Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 32-33 (21.4.1902)
- Date
- 1902-04-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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bte die Hebräer bezeichnen als Lied der Lieder," rra» itnnsAPri nros^n „nämlich Lobgesang der Lobgesänge." Aus diesen Worten scheint aber auch hervorzugehen, daß diese Auffassung des hohen Liedes die damals allgemein herrschende war. Wie wäre es aber auch denkbar, daß ein Mann, wie Salomo, den die h. Schrift als den Weisesten aller Menschen bezeichnet, „deßgleichen nicht vor ihm gewesen, noch nach ihm je sein wird"; ein Mann, vor seiner Geburt schon seinem Vater David durch den göttlichen Propheten als „Liebling des Ewigen" (2. Sam. 12,26) angekündigt wurde; ein Mann, den die Vorsehung bestimmt und ausersehen hatte, den Gottestempel in Jerusalem zu bauen und einzuweihen, als (oo D'ato die Stätte, die von aller Welt als die Verbindung des Himmels mit der Erde anerkannt, wurde, bei deren Einweihung der fromme König das hocherhabene Gebet (1 König. Kap. 8) gesprochen, das Israel und alle Welt und alle Verhältnisse in sich begreift, das den himmlischen Segen für Israel angesichts des versammelten Israel erbittet; Salomo, der in heiliger Demuth das Gelingen dieses großen Werkes nicht sich, sondern der Frömmigkeit seines Vaters zuschreibt ' n *r »t d n b ■piay wie wäre es möglich, daß dieser erhabene Geist der Sinnlichkeit je .verfallen sein könnte, um ein solches „romanhaftes Liebeslied" zu erdenken? Die Geistesgröße Salomo's schützte ihn wohl nicht vor Strauchel und Vergehen, und die heil. Schrift schonte nicht seiner,' jene Vergehungen zu verschweigen. Im Gegentheil lehrt der Talmud,*) daß die heil. Schrift die Vergehen Salomo's — ebenso wie die anderer hervorragender Größen, wie David etc. — nach dem Verhältnisse seiner Geisteshöhe viel schroffer ange-. schrieben, weil ein verhältnißmäßig geringes Vergehen eines so hochstehenden Gottesmannes dem schweren Vergehen eines gewöhnlichen Sterblichen gleichgestellt ist: „Wer da spricht: „Salomo habe — buchstäblich so — gesündigt, ist im Jrrthum, denn es heißt von ihm. „sein Herz war nicht mehr so vollkommen mit dem Ewigen, wie das Herz Davids, feines Vaters" (1. Kön. 11,4), wie das Herz D a v i d s, .seines Vaters, war sein H e r z n i ch t m e h r; keineswegs aber hat er in der Weise sich vergangen, wie es wörtlich lautet.*)' Der Ausdruck, pseine Frauen lockten ab sein Herz," bezieht sich nur darauf, daß er seinen sündhaften Frauen nicht genügend. Einhalt geboten hat. R. Juda sagte im Namen Samuels: Es wäre für Salomo erwünschter gewesen, ein niedriger Diener gewesen zu sein, als daß die svrische Bibelübersetzung im 1. Jahrh. bereits erfolgt war. Dgl. über das Alter der Veschito Kaulen. Einl.;n d. b- Schrift 8.138, Reust, Gesch. der h. Schr. 8. 423. der allerdings daß Vorhandensein der syr. Bibel für das dritte Jahrhundert als feststehend erachtet. - ' - .... „ ES ist indcß noch nicht mit Gewißheit festgcstellt. ob die Veschito von Juden verfaßt wurde oder ob sie von Ruotjuden unter Mitwirkung von-Juden entstanden ist. vgl. Rlwpayort. Erech - Milin S. 2v8. Bambergen Lekach tob zu Ruch. Einl. S.Z7. Perles. KlvIvivwL!» ki» - die heilige Schrift den harten Ausdruck von ihm ge» braucht: „Er that Böses in den Augen des Ewigen.7 Diese Auffassung der im Talmud niedergelegten Tradition ist eine so logische und naturgemäße, mit dem Schriftworte und dem Lebensgange des gotterleuchteten und begnadeten Mannes und Königs im Vollkommen- Einklange stehende, daß sie allein genügt, Helles Licht über die Tendenz des von ihm verfaßten hohen Liedes zu. verbreiten, vor welcher alle Hypothesen und Willkürlichkeiten zerfallen. ' Hören - wir nun noch eine Beurtheilung des hohen Liedes von einem nichtjüdischen Bibelexegeten, dessen Worte, von seiner konfessionellen Auslegungsweise abgesehen, unserer Ausführung sich anschließen. Golz*) schreibt: „Es ist gewiß, daß die Sammler des alttestamentlichen Kanons das hohe Lied nicht würden in den Kanon des göttlichen Wortes ausgenommen haben, wenn sie es blos für ein irdisches, sinnliches Liebeslied gehalten hätten. Sie erkannten vielmehr darin eine allegorische Darstellung Gottes zu dem jüdischen Volke und bezogen die darin enthaltenen Bilder und Gleichnisse auf die einzelnen Ereignisse der jüdischen Geschichte. So verstanden, konnte das hohe Lied den Juden Trost und Segen gewahren." Diesen sehr richtigen Worten eines mchtjüdischen Bibelexegeten haben wir nichts hinzuzufügen als den Wunsch, - daß auch von jüdischer Seite dieser Standpunkt allgemein als der richtige erkannt werden möchte! Auch Kaulen?) hat die Tendenz des hohen Liedes so aufgefaßt. Er schreibt: ' „Das Hohelied ist weder historisch noch typisch,' sondern nur allegorisch zu verstehen: d. h. es ist in demselben von einem menschlichen Liebesverhältniß weder an sich noch als Symbol die Rede 3) sondern das Ganze dient als Bild zur Ei n k l e i d u n g einer übersinnlichen Ged ankenreihr." V * Zettrmgs«schrrch-e« urrd Sorsesyorrderrzen. Deutschland. r Berlin, 13. April. (Repräsentanten-' s i tz u n g.) Die heutige Sitzung war fast ausschließlich den Subventionen geweiht. Vorher wurde noch ein dringlicher Antrag eingereicht, welcher die Erziehung gefallener jüdischer Mädchen, die . düs jugendliche Alter : bereits überschritten haben, betraf. Es ist sehr unerquicklich, hierüber zu berichten. Die Gemeinde stellt .für diese Angelegenheit 2600 Mk. zur Verfügung. Zur Speisung Gefangener am Peßachseste werden für Brandenburg bis zu 200 Mk., für Cottbus 76 Mk^ für Insterburg 60 Mk. bewilligt. Der Religionsverein f Bolz, dar bohe Lied. 8.6. - Einl. in dieb. SLrif & 322 p. 27T.' An gleichem Sinne spricht sich auch Hug tu seinem Tom» n torc zum boben Liede