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Der Israelit · 1902-04-14 · Heft 30 (14.4.1902) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 30 (14.4.1902)
Date
1902-04-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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des Befähigüngszeugnisses fürden einjährig-freiwilligen Dienst erhalten. Die Kommission beschloß nach längerer Debatte, die Petition der Staatsregierung als Material zu überweisen. Tarmstadt, im April. (Hessische Bileams.) Anläßlich der Debatte über den Schlippe'schen Erlaß in der hessischen Zweiten Kammer haben die antisemitischen Abgeordneten Wolf und Köhler sich folgende Ergüsse geleistet: Wolf: „Weil wir doch einmal das Thema hier angeschnitten haben, so komme ich auf den Fall, den ich schon vorhin erwähnen wollte. Wir haben seiner Zeit bei der Eingabe der hessischen Judenschaft hier verschiedentlich über das, was man im Volke draußen denkt, bezüglich der Anstellung der Juden zu Richtern, uns ausgesprochen. Ich bin nach wie vor der Meinung, daß die große Masse unseres Volkes es nicht gern steht, daß Juden zu Richtern angestellt werden. Ich weiß aber andererseits auch, daß es das Recht der Krone ist, unsere richterlichen Beamten anzustellen, daß wir keinen Einfluß haben, daß unser Ministerium nur ein Vorschlagsrecht hat. Run, meine Herren, ist mir ein Fall bekannt — ich werde jedenfalls richtig unterrichtet sein — daß ein getaufter Jude zur Anstellung gelangt ist. Ich kann das nicht billigen, weil ich weitcrmichts darin sehe, als — man nehme mir diese Aeußerung nicht übel — weiter nichts, als eine Prämie auf die Gesinnungslosigkeit. Menu unser Ministerium einmal nicht anders kann, als einen Inden der Krone vorzuschlagen, so soll es das auch thun; mir persönlich ist ein Jude, der dem Glauben seiner Väter treu bleibt, , ein orthodoxer, Jude, zehnmal lieber, als ein Reform-Jude, und hundertmal lieber, als einer, der nur des äußeren Vorthcils willen den Glauben wechselt und dies Scheinmanöver macht, besser kann man es nicht nennen, denn Jude bleibt er doch." Köhler- Langsdorf: „Meine Herren, auch den vom Abgeordneten Dr. Gutfleisch in's Feld geführten „religiösen Frieden" stören wir nicht, wir treten dem Judenvolk als einem Volk, als einer Nation gegenüber, aber nicht dem einzelnen Juden. Ich achte einzelne echte und unechte Juden, so selten ste sein mögen, sehr hoch; ich habe neulich noch einem Inden, mit dem ich sprach, gesagt: Ihr müßt unsere Volksangehörigen von Eurem Standpunkt aus eigentlich recht mißachten. Ihr. die Ihr die Ebenbürtigkeit, die Rassenreiuheit. Und .schon seit dem Propheten Esrä, also seit 2000 Jahren, so hoch achtet und haltet, während wir ste längst über Vord geworfen haben und ste nur noch in einer Klasse, im Adel und im Fürstenthum. besteht; Ihr müßt uns gering achten, da Ihr selbst ein so hohes Gut immer hoch und erhaben geholten habt. Und der reinen Rasse wird die Weltherrschaft aebören. wie Ihr, der Adel und die Fürsten ste thatsächlich jetzt auch besitzt. Rassenreine Menschen werden die Herrschenden in der Welt in allen Zeiten sein." ' O e st e r r ei ch. Prag, 11. April. (Zur Geschichte der Juden Prags.) Die isr. Kultüsgemeinde hat ein' reiches handschriftliches Material betreffs der Geschichte der Juden Prags (ca., 23 Druckbogen), aus dem Jahre 1302 bis 1644. von dem bisher noch nichts im Drucke erschienen ist, erworben und beabsichtigt die seinerzeitige Herausgabe desselben. Fachmännern wird die Einsicht desselben im jüdischen Rathhause von 9 bis 12 Uhr Vorm, gestattet. .. Frankrei ch. > : ' Paris, 4. April. Das Datum der nächsten Wählen ist vorgestern im Ministerrath festgesetzt worden: die Hauptwahlen finden Sonntag, 27. April, statt, die Stichwahlen: Sonntag, 11. Mai.- (Sowohl die Hauptais auch die Stichwahlen finden in Frankreich immer am Sonntag statt, um Jedem zu ermöglichen, sein Wahlrecht auszuüben.) Unsere Feinde schrecken vor keinem Mittel zurück; alltäglich beschmutzen und verleumden ste uns in der niedrigsten Weise. Einem solchen gemeinen Betragen gegenüber dürfen wir den Muth nicht sinken lassen. Der bevorstehende Kampf hat über die politische und soziale Stellung der französischen Juden zu entscheiden. Auf der einen Seite Rassenhaß und Hetze gegen Andersgläubige, auf der anderen Seite Friede. Eintracht und Fortschritt. Ich hätte gewünscht, daß ein Führer der deutschen Antisemiten den hier alltäglich stattfindenden antisemitischen Versammlungen beiwohne. Der Ruf: „Nieder mit den Juden!" ist immer von dem Rufe begleitet: „Tod den Protestanten!" Was würde dieser alldeutsche Herr dazu sagen?! Wir dürfen jetzt keinen Augenblick verlieren und voll und ganz unsere Pflicht und Schuldigkeit thun. Es wird uns dann ohne Zweifel gelingen, unsere Feinde, die zu gleicher Zeit Feinde jedes Fortschrittes sind, zur Thür hinauszujagen. Ein mir befreundeter Herr, der sehr gut die politischen Verhältnisse Algiers kennt, sagte mir heute, daß es gar nicht ausgeschlossen ist. wenn man eine lebhafte und zielbewusste Agitation betreibt, daß Drumont in Algier seinen Deputiertensitz verlieren und durch einen freigesinnten Republikaner ersetzt werde. Das ist wirklich des Schweißes der Edelsten Werth. Darum — aux armes, oitoyens! Ich wiederhole den französischen Juden das schöne Wort des großen deutschen Patrioten: „Seid männlich und stark, schwer ist die Mühe, aber herrlich der Lohn." , Pi. Eng l ä n b.; London, 11. April. Ueber das Judenthum in Afrika macht Herr Leo Weinthal in der „Jewish World" einige interessante Angaben. Er beziffert die in Afrika ansässigen Semiten auf 400,000, von denen allein 20,000 aus Südafrika entfallen. Die jüdischen Pionire, sagt der Autor, haben sich um die Entwickelung

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