Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 30 (14.4.1902)
- Date
- 1902-04-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Hn I! i u S i f. i h?: Wendung genommen, die ein Zerrbild der religiösen! Zerfahrenheit gezeitigt.. Wenn jedoch Ihr Herr Korrespondent glaubt,. daß .es im.der Machtsphäre des in Aussicht genommenen Rabbinatsverbandes läge, hierin Wandel zu schaffen, so scheintE/rüber das Wesen der Nabbinervereinigung ebensowenig orientirt zu sein, wie er die Knebelung und die Rechtslähmung der Rabbiner des Reichslandes nicht zü kennen, scheint. Nicht der Rabbiner, sondern die Konsistorien und ihre Oberrabbiner,' diesich durch eine verkehrte Verfassung zu einer Hierarchie herangebildet, sind die Faktoren, welche die so: dringende Abhilfe verschaffen könnten, wenn sie nur' wollten. Sie wollen aber nicht, weil leider das geblendete Volk es auch nicht zu wollen scheint. Von welchem religiösen Geiste das Volk hierzu-' lande.erfüllt ist, hat die am 6. d. Mts. stattgefundene^ Konsistyrialwahl des Unter-Elsaß am lebhaftesten Be-- weis erbracht. Von den vier gewählten Mitgliedern .be» ■ Konsistoriums ist nicht ein einziger, der nicht nav bbm x’pmtn und. nwBK mboxQ nicht genießt. Wohl ist im Rabbinerverband, wie wir vernommen haben, von einigen konservativen Rabbinen energisch gefordert; worden, daß die Qualifikation der omnii? cntep) nicht, mehr, wie eine alte Ordonnanz bestimmt, von den Ober- / rabbinen, sondern von den zuständigen Rabbinen er-' theilt werde.. Auch wurde gefordert, daß der Rabbiner in religiöser Angelegenheit Herr in seinem Rabbinate sein solle, was bisher leider nicht der Fall war,-indem v'vnir» die Rabbiner als . erklärten, von den Oberrabbinen: Kraft ihrer Vollkommenheit in ihrem Amt und ihren Würden belastenwurden. Anerkennend muß .hervorgehoben werdendaß der Oberrabbiner -von Straßburg erklärt habe, für die Zukunft bei der Ertheilung der Schochtim zwei Gemeinderabbiner als Veisitzende heranziehen zu wollen. Ob aber dieses Versprechen mehr als eine Phrase sei, wird jedenfalls erst die Zukunft lehren. Die Herren Oberrabbincr haben es bisher verstanden, das Versprechen als beruhigendes Mittel für die aufgeregten Gemüther zu benutzen. Gewiß, es ist faul im Staate Dänemark, aber diese Fäulnisse werden die Rabbinatsverbände nicht beseitigen, wenn sich nicht das Volk aufrafft, dem Konsistorium andere Gestaltung und ändere Gestalten zu verschaffen. Möge die Judenheit. vom Reichsland damit beginnen, bei der Wahl ihrer Konsistorialmitglieder weniger auf den Geldsack. als auf das religiöse Empfinden und Bethätigung der religiösen Vorschriften zu schauen, und die Rabbiner werden vollauf ihre Pflicht thun. Jset Amiti.; Un g a r n. Budapest, 28. März. Wunde Punkte im jüdischen Religionsunterricht, wie er von den Religionslehrern der hiesigen Großgemeinde ertheilt wird, gibt es in Masse; sie wurden schon oft in der Oeffentlichkeit erörtert, aber Niemand kümmert sich 673um ihre Heilung: Man gibt sich damit zufrieden.daß; man im Organe der hiesigen Neologie von Zeit zü Zeit neben einem schwachen- .freilich nur scheinbaren Tadels irgend eines untergeodneten Umstandes, 'am der große»: Glocke zieht, um den,R u h m . der riesigen E r f o l g e zu verkünden, die hier im Religionsünierrichte erzielt werden. Wie es aber um diese Resultate in Wahrheit bestellt ist, davon wissen jene Eltern, die auf das jüdische Wissen ihrer Kinder irgend ein Gewicht legen, ein gar trauriges Lied zu singen. Nach jahrelangem Schulbesuche können die -Schüler—■ selbst jene, die in; den profanen Gegenständen ausgezeichnete Fortschritte machen — nicht -.einmal fließend hebräisch lesen. Den' Knaben und Mädchen, werden wohl ganze Gebetstücke oder Bibelabschnitte durch Auswendiglernen eingetrichtert, die sie jedoch in Folge des mechanischen, papageienmäßigen Nachplopperns nur insolange im Gedächtnisse bewahren, bis die Prüfung vorüber ist. So geläufig leiern sie vor und bei der Prüfung ihr Pensum hcrun-? ter, daß der Uneingeweihte wirklich über diese Fertigkeit staunt. Läßt man sie aber in einem „Siddur" oder „Chumesch" lesen, dann bringen sie kaum noch vieler Mühe und im Schweiße ihres Angesichts das Buchst«-/ bircn der einzelnen Worte zusammen, dabei die einander ähnlichen Buchstaben (wie 2 und 2, j und vT und n u. s. w.) fortwährend verwechselnd. Es ist keine' Seltenheit mehr heute in Budapest, daß: jüdische Abiturienten des Gymnasiums, die also 12 Jahre hindurch (von der ersten Elementar- bis zur achten Gymnasialklasse) den sog.-„jüdischen Religionsunterricht" genossen, haben, für ihre verstorbenen Eltern das Kadischgebet nicht im Original, sondern nur aus eigens hierzu angefertigten Tafeln verrichten können, die dieses Gebet „in lateinischen Lettern" gedruckt enthalten! Davondaß den Schülern von. den jüdischen Religionslehrern Liebe und Anhänglichkeit zu ihrer Religion eingeprägt werde, kann gar nicht die Rede sein. Sehen doch die Schüler ihre ReligioNsweise gar oft in und außerhalb der Schule so manche Religionsvorschriften verletzen. Freilich gibt es auch ehrenwerthe. Ausnahmen, die aber nur sehr selten sind und gar nicht in Betracht kommen können. Was Wunder nun, wenn unter so beschaffenen Verhältnissen ' der Religionsunterricht den Schülern eine unerträgliche Last wird? Ist es ja ein Erfahrungssah, daß zbn btt. d’d»j 2*>n ro v'twn dw, daß nur solche Worte — namentlich bei der Jugend — in's Herz dringen, die auch vom Herzen kommen. Da ist aber, weder Herz noch Kopf, noch „Leib und Leben," und mit dem Propheten können wir ausrufen: tfxi mn bzi ipo BW tt px an dem hiesigen, jüdischen Religio ns-' unterrichte ist von A bis Z kein heiler Punkt!Ein tief zu bedauernder vvm ist es. daß nunmehr nichtjüdische Kreise auf diesen Uebelstand aufmerksam machen. Diese Woche hat hier eine Konferenz von Handelsschul-Professoren stattgefunden, in welcher der