Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 31 (17.4.1902)
- Date
- 1902-04-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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!li «95: tf sich doch bei dem regen Eifer aller Mitglieder nur eine frohe Zukunft dem Vereine Vorhersagen. Der Verein zahlt bereits 54 Mitglieder. Hoffen wir, daß er auch weiterhin wachse, blühe und gedeihe und recht bald der Tummelplatz der gesammten jüdischen Jugend Kölns werde. Briefe sind zu richten an Herrn L. Abraham, Thürmchenswall 35. Ratibor, 13. April. Vergangenen Freitag sah unsere Stadt eine ungewöhnlich große Anzahl fremdländisch aussehender und in fremder Sprache redender Passagiere auf. dem Bahnhofe. Es waren ihrer 279 — unglückliche rumänische Israeliten — die nach Hamburg reisten, um von dort aus nach Kanada auf Kosten der Baron Hirsch-Stiftung befördert zu werden. Die Auswanderung der rumänischen Israeliten hat somit tatsächlich begonnen, und damit erweist sich die Mittheilung der offiziösen „Agence Roumaine", daß unter den dortigen Israeliten keinerlei Auswanderungsbewegung sich bemerkbar mache, als eine irrige. Die Auswanderer sind sammt und sonders Handwerker, Maurer, Zimmerleute und landwirthschastliche Arbeiter, die das Inkrafttreten des berüchtigten Gewerbegesetzes nicht erst abwarten wollen, und es daher vorziehen, das Reich des Königs Karol bei guter Frühlingszeit zu verlassen. Die Auswanderer erzählten während ihres achtstündigen Aufenthaltes auf dem Bahnhöfe wahrhaft erschütternde Einzelheiten aus dem Leben in ihrem rumänischen Vaterlande, und die abgehärmten Gesichter der Fraüen, der Kinder und der zarten Säuglinge lieferten die unwiderleglichen Beweise für die Wahrheit der Mittheilungen. Um einen Franken Tageslohn arbeiteten diese bescheidenen Menschen. Allein selbst diesen kargen Verdienst wollen ihnen die rumänischen Volksvertreter unter Gutheißung der königlichen Regierung durch einen unerhörten gesetzgeberischen Cynismus unmöglich machen. - Als ihre einzige Habe führen diese beklagenswerthen Menschen eine Thora-Rolle. Die wirthschaftliche Lage dieser auswandernden rumänischen Juden spottet jeder Beschreibung. Der Vertrauensmann des Komitees, der die für die Ansiedelung in Kanada geeigneten Männer, in den Dörfern aussuchte und sie begleitete, erzählt, daß Hunderte ihn bis in die späten Nachtstunden bestürmten, sie doch als Knechte mitzunehmen. Alles will fort aus dem barbarischen Lande und vor dem drohenden Hungertode flüchten. In Rumänien geboren und seit Jahrhunderten dort ansässig. leisten die Juden Kriegsdienste, gründen sich dann, zumeist als Handwerker, eine kümmerliche Existenz, und nun wird auch diese ihnen vernichtet. Hunderttausende Eingeborene gelten als „Fremde", als heimathlos, und die Heimathlosen sollen jetzt erwerbslos gemacht werden! Die Verhältnisse drängen unaufhaltsam zur Katastrophe, wenn nicht die maßgebenden Einflüsse der zivilisirten Staaten jenes Land an seine Pflicht mahnen. Worms. Am 6. April wurde dahier' eine Brle^ Brith-Loge gegründet, die- 52. in Deutschland. Die Feier wurde geleitet von Herrn M ä Y e t; auS Berlin. Fünfzig Personen traten der hiesigen Loge bei, darunter fünf von benachbarten Dörfern^ An dem Bankett nahmen ca. 260 Personen theil. - Als? Präsident der hiesigen Loge, die den Namen „Dalberg : Loge" erhielt, (Dalberg war bekanntlich eine hervor- < ragende Familie, die in dem benachbartem' Dorfe Herrnsheim wohnte, in der Geschichte eine bedeutende-- Nolle spielte und den Wormser Juden sich immer? freundlich zeigte) wurde Dr. med. Selig gewahlk?: O e st e r r e i Wien, 14. April. Bei den Handelskammerwahlen ^. hat sich das merkwürdige Schauspiel ergeben, ba^ bte antisemitischen Wähler für die fortschrittlichen Kandi-: daten stimmten. Auf dem flachen Lande sind die Antir. semiten überhaupt mit Pauken und Trompeten durch- - gefallen. Diese Erscheinung gäbe zu denken,' wenn sie / nicht so einfach zu erklären wäre: In den Reichsrath oder in den Gemeinderath sendet man die Radau-Antisemiten, weil man an dem Radau seine Freude hat; in die Handelskammer sendet man die Fortschrittler, weil : das eine Körperschaft ist, deren Arbeit man braucht. - . Der radikale Antisemit arbeitet aber nicht, weil er ent- ' weder nichts gelernt hat oder zum Arbeiten zu faul ist . : Seine Leistung besteht im Radau; daher senden ihn seine I. Anhänger auch nicht in die Handelskammer und wahr-. fcheinlich auch nicht mehr in den Landtag.? : - ' Schw e d e n. '> £ -••=;-/ ■ ■;.- Malmö, im April. Zu Ehren zweier Männer, die -- im Laufe dieses Jahres vom Schauplatze ihrer segensreichen Wirksamkeit abgerufen wurden, des Herrn Rab- 9 biner Dr. Auerbach s. A. in Halberstadt und des Herrn; Rabb. Dr. Pinkus Neustadt s. A. in Breslau, hat die. hiesige Ehewra Kadischa iwz n-, eine öffentliche ' Trauerfeier veranstaltet. Die Gedenkrede hielt Herr Rabbiner Dr. W o h l st e i n. Der Redner entwarf ein? , trübes Bild von der Zeit, in welcher diese beiden Männer ihre Thätigkeit zur Erhaltung und Erstarkung de8.-' jüdischen Geistes begonnen und verglich dieselbe mit der? Zeit unmittelbar vor der Zerstörung des Gottestempels. - Damals mußten die glaubenstreuen Männer unseres; Volkes ihre Heiligthümer mit Gut und Blut gegen dierömischen Legionen vertheidigen. Vor Jahrzehnten mv tm "psnnoi -yv-mv ist das Werk der Zerstörung und Vernichtung unserer heiligsten Güter'von unseren eigenen Brüdern unternommen worden. Dasselbe Mittel, welches vor Jahrtausenden das Juden- '' thum vom völligen Untergange gerettet, hat auch diesmal seine rettende Kraft bewährt. Rabbi? Jochanan . ben Sakkai hatte ein Lehrhaus in Jabneh gegründet; - aus welchem Herborgingen rvvvL pfi - iutetf r\; schrockene Schildträger, muthig begeisterte Kämpfer, ' welche die Ideale des Judenthums gegen eine Wett von?