Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 32-33 (21.4.1902)
- Date
- 1902-04-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Nun wissen wir auch, was es mit der Erzählung unserer Weisen bezüglich der Einsetzung der Bitte un gW? wate nas aiff 7N2 auf sich hat. An der angezogenen Stelle Peßachim, Fol. 66, wird gelehrt: woher kommt es denn, daß wir jene Bitte in das Schma einschalten, da ihrer doch in der Thora selbst keine Erwähnung geschieht? wafr jot pp niW apy» PpV na« wv'02 Visa vr> vn xoi? *cx ruw uaa rjptec2 pxw VV2 ne« ,ttik h ljpte h teien w rwa “na in« «te mte px 12 inx xte -jäte •un a^ wiste nas qv 7112 tbxi apy „Von seinen Kindern umringt, wollte Jakob unter der Weihe der Sterbestunde das Ende unserer Leidenszeit - offenbaren, als gerade der Geist Gottes von ihm wich. Darauf sagte er sich verzweiflungsvoll: wahrscheinlich ist dies deßwegen geschehen, weil unter meinen Kindern ein Unwürdiger sich befindet! Hierauf betheuerten sie ihm einmüthig: „Höre Israel, unser Vater, der Ewige unser Gott ist der Einzige! So wie Du mit ganzem Herzen ihm ergeben bist, so auch wir." Darauf-raffte der sterbende Patriarch noch einmal alle Kraft zusammen und brach in den Dank aus: „Gepriesen fei die Herrlichkeit des Gottesreiches für immer und ewig.". Er wollte damit gesagt haben, iy dieser einmüthigen Hingebung finde er die sicherste Bürgschaft dafür, daß unter seinen Nachkommen das Judenthum werde erhalten und durch dasselbe die Verherrlichung Gottes und seines Reiches für alle Zeiten werde gesichert bleiben. Mochte' das Ende der Leidenszeit sich noch so weit, hinausschieben, ihm brauchte nunmehr nicht zu bangen. So getröstet, konnte er der Welt beruhigt den Rücken kehren und in die Ewigkeit eingehen. - Jetzt erst enthüllt uns eine recht einfache Erzählung unserer Hagada ihre ganze Fülle und ihren er-, greifenden Tiefsinn. Bald an ihrem Eingänge heißt es: xa»py »an pana »an -wn» »an nyte »aia npya anöDB mv jna »:aa paiaa w '»ny ja nyte »an arpnate ixat? ny riWn wir te a»u» ax'Da nw b& yap rxnp (bt y»ui wman arb nax „Einst hielten Rb. Elieser, Rb. Josua, Rb. Akiba, Rb. Tarfon und Rabbi Elasar Len Asarja ihre Peßachfeier zu Bne-Verak und unterhielten sich über den Auszug aus Egypten während jener ganzen Nacht, bis endlich ihre Schüler auftraten und erklärten: „Meister, es ist die Zeit für das Moraenschema gekommen." Dieser . Bericht befleißigt sich, was die äußeren Umstände betrifft, einer bei unseren Weisen ungewöhnlichen Aus- . führlichkeit. Ueber den Inhalt der Verhandlungen wird - uns dagegen gar nichts gesagt. Wir hätten es ihnen vielmehr Dank gewußt, wenn sie statt dessen ein wenig von .dem berichtet hätten, was dort in jener erlesenen . Tafelrunde gesprochen wurde. Ist dieser Wunsch bei . uns trotz der großen zeitlichen Ferne so rege, so muß das Verhalten der Jünger umsomehr befremden. Nach dem Wortlaute des Berichtes scheint keine andere Annahme zulässig, als daß diese — indeß ihre Lehrer verhandelten. — ganz ruhig geschlafen hatten. Nun gar erst die seltsame Bezeichnung rfrte wir „jener Nacht," während sonst es in der ganzen Hagadah am rfr6n heißt. Der Sachverhalt wird sich jedoch leicht aus der näheren Erwägung der zeitlichen und örtlichen Verhältnisse ergeben. Die hier genannten fünf Weisen: Rb. Elieser, Rb. Josua, Rb. Akiba, Rb. Tarfon und Rb. Elieser b. Asarja lebten sämmtlich noch zur Zeit, da der jüdische Staat und das Heiligthum bestand. Daß das Ereigniß unserer Erzählung nicht in jene Zeit noch fällt, ist ohne weiteres klar. Die Weifen hätten alsdann nicht zu Vne-Berak, sondern zu Jerusalem ihr Peßachfest gehalten. In welchem Jahre mochte es nun stattgefunden haben? Das läßt sich mit einiger Wahrscheinlichkeit erschließen. Bekanntlich fällt der erste Sederabend mit dem 9. Ab auf denselben Wochentag. Auf eben diesen Umstand deutet der seltsame Ausdruck nWn w« „jene verhänginißvolle Nacht" hin. Für sie war es also jene erste Sederfeier, über welche sich noch die grausigen Schatten der furchtbaren Nacht des 9. Ab lagerten, die sie in ihrer ganzen Entsetzlichkeit selbst gesehen hatten. Wie es kam, daß sie alle dem ungeheuren Verderben, bei welchem Millionen von Menschen das Leben gelassen, entronnen und an dieser Stelle sich zusammenfanden — wer vermag es zu sagen? Es konnte ein jeder von ihnen als ein leibhaftiges, wandelndes Wunder angesiaunt werden! Aber noch mehr, dieses Wunder barg ein zweites in sich. Denn daß diese fünf Männer uns damals erhalten geblieben, dem Umstande allein haben wir es zu danken, daß uns das Judenthum über jene furchtbare Kluft hinübergerettet worden und bis zur Stunde unser Eigenthum blieb. Daß dem so sein wurde, konnten sie allerdings nicht wissen. Nun ahnen wir wohl auch, was damals bei jener berühmten Sederfeier der Gegenstand ihrer schier endlosen Auseinandersetzungen gewesen. Kein anderer: als wird das Judenthum das über dasselbe hereingebrochene Verhangniß Lberstehen können? Ja, wird es das alles verwinden können, nachdem gerade damals eine seiner Töchter es in alle Welt hinausposaunte: meine Mutter ist nun allgemach todt — und ich habe mich schon bei ihren Lebzeiten zur Universalerbin eingesetzt. Wenn je, so waren damals solche Zweifel berechtigt. Hing doch dessen ganzer Bestand an einem einzigen Faden gleichsam. Diese Frage mag sie bis zum Anbruch des Morgens hingehalten haben, ohne daß sie darüber in's Reine kommen konnten. Da eben traten ihre Jünger auf, die, weit davon enffernt zu schlafen, ihren Unterhandlungen vielmehr mit aller Aufmerksamkeit gefolgt waren. Sie gaben der Frage, eine ganz neue Wendung, indem sie sprachen: uwiai nnw bv yae» nrrnp jat srcn. „Meister, es ist nun an der Zeit, das Morgenschema zu beten." Sie wollten damit gesagt haben, wir müssen die Frage so angreifen, wie es Jakob in seiner Sterbestunde gethan. Damit