Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 32-33 (21.4.1902)
- Date
- 1902-04-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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43« Jahrgang. & 88.5;- Kenlrat-Hrgan für das orlhodoXe ZudentHüW V0U .-^7-^.^.':^ Dr. WrHrrrsrrnin Mainz. Montag, de« 21. April 5SS2 (190S)< Unsere nächste Nummer, eine Doppelnummer, erscheint ves heil. PefachfesteS L~r^s wegen Mittwoch, 30. April. ... *; 5- - Die Tenüenz Sss hohen Liedes. ,5" 5^ <5' . " ' ' Von'-' 5 '. Jacob Damverger, Äschaffenbürg. Keines der. heiligen Bücher des Kanons hat solch' verschiedenartige Behandlung erfahren, wie das hohe Lied. Bezüglich der Tendenz, ebenso in Bezug auf den VerfasserMeseL.heiügeL.Buch^, hegegnen^.uns. die.der-, 'schiedensten Gegensätze in k«n Ansichten der Gelehrten. Diese Verschiedenheit der Auffassung über die Tendenz des hohen Liedes ist von der Frage über Verfasser und Abfassungszeit unzertrennlich. 'Reust, in feinem Kommentar zum hohen Liede, hat schon auf das Lächerliche dieser verschiedenartigen AuslegungenHingewiesen. Er stellt in kurzen Worten Auszüge aus den Kommentaren von Jacobi, Stäudlein. Ewald/Böttcher, Hitzig und Renan zusammen, zeigend, welch' unhaltbare Gegensätze und Hypothesen in diesen -Ansichten sich kundgeben. Diese Hypothesen verwerfend, verfällt er in denselben Fehler,, eine neue Hypothese aufzufteöen. ' Ebenso hat Gratz*) die verschiedenen Auslegungen des hohen Liedes registrirt und widerlegt, um in seiner Weise die Tendenz des hohen Liedes darzustellen, von lvelcher Delitzsch mit Recht sagt: „Moderne jüdische Gelehrsamkeit aber überbietet auf altteft. Gebiete die Anachronismen der Tübinger Schule und leistet das Aeußerste, bisher noch nicht Dagewesene in Herabziehung älttest. Bücher etc. Uebrigens ist es gar nicht das vorliegende Hohelied, welches Grätz auslegt, „sondern das durch gewaltsame Korrekturen aller Art gemodelte und der untergelegten Tendenz angepastte" etc. Dieses hohe Lied ist freilich nicht von Salomo, aber auch nicht in der syrisch-macedonischen Zeit, sondern' Gratz Schir haschirim 1871. . im 19. Jahrhundert der gew. Zeitrechnung in BreSläu . 5 gedichtet!^ . ' Diese Ausführung Delitzschs bezüglich der Grätzschen Auslegung ist gewiß ebenso berechtigt, als be-. gründet. Seine Auffassung der Auslegungsweise 5 Malbims aber ist unrichtig. Malbim t^ilt seinen Kommentar in Gleichnist und Auslegung und beginnt letzteren mit folgenden Worten: Dieses; Lied zerfällt in fünf Lieder; dessen erster Theil beschreibt ^hje Liebe des., Königs.. Salomo.zu;jener .Himmelstöchter.^^ d. i. die g ö t t li ch e Seele, die eingeschlossen in feinem'/ . -I nrie r n ,;beni Sitze der Regung und Herrschaft der ' - irdischen Triebe; die Töchter JerusalemS. . das sind die mannigfachen irdischen Triebe, welche die Heiligkeit der Seele sich dienstbar machen, und zu sich - herab in den Schlamm ziehen wollen. Doch , sie ist; festgeknüpft mit den Banden heiliger Liebe'an ihren , . himmlischen Freund, der da weidet Heeresschaaren, die ' er geschaffen u. s. w. Ein einziger Standpunkt ist es. . nach welchem über Tendenz, über Verfasser und Abfassungszeit' des hohen Liedes Klarheit und Sicherheit besteht; dies ist derjenige der jüdischen Tradition. Rach dieser zählt das hohe Lied zu den 24 Büchern des Kanons, — gehört zu den wvuv Hagiogravhen —, ist sein Inhalt hocherhaben, heilig, fern von allem Sinnlichen und Körperlichen; Ist in der bilderreichen Sprache nur der Kern der erhäbensten, verborgenen Weisheit und Belehrung zu suchen. .' Diejenigen, welche diesen Standpunkt nicht theilen, mutzten natürlicherweise auf die verschiedensten Hypothesen und Willkürlichkeiten verfallen. . Wir werden nun' zunächst die Tendenz des hohen'Liedes nach der \; e Auffassung dex, jüdischen Tradition in Talmud .und 5 Midrasch däMgen und in einer weiteren Abhandlung - über Verfasser, und Äbfässungszeit des hohen Liedes - uns verbreiten. ... : . '•••/-