Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 32-33 (21.4.1902)
- Date
- 1902-04-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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maß der Midrascherklärung dargelegt. Salomo hat nun in prophetischem Geiste die vielen Leiden, die Israel im Laufe der Zeiten treffen werden, voraus geschaut; er sah die Zerstörung des Tempels voraus, er merkte' den Verfall, dem Israel entgegengehen werde, und daß schließlich Israel sein Verschulden erkennt und bekennt, und reuig seinen Gott wieder aufsucht; er sieht ferner mit seinem Blicke in die Zukunft, wie "Gott sich, gerne von Israel erbitten läßt, sich ihm liebevoll wieder zu« wendet, es erlöst und ihm seinen Tempel wiedergibt. Diesen Vorgang kleidet der weise König in das Bild einer durch ihr Verschulden verlassenen Gattin, die sehnsüchtig ,nach der Liebe ihres Gatten verlangt. Gleiche Gefühle regen sich auch in der Brust des Mannes. Er kann seine Frau nicht vergessen, .er erinnert sich der einstigen Liebe zu ihr, er wartet auf das reuevolle Schuldbekenntniß seiner Frau, um zu ihr zurückkehren zu können. Sobald dieses Bekenntniß erfolgt, nimmt er in derselben Weise, wie früher, seiner Gattin sich wieder an, er überhäuft sie mit allem Guten. Diesem Bilde entsprechend ist das hohe Lied als eine Darstellung des Verhältnisses Gottes zu seinem geliebten Volke Israel aufzufassen." Auch Jbn Esra faßt in gleichem Sinne die Tendenz des hohen Liedes auf, wie er dies klar und deutlich in den Eingangsworten zu seinem Kommentare ausführt. Mit folgenden Worten beginnt er die Vorrede: „Dieses Buch ist herrlich und köstlich wie kein anderes der 1005 Lieder*) Salomos, daher es „Lied der Lieder dem Salomo" heißt?),, denn dieses ist vorzüglicher als alle Lieder, und darin ist das Tiefe eingeschlossen und verhüllt. Es beginnt mit der Geschichte vom Stammvater Abraham und führt bis zur messianischen Zeit. Es kann nicht auffallend erscheinen, daß Israel hier mit dem Bilde der Braut, und der Allvater als deren Freund dargestellt, denn dies ist die Ausdrucksweise der Propheten; Jesaias sang „Das Lied meines Freundes von seinem Weinberge"; Ezechiel^) gebrauchte in seinen Prophezeiungen Ausdrücke, wie solche auch im hohen Liede sich finden; Hosea sprach: „Ich verlobe Dich mir auf ewig, und ich verlobe Dich mir durch Recht und Gerechtigkeit und mit Huld und Liebe; und ich verlobe Dich mir durch Treue, und daß Du den Ewigen erkennst." Ebenso finden sich in Hosea mehrere Ausdrücke, wie sie auch im hohen Liede gebräuchlich sind. In den Psalmen heißt es: nv b'vew nrm „Ein Gedicht, ein Liebeslied," ferner: „Höre Tochter und schaue, neige dein Ohr." Fern sei es daher, das hohe Lied als sinnliches Liebesgedicht aufzufassen, vielmehr nur als bildliche Ausdrucksweise etc." Demgemäß gibt er eine dreifache Erklärung, wie solche nach der jüdischen Tradition zulässig ist. Er gibt:. 1) 2Ä8n. 6,12. 4 - 2) Jbn Esra deutet das Wort jtthtrm* auch auf .Grund des Talmud "nv Vtvtvb *no?. ' . 3) Ezech. Kap. 1L. 1) eine Worterklärung und grammatische Vemttkungen, 2) die Erklärung der bildsichen Ausdrucksweise*) und 3) den eigentlichen verborgenen . Kern derselben, wie oben erwähnt ist.I : > , > Nachmanides, Vorrede zü seinem ' Kommentare, läßt ebenfalls diese Auffassung erkennen in folgenden Worten: „Ich schickte mich daher an, zu erläutern eines der 24 Bücher, dessen Inhalt köstlich, ehrwürdig. Geheimniß und Verborgenes etc., dies ist das' Buch Schir-ha-schirim, und nach meinen Kräften erklärte ich es gemäß der Ueberlieferüng von unseren Lehrern, aufgebaut auf den Inhalt der Thoragebote und den Geheimnissen der Schöpfungsgeschichte,, Ich sah drei verschiedene Klassen mit drei verschiedenen... Gesinnungen in der Auslegung. Die eine Kläffe um-, faßt diejenigen, die nichts begreifen und nichts verstehen, die viel Unheil gestiftet durch ihre Ansicht, daß die Worte dieses Buches nur Sinnliches, Nichtiges und Unnützes enthalten; wäre dies so, wie sie sprechen, dann würde es nicht unter die heiligen Bücher ausgenommen und zu denselben gezählt werden! Eine andere Klaffe dünkt sich darin ausgedrückt die Liebe des Schöpfers, des.! Gottes der ganzen Erde, zu seinen Geschöpfengleich der physischen menschlichen Liebe des Freundes zur Freun* . bin, und sie stellte ihre Erklärung in solcher Weise auf. , Die dritte Klasse ist diejenige, die der Gottesnähe würdig, die ihren Antheil an der Gotteslehre Hai. DieS sind die Weisen Israels, die Verborgenes und Geheimes und Dunkles des Buches enthüllt und in kurzen Umrissen den Inhalt des Buches dargethan haben etc,, Salomo b. Adereth in seinem R. G. A. I, 8 419, drückt sich folgendermaßen über das hohe Lied aus: Viele Aussprüche von David und Salomo beziehen sich auf diese Geheimnisse der Schöpfung: in vielen Stellen der Psalmen, in den Sprüchen Salomo's, in Koheleth, dessen ganzer Inhalt philosophischer Natur ist. Noch offenbarer ist dies im hohen Liede, denn unmöglich kann dasselbe, wie nach oberflächlicher Bedeutung scheinen könnte, von sinnlicher Liebe handeln; fern sei ein solcher Gedanke! Allerheiligstes ist es vielmehr u. f. w. . , . . Daß auch von nichtjüdischer Seite das Büch Schir haschirim nicht allseitig als profane Dichtung aufgefaßt wurde, zeigt die syrische Bibelübersetzung, die Peschito, die diesem Buch den Titel-nVi nrern rearj „Weisheit der Weisheiten des Salomo gibt." Daß dies die eigene Ansicht des Verfassers der Peschitch geht aus dem zweiten Theile der Ueberschrift hervor, . indem schreibt: **) pw rona* »npwn «ara.: „Schrift. gewiß imml. nicht einen Mischen Gelehrten zunt Verfallet bar. , . Ueber das Alter der Peschito gehen die Ansichten sehr weit auseinander. Als feststehend dürste angenommen werden, daß