nun in Erfüllung gegangen. Mit Beginn dieses Schuljahres wird an diesen beiden Anstalten der Religionsunterricht von Herrn Dr. Josephsohn, früheren Rabbiner in Läuenburg, ertheilt. An den anderen beiden.Anstalten ertheilt diesen Unterricht Herr Dr. Joseph Feilchenfeld, Sohn des .Herrn Gemeinderabbiners. Die Befriedigung über diese Errungenschaft wird aber durch den Umstand etwas herabgestimmt, daß der Unterricht an den beiden Gymnasien wahlfrei, also die Theilnahme in das Belieben, eines jeden Schülers resp. dessen Eltern gestellt ist, wodurch der Unterricht in den Augen der ' urtheilslosen Menge und demnach bei den Kindern an Bedeutung verliert und — erfolglos bleibt. Rach den zu Ostern ausgegebenen Jahresberichten ist die Frequenz seitens der jüdischen. Schüler an den hiesigen höheren Schulanstalten folgende: An dm Kgl. Friedrichs-Wilhelmgymnasium unter 896 Schülern 200 jüdische, an dem Kgl. Mariengym- ' asium unter 572 Schülern 19 jüdische, an dem Kgl Bergergymnastum unter 339 Schülern 48 jüdische, an der Kgl. Oberrealschule unter 311 Schülern 55 jüdische^ an der vereinigten Vorschule unter 108 Schülern 36 jüdische. Nach Göthe wird auch das Ungewöhnliche Ereigniß. Nichts Ungewöhnliches ist es bekanntlich, daß religiöse Vereine — auf gut altjüdisch wort — Stifungsseste feiern und daß bei diesen Festen kulinarische Genüsse in Fülle geboten werden. Betheiligen sich auch vD3N NDbn an solchen Festen, so ist es auch nichts Ungewöhnliches, daß bei Tische auch?mn nan gesprochen werden, denn das Fest einer Chewra ist sozusagen eine NW impo. Daß aber bei dem Feste einer Chewra auch Tanzvergnügen geboten wird, ist sicher etwas Ungewöhnliches. Dies ist jedoch hier Ereigniß geworden. Es besteht hier unter anderen religiösen Vereinen seit vielen Jahrzehnten ein Verein unter dem Namen nvn 'twx dessen Zweck gegenseitige Unterstützung in Krankheitsfällen und die Abhaltung der üblichen Gebräuche nratwn noA ist. Er besitzt auch ein eigenes Betlokal, ist also ein Verein mit sehr anerkennenswerther religiöser Tendenz. Nebenbei hat er in diesem Winter, entsprechend den Litteraturvereinen, die Abhaltung belehrender Vorträge seitens geeigneter Kräfte eingeführt, was ebenfalls gerade nicht zu mitzbMgen ist. Seit einigen Jahren aber feiert der Verein alljährlich sein Stiftungsfest, bei dem nicht nur ein opulentes Festmahl, sondern auch ein flottes Tanzvergnügen für beiderlei Geschlechter geboten wird. Heißt ein solches eine rraa xmyo? Ist es Sache eines religiösen Vereins, der den schönen Namen nvn w» führt, seinen Mitgliedern Tanzvergnügen zu bieten? Oder soll beut Epitheton "ten in seiner nichts weniger als rühmlichen Nebenbedeutung Anwendung finden? Jedenfalls hat dies wohl schwerlich in der Intention der Vereinsstifter gelegen. Ems. Dem Bericht des Unterstützungs-Vereins. „Emser Heilquelle" (Majne hajeschuoh) für arme jüdische Kurbedürftige für die Jahre 1900 und 1901 entnehmen wir: Im Sommer 1900 erhielten 14 Patienten zum Theil vollständige Freikur, zum Theil freie ärztliche Behandlung, Bäder, Inhalationen, Freifahrt auf den Malberg und einen größeren oder geringeren Pensionsbeitrag. Im Sommer 1901 erhielten 19 Patienten die Mittel zum Gebrauche einer Emser Kur, die bei zweien nach Ablauf von 4 Wochen um 1 resp. 2 Wochen verlängert wurde. Der Erfolg der Kur war bei fast allen Patienten ein guter, da wir Schwerkranke, als für EmS nicht indiciert, gewöhnlich mit Reisemitteln zu versehen und nach einem anderen Kurort zu senden pflegten. Den Lehrern und Kultusbeamten, die ganz besonders zur Kräftigung ihrer Stimmen öfters einer Emser Kur bedürfen, zeigten wir das größte Entgegenkommen.