Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1902-04-14 · Heft 30 (14.4.1902) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 30 (14.4.1902)
Date
1902-04-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449795-2449824--55738-2518424
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

. f -y:.•_ ..7, -V zu berauben und aüsnützen zulassen. „Es spricht der Unsittliche in seinem Herzen: es gibt keinen Gott, darum haben sie Verderben gestiftet, ihren Wandel zum Greuel gemacht, keiner thut Gutes." (Psalm 14, 1.) So weit kommt er, der Weise, mit seiner klugen Aufklärung, daß er unter seine Menschenwürde hinabsinkt, daß er nicht einmal die unter gesitteten Menschen, geltenden Gesetze ächtet. Zweifelt Ihr «fcet an der Wahrheit dieser Worte, so sehet Euch doch, um in den Städten und auf den Landorten. Schauet Euch an das Treiben dieser Non Einbildung und Hochmuth geblähten jungen Leute, wie sie sich spreizen, wie sie groß reden und groß thun und sich so unendlich wichtig dünken und die Erde erfüllen mit dem Ruhme ihrer Thaten und Persönlichkeiten. Und in ihrer Halbbildung, in ihrem unzureichenden Wissen,^ in ihrer Urteilslosigkeit, haben sie keine -Ahnung davon, daß jene Wissenschaft, mit deren -Stücken und Splittern sie sich wie mit fremden Federn aufputzen, selbst gesteht, daß sie noch nicht gefunden das Ende aller Erkenntniß. Sie wissen nicht, daß jene Gelehrten selbst zugeben, daß sie noch nicht am Ziele der Forschung angelangt sind, daß sie nicht gefunden.haben, was jenes Ding ist, das die Welt im Innersten zusammenhält. Jene halbgebildeten, hohlköpfigen Thoren ahnen nicht, daß gerade die Weisesten unter den Vertretern der Wissenschaften eingesehen und auch offen ausgesprochen haben, daß alles menschliche Wissen und . Erkennen Stückwerk, daß Wissenschaft gar nicht Wahrheit ist, sondern erst den Weg zur Wahrheit darstellt, aufwelchem schreitend, vielleicht nach langen, unendlichen Mühen und Arbeiten, , nach Üeberwindung unzähliger Schwierigkeiten und Jrrthümer, man der Wahrheit „nahe" kommen dürfte. . Und nun erst von jenen entgegengesetzten Anschauungen und deren Verfechtern, die das „Wissen" mit dem -„Glauben" versöhnen und zu innigem Bunde ver- - mahlen, da will unser Weiser nichts vernehmen und i .nichts wissen, lieber ihn ruft der Prophet aus: „Wehe den abtrünnigen Söhnen, spricht Gott, die Pläne ausführen, die nicht von Mir sind, und die sich Gebilde gießen, in welchen Mein Geist nicht waltet, und Sünden .-aufSünden häufen." (Jesaja 30, i.) r,;: /Wenn nun solches zutrifft bei jenen, die in der - Thorheit und Kürze ihrer Einsicht den Glauben an einen Gott, die Anerkennung eines Einzigen. Höchsten - ../und. Heiligen Wesens verloren haben, und., in sich die : -trotz.., gvex..Bekämpfungen, sich geltend.'.'.machenden;i: Dimmen-und Gedanken,-daß es doch einen .gebietenden unb? verstummen;.ß$a(^7TT40ÄW daß auch .7^^dMHMtzss^bMM-p.uHd Mm sistfto nmen, . ,Beginnen den Mantel der Klugheit - und . Welterfahru.NF umhängen, oder gar eine Wissenschaft vorschützen, um gegen das, was die Ahnen hoch und theuer gehalten , haben, mit falschen und trügerischen Beweisen, mit auf? Jrrthum, ganz besonders aber auf Feindschaft gegrundeten Lehren Vorgehen. Besonders Jene sündigen. " welche in einseitiger Ueberschätzung der Fortschritte, welche Kultur und Bildung im vergangenen Jahrhundert zu verzeichnen haben, befangen, in Selbstverherrlichung auf ein Alterthum hochmüthig herabzusehen sich vermessen, aus Männer-Errungenschaften, die an Höhe der Gesittung und der geistigen Fähigkeiten, an Vollkommenheit und Heiligkeit Ihresgleichen nie gehabt haben, noch haben werden. So urtheilen sie leichtfertig und oberflächlich über die Propheten, über unsere Weiten und die Rabbiner, als würden sie über eine vorübergehende Erscheinung des Tages ihre Meinung abgeben. Und so verwerfen sie Gottes Wort, so verschmähen sie sein Geheimniß und Israels altehrwürdiges Gesetz treten sie mit den Füßen und lächeln klug und überlegen über jene, die 1121 by omn „ängstlich über Gottes Wort wachen." Sich selbst dünken sie weise und halten jene Treugebliebenen für zurückgeblieben, für veraltet erklären sie Frömmigkeit und Gottesfurcht. „Wehe denen, die Weise sind in ihren eigenen Augen und vor sich selbst verständig, weil sie verachten die Lehren des Ewigen, des Herrn der Heerschaaren, und verschmähen den Ausspruch des Heiligen Israels." * Und wozu hat die modernisirende Bewegung geführt? Zu einer Spaltung in Israels Mitte, zu einer Schwächung des jüdischen Volkes und zu einem Niedergange seines Geistes. Was haben jene „Aufklärer," jene Männer „des Fortschrittes," wie sie sich nennen und . nannten, an die Stelle jenes alten, ehrwürdigen Heiligen gesetzt? Das unersättliche Streben nach irdischem Besitz, den Hang und die Begierde nach Genuß und Bequemlichkeit. Solcher Art Güter haben sie in die Zelte Israels eingeführt,. solche Ideale der Jugend als erstrebenswerth empfohlen, nachdem sie Zufriedenheit und Genügsamkeit daraus entfernt haben. Wohl sehen sie allgemach nun ihren Fehler ein. aber die Risse, die sie gerissen haben, können sie nicht mehr verbauen, die Ruinen, die sie durch ihre Jerobeamsarbeit geschaffen^ haben, können sie nicht einmal so nothdürstig aufbauen, * töie es ihrer Anspruchslosigkeit und Genügsamkeit * einigermaßen entspräche. Und so sind zu einem zahllosen Heere jene geworden, die da mit dem zweiten Sohne der Hagada sprechen: nrnn rresn no „Was soll E u ch dieser Dienst?" b vb\ ösb „Euch" aber nicht „ihm", b^rrja ÄV mt x’sne* »bVt und weil er sich selbst ausgeschlossen hat, hat er dir Hauptsache geleügE^ ' ' ' ' > > . ■T!;c

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.