Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 30 (14.4.1902)
- Date
- 1902-04-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Beschluß gefaßt wurde, daß an den höheren Handelsschulen der „Religionsunterricht abgeschafftwerde. Zur Motivirung dieses merkwürdigen Beschlusses wurde angeführt, daß der Religionsunterricht, wie er in diesen Schulen ertheilt wird, ganz unzulänglich ist, und daß die Religionslehrer nicht im Stande seien, die Disziplin aufrecht zuerhalten. In der Konferenz wurde ausdrücklich hervorgehoben, daß zu diesen Beschwerden „hauptsächlich die israelitischen Religionslehrer Anlaß gegeben! Dieser Beschluß und seine Begleitumstände sprechen mehr als ganze Bände. ' M. D. (Ueber den jammervollen Zustand des jüdischen Religionsunterrichts in den Schulen der großen Budapester Gemeinde gehen uns häufig sehr deprimirende Berichte zu. In den meisten Zuschriften wird über die beispiellose Indolenz der Rabbiner und die konservative Spiegelfechterei des „E---g" geklagt. Bezeichnend ist es, daß unter unseren Gewährsmännern auch Mitglieder der Großen Gemeinde und deren Repräsentanz sich befinden, die aber nicht den Muth oder die Energie haben, gegen diese himmelschreienden Zustände öffentlich aüfzutreten. Wenn das ungar. Wochenblatt „E—g" der jüdischen Sache ehrlich dienen wollte, dann könnte man vielleicht auch von den Rabbinen ein energisches Auftreten erwarten. Unter den bestehenden Verhältnissen müßte aber ein Wunder geschehen, wenn die leitenden Machthaber mehr, religiösen Sinn bekunden sollten, als die Herren Rabbiner und die genannte jüdische Zeitung. Red. d. „Jsr."> errillet*«. GvzäHkttng von Dadette Fried, 'F v ng. Ul ' •' - - ■■■ I. . Wenn der zürnende Prophet seinem auf Abwege gerathenen Volke die einstige Verwüstung des Tempels und Verödung der heiligen Stätten weissaget, so gebraucht er zuweilen den Ausdruck, daß Gras im Tempelhofe und vor der Thüre des Heiligthums wachsen werde.-«- - Und wirklich kann es für ein gläubiges Gemüthkaum einen traurigeren Anblick gegeben haben, als weirn die Stätte, welche sonst von Schaaren frommer Pilger, derart.voägedrängt war, daß sich die Menschen, wie es 'Vtßt^gegenseitig in die Luft gehoben, wenn diese Statte' jetzt; Verödet ist, daß darauf Gras keimen- und wachMrkmÄ;«S als wahres, Wunher galt,' udckß.' jn Diesem mevs^nüherfüU^MWWLM7 Aersöhnüngstage überhaupt ein allgenieiM 7 KniMD möglich war, jetzt solche Ruhe herrschte, daß Pflattze«- wuchs sich ungehindert ausbreiten konnte. Wer die Kultusgemeinde in dem böhmischen Dorfe Hlinov früher gekannt hatte, und nach einer. Abwesenheit von mehreren Jahren vor die dortige Synagoge kommt, muß vom gleichen Gefühle bewältigt werden. Wohl stehen noch die grauen Mauern des alterthümlichen Gebäudes der Synagoge, doch sind überall die Spuren des Verfalles zu bemerken. , Der geräumige Platz davor, welcher sonst von den zahlreichen Synagogenbesuchern und Schulkindern belebt war, ist jetzt ein öder, grasbewachsener Ort geworden; ja selbst zwischen den steinernen Stufen, welche zur Synagoge führen, sprießt das Gras und drängt sich Blätterwerk hervor. Die Kultusgemeinde von Hlinov wurde vom gleichen Schicksal betroffen, wie unzählige andere Gemeinden Böhmens — sie ging raschen Schrittes ihrer gänzlichen Auflösung entgegen. Vom Jahre 1848 an,7 in welchem die Freizügigkeit den Juden gestattet wurde, hat ein Wegzug der Vermögenden aus ihrem bisherigen Heimathsorte begonnen. Sie verließen die Dörfer, in denen sie bisher gelebt, wo sie sich ernährt hatten, wo sie reich geworden sind, um sich in den größeren Städten einzusiedeln — ihrer Kinder wegen, um diesen Gelegenheit zur weiteren Ausbildung zu verschaffen, lautete gewöhnlich die Ausrede. Zurück blieben nur diejenigen, welche ein an den Ort gebundenes Geschäft oder Handwerk hatten, oder welche die Uebersiedelungskosten nicht aufbringen konnten, endlich die Armen, die Wittwen und Kranken, welche auf die Unterstützung ihrer Heimathsgemeinde angewiesen waren. . . In Folge dieser Auswanderung mußten auch die Gemeindeängestellten reduzirt werden. Früher wurde das an die Synagoge angebaute niedere Gemeindehaus von mehreren Familien bewohnt. Es lebte daselbst ein talmudisch und philosophisch gebildeter Rabbiner, ein geprüfter Lehrer, ein guter Chasen, welcher in der Schule beim Unterricht mithalf, dann ein Schammes. Die Stelle eines Rabbiners, Lehrers und KantorS versah jetzt eine einzige Persönlichkeit, der Schaz Maz — eine Abreviatur von Scheliach Zibur und More Zedek — Reb Schlome Teinitz, ohne daß diesem jedoch eine dreifache Entschädigung für seine bedeutende körperliche und geistige Anstrengung von Seiten feiner Gemeinde geworden Ware. - » An dem Tage, an welchem unsere Erzählung be-' ginnt, schritt Reb Schlome in Begleitung des Schammes in früher Morgenstunde der Synagoge zu. Er7 war es gewöhnt, täglich als Erster dort zu sein; einestheils, um seiner Gemeinde mit gutem Beispiele voran-, zugehen,' anderntheils, um im löblichen Pflichteifer noch vor'.' Beginn^1 des '' Morgengottesdiensies' einen Perek Mifchnajos zu lernen, und dann ein Kadisch Derabv-