Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1902-04-14 · Heft 30 (14.4.1902) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 30 (14.4.1902)
Date
1902-04-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449795-2449824--55740-2518426
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

stand und die Repräsentanten-Versammlüng der Gemeinde Wahlen. Nach dem Ergebniß der jüngsten Wahl befinden sich unter den von der Mitglieder-Versammlung gewählten 12 Herren Angehörige beider Parteien und die beiden Rabbiner, Herren Dr. Frank und Dr. Rosenthal. Nach erfolgter Wahl des Ausschusses wählt dieser aus . seiner Mitte den geschäftsführenden, aus 9 Herren bestehenden Vorstand. Alle diese Wahlen vollzogen sich bisher ohne jede parteipolitische Rücksicht, nur ausschließlich unter Berücksichtigung der Eigenschaften des Geistes und des Herzens der vorgeschlagenen Kandidaten. Bei den Vorstandswahlen unserer Chewras verfuhr man bisher nach den gleichen Grundsätzen. Selbstverständlich würde eine ernste Spaltung der Gemeinde mit diesen schönen Grundsätzen gründlich aufräumen. Die Folge würde eine erhebliche Abnahme und eine Zersplitterung unserer fest organisirten Armenpflege sein, die schon jetzt allen berechtigten Ansprüchen kaum entsprechen kann'. An Mitgliederbeiträgen flössen dem genannten Israelitischen Wohlthätigkeitsverein im Jahre 1901 Mk. 12,479, an Geschenken nur Mk. 1087, und an Spenden in den Synagogen nur Mk. 682 zu. Der Beitrag der Synagogengemeinde zur. Beschaffung von Kleidern und Schuhen für arme Schulkinder und für Mazoth beträgt nur Mk. 3000. Zur Vertheilung an Hülfsbedürftige wurden dem Vereine Mk. 1337 überwiesen. Die Arbeitsstätte des Vereins, welche arbeitsfähigen Personen Gelegenheit bietet, durch Zerkleinern von Holz sich etwas zu verdienen, erbrachte Mk. 1645, und kostete Mk. 2221. Es standen somit diesem Vereine incl. Zinsen rund Mk. 19,000 zu Unterstützungszwecken zur Verfügung, im Verhältnitz zur Größe und Bedeutung der Gemeinde gewiß keine bedeutende Summe. Die regelmäßigen Unterstützungen betrugen nur Mk. 6174 in Baar, außerordentliche Unterstützungen Mk. 716, an Passanten wurden vertheilt Mk. 2161 und zur Beschaffung von Brot, Kleidern, Schuhen und Mazoth wurden Mk. 6833. für Sabbatessen Mk. 468 verwendet. Das Dereinsvermögen beträgt nur Mk. 8500. Unsere Wolhthätigkeitsvereine und -Anstalten erfreuen sich gar zu selten größerer Zuwendungen oder Vermächtnisse begüterter Glaubensgenossen, im Gegensatz zu anderen Grotzgemeinden. wo Chewras und Unterstützungsvereine in Folge solcher Zuwendungen und Legate durchweg über ein ansehnliches, zinstragendes Grundvermögen verfügen. Statt der Orgelliebhaberei sollten unsere begüterten liberalen Gemeindemitglieder die Liebhaberei mehr pflegen und kräftigen als bisher (einige rühmliche Ausnahmen abgerechnet), unseren Wohlthätigkeits - Vereinen und Anstalten bei geeigneten Anlässen größere Zuwendungen zu machen, namentlich sollte dies in Form von Legaten geschehen. Hin und wieder finden sich einige Damen, die durch Veranstaltung eines Konzertes oder eines Jahrmarktes der einen oder anderen Wohlthätigkeits-Anstalt eine Beihülfe verschaffen. Das aber sind doch nur kleine Mittelchen, die keineswegs ausreichen. Ein derartiges Wohlthätigkeits-Konzcrt fand kürzlich im Saale der Rheinland-Loge zu.Gunsten der jüdischen Volksküche statt, es wird wohl ein bescheidenes Sümmchen erbracht haben. Für unsere Gemeinde nun ist eine solche rituelle Volksküche ein dringendes Bedürfniß; sie befindet sich noch im Anfänge ihrer Organisation unv vermag erst dann die hier gebotene umfassendere. Wirksamkeit zu entfalten, wenn ihr größere Mittel zufließen. Könitz, Z. April. (Einbruch in die hiesige Synagoge.) Aus dem dunkelsten Theil Preußens wird gemeldet: Ein mit äußerster Frechheit in der verflossenen Nacht unternommener Einbruch in die hiesige Synagoge versetzt die jüdische Gemeinde hierselbst in die größte Aufregung. Die Diebe, welche das Gotteshaus, wie die Fußspuren beweisen, von der Rähmestraße aus betreten haben, zertrümmerten die Cingangsthüre und hausten im Innern der Synagoge wie die Vandalen. Sämmtliche Schranke und Geräthschaften wurden gewaltsam erbrochen und nach Werthobjekten durchsucht. Da die Spitzbuben sich in ihrer Annahme, reiche Beute zu machen, getäuscht sahen, verunreinigten sie das Gotteshaus in der ekelerregendsten Weise. Auf die erstattete Anzeige begab sich sofort der erste Staatsanwalt Dr. Schweiger mit einer Gerichtskommission an Ort und Stelle, wo der Thatbestand ausgenommen würde. Wie nach den neuesten Ermittelungen verlautet, soll der Einbruch nicht erfolgt sein, um etwas zu stehlen, sondern es soll sich um Personen handeln, die durch antisemitische Agitation aufgehetzt, das Gotteshaus beschädigten. Stuttgart, 6. April. Gestern Abend fand in den schönen Sälen des Konigsbaues zum Besten des Baufonds für das israelitische Landesasyl in Sontheim,, ein sehr zahlreich besuchtes Wohlthätigkeitsfest statt, um dessen Gelingen sich eine große Anzahl Damen und Herren bereitwilligst bemühten. Prof. Dr. mann, der Dramaturg unseres Hoftheaters, hatte hierzu einen schwusgvollrn Prolog gedichtet. Das herrliche Fest nahm einen schönen Verlauf, und der finanzielle Erfolg wird wohl ein recht beträchtlicher sein. Ihre Majestäten der König und die Königin erfreuten den Verein durch einen huldvollen Beitrag von je 100 Mk. Stratzburg, 9. April. Ihrem Herrn Korrespondenten aus Lothringen vom 3. April, Nr. 28 Ihres geschätzten Blattes, muß jeder Redlichdenkende nur Beifall zollen. Jeder, der für das Judenthum warm .Mlt und empfindet, muß eingestehen, daß die religiösen Zustände unserer früher durch innige Frömmigkeit und Gottesfurcht ausgezeichneten Gemeinden leider eine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.