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Der Israelit · 1902-04-14 · Heft 30 (14.4.1902) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 30 (14.4.1902)
Date
1902-04-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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£ 1-1 t 1 . 675 non zu sagen. Denn darauf hielt er, fein höchster Ehrgeiz ging dahin, Rabbiner genannt und als solcher behandelt zu werden. Wahrend Jajlev SchammeS den Schlüssel aus der Tasche zog/ um die schwere eichene Thüre der Synagoge zu öffnen, blickte Reb Schlome umher und athmete mit vollen Zügen die frische Luft des köstlichen Sommermorgens ein. Da mit einemmale rief er im Tone des höchstens Entsetzens aus: „Kommen Sie geschwind her, Reb Jajlev! Hier liegt etwas' im Grase, ich glaube, es ist ein Kind!* „Chas wechulile, Gott soll schomer und — mszil sein, das gäbe ein Bilbul!" Der Rabbiner — wir wollen ihm den Titel, den er erstrebt, gerne gönnen und ihn im Laufe der Erzählung so benennen .— der Rabbiner hatte sich inzwischen zu dem im Grase liegenden Gegenstand niedergebeugt und ihn aufgehoben. „Gott Lob, das Kind lebt," sagte er mit erleichtertem Herzen, „da wird man uns wenigstens nichts anhaben können." Eine genauere Untersuchung ergab, daß man ein zartes, etwa zwei Monate altes Knäblein vor sich hatte, welches bereits in den Bund Abrahams ausgenommen war. „Borucha Haschern, es ist ein Jüdenkind," bemerkte voll innerer Befriedigung der Schammes. „Sie können gut reden," fuhr ihn der inzwischen mit anderen Männern hinzugekommene Rofchhakohol' (Gemeindevorstand) an, „was wird es Ihn kosten, wenn der Gemeinde mit diesem Funde wieder eine neu«; Last aufgebürdet wird? Die Reichen sind fortgezogen und kümmern sich nicht weiter um die Gemeinde und wir paar zurückgebliebenen Vermögenden," dabei warf er sich stolz in die Brust, „wir Vermögenden müssen die ganze Gemeinde erhalten; und jetzt noch diese Last dazu!" „Herr Vorsteher," sagte der Rabbiner mit weichem Tone, „Bene Jisroel rachamonim, die Kinder Israels haben sich stets durch Barmherzigkeit ausgezeichnet, wollen auch wir es thun, und das unglückliche Geschöpf, welches eine gewiß verzweifelnde Mutter vertrauensvoll vor die Thüre unserer Synagoge gelegt hat, nicht von uns weisen." „Was ist da viel zu reden, was ist da zu thun? Ob gerne oder ungerne, behalten müssen wir schon einmal das Kind. Aber ich frage: „Warum kommt eine solche Mezieh grade uns zu? Warum nicht den großen und reichen Gemeinden Tabor oder Budweis, die von unseren früheren Gemeindemitgliedern groß und reich geworden sind, warum uns,, einem Häuflein armer Leute?".: . -„Warum? Ja.mein lieber, guter Rofchhakohol, wer auf alle „Warums?", welche sich uns im Leben so oft aufdrängen, auch eine Antwort zu geben wüßte!" Indessen fing das- Knäblein zu weinen an. Sicherlich nur aus Hunger oder einem anderen körperlichen Mißbehagen. denn verstanden hatte eS ja den üblen Willkommen nicht, welcher ihm von Seiten des Leiters der Gemeinde geworden, in die es feinen unfreiwilligen Einzug gehalten. „Jajlev, nehmen Sie das Kind auf . Und bringen Sie es nach Hause. Ihre Frau soll für es sorgen," befahl der Vorsteher. Der gutmüthige, aber etwas beschränkte Schammcs nahm das Kind auf den Arm, um es nach Hause zu tragen, wobei ihm mehrmals die Worte entfuhren: „Ein Rachmones, Nebtzh!" Dann ging er mit ihm in seine nahe Wohnung.; Man zählte indessen nach, ob nach Abgang des Schammes noch die zehn zum Minjan nöthwendigen Männer geblieben waren, und als das Zählrefultät ein günstiges war, begab man sich in die Synagoge.. Der Rabbiner konnte durch den entstandenen Aufenthalt seinen Schiur nicht mehr lernen, / denn er mußte sofort zu beten anfangen.' 5 , Nach dem Verlassen des Bethauses trat der/Vorsteher abermals zu dem geistlichen Führer der. Gemeinde, um mit ihm in dieser wichtigen Angelegenheit^ Rücksprache zu nehmen. .. " " f M? „Sie haben, Herr Rabbiner, das gefundene Kind genau untersucht. Haben Sie etwas gefunden, was auf die Abkunft desselben Bezug haben könnte, oder als Erkennungszeichen dienen würde?" ' ■ „Ja wohl, doch muß es einer gründlichen Forschung überlassen bleiben, eine richtige Spur, herauszusinden. Än der Hand des armen Geschöpfes befand sich dieses." Er wies bei diesen Worten dem Vorsteher eine an einem Stückchen grober Baumwöllschnur befestigte Münze, welche sich als ein altjüdischer.Schekel erwies, wie solche bei Antiquitätenhändlern und numismatischen Sammlungen zu sehen sind, und wollte/ihm. die Münze übergeben. ' .; / r " „Gut," nickte der Vorsteher, „das ist doch immer etwas. Behalten Sie das Ding da indessen bei/sich. Das Kind selbst lassen wir in Pflege,, natürlich'gegen Bezahlung, beim Schammes, wenn es großer.wird, so wird ihm die Gemeinde Kosttage geben. Und eine Andeutung über den Namen des Kindes/haben Sie nicht gefunden, Herr Rabbiner?" frug der Vorsteher abermals. i /.; /T.;r, v"" . ' „Nichts, keine Spur!" - -; v -, ■ ‘i; . ' „Me sollen wir'aber den Knaben üennen?.'^ Einen Namen muß ja.jederMchsch'Men^7^AE^q!r"^''' //,Sicherlich,-.-doch Levsr..^-rsei!xn<«gznAHen Namen erfahren, werden wir dem Kinbe ^provispriW einen .solchen beilegen^' Wir.. baben_.soeM Barsche Pinchas geleint, so soll auch das Kind so. heißen,'und dem Fundorte gemäß: Hlinovsky."

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