Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 31 (17.4.1902)
- Date
- 1902-04-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449825--55759-2518446- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
690 bessere Zeiten für die Basler Juden kamen, gewährte ihnen der Rath auch wieder einen eigenen Friedhof. Im Jahre.1394 wird beurkundet, daß der Rath erlaubt habe, ' „durch der selben Juden bette und kuntlich Notdurft willen, denselben Juden und jren nachkomen einen Judenkilchoff by vns ze habende." Dieser zweite Judenfriedhof lag bei der Vorstadt ze Spitalschüren, d. h. bei der St. Elisabethenvorstadt. Auch dieser wurde wieder profanirt, als im Jahre 1343 die Juden für lange Zeit endgiltig aus Basel vertrieben wurden. Ueberigens muß man nicht glauben, daß 1394 der Rath aus reinem Toleranzgefühl den Juden ihren Friedhof gewährt habe, denn er verfügte, „dz fi vnz vnsern Nachkommen von der jeglichem so begraben Wirt vnd werdent in demselben kilchhof, einen halben Gulden fürderlich und ane verziehen richten und geben söllent, vnd von fremden Juden vnd Jüdin vnd Kindern klein und groß, auch der jeglichem so daselbs begraben Wirt oder werden, einen Gulden Rynschen guten vnd geben by vns ane. verziehen vnd generde geben und bezalen." Die Judengräber wurden also zu lukrativen Steuerobjekten. Daß es mit dem Philosemitismus nicht weit her war, geht auch aus der Nachricht hervor, daß im gleichen Jahre 1394 ein Jude, der Gengenbachs Tochter geküßt hatte, drei Tage in's Halseisen gesteckt und dann für immer aus der Stadt gejagt wurde, und daß die judenfreundliche Maid, die sich hatte küssen lassen, auf fünf Jahre „in die Käfien" gelegt wurde. R u m L n i e n. Bukarest, 13. April., Das Komitee der Bereinigung der hauptstädtischen israelitischen Handwerker „Asociatia meseriasilor evrei diu capitala“ hat folgendes für die Beürtheilung der Ursachen der rumänischen Judenauswanderung sehr bezeichnendes Manifest erlassen: „Israelitische Handwerker! Es ist nothwendig, daß wir uns ein für allemal über die Lage klar werden,, in der nwt; die rumänischen Israeliten, uns hier befinden. Zahllose Gesetze sind gegen uns geschaffen worden; alle vorgeblich gegen die Fremden erlassenen Gesetze werden in Wirklichkeit nur uns gegenüber angewendet. . Obgleich im Lande geboren, werden wir doch als Fremde und zwar als solche ohne jeden Schutz, behaniÄt, als eine Klasse von Menschen, die Jeder nach. Gefallen ausbeuten kann, und wenn wir dagegen zu protestiren versuchen, antwortet man uns mit einem. 23. November und einem 16.Mai. (Anspielung auf die Antisenntenkrawalle''.der.letzten Jahre. Wenn es sich um Heer, und Steuern handelt, sind wir Rumänen, wenn es sich' um Schulen und Versammlungsrecht handelt, sind wir es nicht. Nachdem man uns aus den DörfNn srüjägt - häk,'findet inan, - daß wir in. den Stahtsn Zu zahlreich sind.lAus Anlaß/der' Votirung deI'Mndwerkergrsetzes hätte' ein Depütirter vorgeschlagen, diejenigen von uns, die kein anderes Vaterland haben, aus der Masse der übrigen Fremden auszuscheiden; die Regierung hat sich dem widerseZt. Und während später der Domänenminister aus wohlerwogenen Gründen in einer Versammlung der Handelskammerdelegirten die Erklärung abgab, daß wir in die Rubrik der rumänischen Nationalität eingestellt werden müssen, hat ein anderer Minister unsere Versammlungen verboten, obgleich die Konstitution das Recht hierzu den Angehörigen der erwähnten Rubrik zuerkennt. Die Freiheit der Kulte ist Allen, mit Ausnahme derjenigen ohne Nationalität, gewährleistet. Am Samstag den 23. März (5. Äpril) hat uns aber die Polizei während der Zeit der Abendgebete in der Synagoge Baron Hirsch durch ihre Werkzeuge aus der Synagoge im Namen der Gesetze und Sr. Maj. des Königs vertrieben; zur Unterbrechung der Gebete gezwungen, haben wir die Synagoge verlassen müssen, von den überaus trivialen Worten begleitet, welche der betr. Polizeikommissär gegen unsere Religion richtete. Die Polizei schickt zu uns, wir sollen uns in die „Liga National«" (regierungsfreundliche Handwerkervereinigung) einschreiben; Herr Bratescu (der Führer der oppositionellen Handwerkerbewegungen) bedroht uns mit Verwüstungen, wenn wir nicht zu ihm kommen. Alle fürchten sich, daß wir auswandern, weil, sie dann Niemand mehr haben, den sie ausbeuten können. Aber wir haben von dieser Liebe genug und genug auch der Erniedrigungen. Wir wollen als Menschen leben und wenn wir das hier nicht können, so werden wir es anderwärts thun und wir können es auch. Keine Freiheit und kein Brod? Wir aber wollen Beides. Das ist der wahre Grund für die Auswanderung der in Rumänien geborenen Israeliten." ' Schärfer könnte die Zweideutigkeit der rumänischen Regierungspolitik gegenüber den Rumänen israelitischen Glaubens gar nicht beleuchtet werden, als es in dem vorstehenden Manifest geschieht. Fe it i 11 e i rn» Erzählung von Nabelte Fried, 'Drug. 21 .. . - ... .v: - v Der Rabbiner von Hlinor lebte mit seiner junge, Frau in glücklicher, wenn auch kinderloser Ehe,- obwoh beide an der Sehnsucht krankten, ein Kind zu haben. Theils aus Dcham; theils aus Schoriungfür de, andern Theil. suchten sie ■ diese Sehnsucht zu unter : drucken.^,>.;C ' . Reb Schlome 'suchte oftmals für seinen Nnmutl emen äußeren Vorwand, so auch heute, wo er .aus.de,