Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1902-04-21 · Heft 32-33 (21.4.1902) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 32-33 (21.4.1902)
Date
1902-04-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2449795-2449826--55780-2518468
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Die Tendenz des hohen Liedes. An allen Stellen, in welchen Talmud und Midrasch auf das hohe Lied zu sprechen kommen, warnen sie vor falscher und einseitiger Auffassung desselben. Die Größe und Heiligkeit des Schir-ha-schirim ersehen wir auch aus den vom Midrasch demselben beigelegten Bezeichnungen, und denjenigen Stellen, die sich auf dasselbe beziehen. In der Midrasch-Erklärung der Worte D'TBtfi liegt die ganze Tendenz des hohen Liedes ausgedrückt. Der Midrasch*) erklärt nämlich diesen Ausdruck: Dnnw» rbvoa anwap rowoa dtbc» „das preiswürdigste, beste -und hochgeachteste unter den Liedern/ Ist es wohl anzunehmen, daß der Midrasch über ein profanes Schriftstück sich so auszudrücken vermöchte? Dieser Ausspruch, der das hohe Lied so hoch stellt, kann sich unmöglich auf ein profanes Menschenwerk beziehen. Diese Tendenz gibt auch Raschi in seinem Kommentare zum Talmud, Berachoth 57 b, deutlich und unzweideutig mit folgenden Worten: dw rx-n tfna v'i'LN w bs aba »pan narn. „Der Inbegriff und Endzweck des hohen Liedes ist Gottesfurcht und Gottesliebe/ Ebenso in seinem. Kommentar zum hohen Liede Kap. 1,1. Gleich dem Midrasch spricht sich auch. die Mischna im Traktat Jadaim 3,5 aus: tcpp 'ai *m anip y» bv ms vax pfciy ab ttfotrix an rüwBrwa na .ha nSipn bs pxß> ann nx xvvvV •D'ttnp emp vn'vn w ßmp o'awaa bs». nab onw Rab. Akiba sagte: „Es sei fern, daß je irgend einer in Israel über die Heiligkeit des Buches anwi. y» in Zweifel gewesen wäre, denn die ganze übrige Schöpfung ist gleichsam nicht so erhaben, wie die Ueberlieferung des hohen Liedes. Werden die übrigen heiligen Schriften emp „heilig" genannt, so Schir-Hr-schirim rwap smp „allerheiligst/ \ Mit diesem einen Kraftausdruck fallen alle Hypothesen und Entstellungen über das hohe Lied in sich zusammen! Dementsprechend zählt auch der Talmud Baba Bathra 14b — codificirt in Maimonides H. Sefer Thora, Kap, 7 — das hohe Lied zu den kanonischen Büchern. . Jv. v Die hier in Mischna und Midrasch. aufgestellte Abstufung von Bhnp und D'enp vaip bedeutet: nneaa bs tnp Jedem Leser leuchtet wohl auf den ersten Blick durch Inhalt und Darstellung des Gegenstandes der religiös-historische, göttliche Charakter der übrigen emp >'2r>a ein. während bei oberflächlicher Betrachtung . des hohen Liedes diese Tendenz sich nicht 'sogleich offenbart, sondern erst durch tiefe, eingehende. Betrachtung erschlossen wird; deßhalb lehren sie y» BWjj »yp der nämliche Gedanke, der die anderen heil. Schriften kennzeichnet, zeigt sich in-noch weit höherem Maße dmch Schi^ha-schirim^)-^- ' . •> Schir haschirim >. KavitÄ ' '; ' . •*) ctÄschichin seinemCom.Schochanatyhamokim 1.1.Sohar U Amsterdam, p. 148 b. N Ein ähnlicher Ausspruch findet sich auch in der Tosephtha Synhedrm: waa dwi iw bp' mst xan rinpa pbn b px nat poa irnx rro mxnroru „Wer bei Gastmählern das hohe Lied singend vortragt — es also wie einen weltlichen Gesang behandelt —- hat keinen Antheil an der kommenden Welt/). Hochinteressant sind die folgenden Worte des Buches Sohar-) über das hohe Lied: R. Nehemia sagte: Heil dem, der so glücklich ist, den tiefen Sinn des hohen Liedes zu erfassen! Wer diesen zu erfassen vermag, der erkennt die Thora und die Wissenschaft, der mehrt Kraft und Geistesstärke über das, was da war und einst sein wird, und hierin gelangte Salomo zur Erkenntniß. König David hat viele Lieder und Lobgesänge eingesetzt und darin die Zukunft in prophetischem Geiste^niedergelegt, Salomo aber hat ihn durch diesesgroße Lied noch übertroffen, indem er ein ganzes Buch über, diese Erkenntniß verkündete u. s. w. „Das Targum zum hohen Liede paraphrasirte es als ein Gemälde der Geschichte Israels vom Auszuge aus Egypten an, durch die Drangsale der Weltreiche hindurch bis zur schließlichen messianischen Erlösung und Verherrlichung." Das hohe Lied bezeichnet das Targum») als das neunte der heiligen Lieder, auf welches als zehntes noch das zu erwarten ist, welches Israel bei der einstigen Rückkehr nach Jerusalem singen wird, 2'7>a pana X2J nwn in» bv vnvm 2'xo paart xnaßa sin mnpiVK M>a nnr6 pob xn> pn xro> dem ' Ausspruche Jes. entsprechend: „Einen Gesang werdet ihr dann haben, wie in der Nacht der Peßächfeier." Der Schlußvers des hohen Liedes enthält eine Bitte an den Herrn der Welt um baldigste Zurückführung nach den vDV2 na. dem Berge Jerusalems, wo Priester wohlriegendes Räucherwerk auf seinen Altar legen werden. Welche Tendenz Maimonides im hohen Liede, erblickt, ersehen wir.aus seinem religionsphil. Werke More Nebuchim „Führer der Verirrten", 2. Kap. 45.4) woselbst er die verschiedenen Grade der Prophetie bespricht. Als zweiten Grad derselben bezeichnet er jenen, in welchem das hohe Lied geschrieben ist. pon mal rtaapi b»o nab» tarn ,sAan T.a aart Brppa rmo onnwt y&\. ..In diesem Grade der Prophetie verfaßte David die Psalmen und Salomo die Sprüche, den Prediger und das hohe Lied u. s. w." : Diese Tendenz schickt auch Raschid in seinem Kommentare zum hohen Liede als Einleitung voraus. Die Propheten haben in bilderreicher Svrache sich ausgedrückt. In ihrer Sprache liegt ein tiefer Sinn verborgen. Das äußere Gewand der biblischen Ausdrucksweise bedarf des Verständnisses. Ich habe in dieser Weise das Bild eines jeden Verses des vorliegenden heiligen Buches erläutert und den Sinn desselben gell TosevbtaSunhedrinILIO: Abotb d«rabi Nathan Kap. 30. 2) Sfieil n, 18b Talmud Labli Sqnhedrin 101». 3) Ebenso Midrasch und Jalkut. - - 4) «t. Sulzbach 6560 p-«L - - - - 5) Dgl. oben. .' '

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.