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Der Israelit · 1902-04-10 · Heft 29 (10.4.1902) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 29 (10.4.1902)
Date
1902-04-10
Page
– (sequence 27)
Language
German
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663 rundet habe und auch im Besitze von chirurgischen Instrumenten gewesen sei, daß er auf dem Wege zur Schule die Stelle zu passiren habe, wo eines Tages plötzlich die Kleidungsstücke des ermordeten Winter gefunden wurden etc. Schließlich wurde die Vermuthung ausge-. sprachen, daß W. wahrscheinlich eines Tages den Gymnasiasten Winter im Zimmer seiner Frau überrascht, ihn gewürgt und die Leiche alsdann zerstückelt habe. Der Angeklagte bot für alle in dem Artikel enthaltenen Behauptungen den Wahrheitsbeweis an, insbesondere auch dafür, daß der Privatkläger auch thatsächlich der Täterschaft verdächtig gewesen sei, und deßhalb Haussuchung bei ihm abgehalten worden sei. Er berief sich auf das Zeugniß des Bürgermeisters von Könitz, ferner der Kriminalkommissare Braun und Wehn, sodann auf das Zeugniß des Kreisschulinspektörs Rohde, des Rechtsanwalts Gebauer und des praktischen Arztes Dr. Müller in Könitz, sowie auf eine Reihe anderer Personen, die über den Charakter, die Vermögensverhältniffe und den Ruf des Privatklägers Auskunft geben sollen. Der Gerichtshof beschloß, sämmtliche angebotenen Beweise zu erheben, die Ermittelungenakten einzufordern und die außerhalb wohnenden Zeugen komissarisch zu vernehmen. Hamburg, im April. Eine außerordentliche Sitzung der Repräsentanten der Gemeinde beschäftigte sich dieser Tage mit der Frage eines Ausgleiches zwischen der Gemeinde und der Verwaltung des Friedhofes in Langenfelde. Die letztere hatte den Vorschlag gemacht, in Zukunft Beerdigungen nur dann zu übernehmen, wenn die Verstorbenen bezw. deren Anverwandte der Gemeinde angehören, wogegen die Gemeinde die Verpflichtung eingehen sollte, die Vegräbnißkosten für Unbemittelte, welche in Langenfelde zur Bestattung kommen, der Verwaltung des Friedhofes zu vergüten. Der Gemeindevorstand hatte diesen Vorschlag angenommen und zur Mitgenehmigung an das Repräsentantenkollegium gelangen lassen. Troßdem dir eingesetzte Kommission die Annahme empfahl, wurde der Ausgleich mit Stimmengleichheit, sechs gegen sechs Stimmen, abgelehnt. - — Die portugiesische Gemeinde zu Altona muß von ihrem an der Königsstraße belegenen Friedhof ein Stück zum Zwecke der Verbreiterung der Straße an die Stadt Altona abtreten. Es dürfte interessiren, daß dieser Friedhof am 13. Mai 1611 von der portugiesifch- . jüdischen Gemeinde in Hamburg von dem Grafen Ernst zu Schaumburg gekauft worden ist, da es zu dieser Zeit den in Hamburg wohnenden Juden nicht gestattet war, ihre Todten in Hamburg rituell zu begraben. Auf dem Friedhofe haben Leute von Berühmtheit ihre letzte Ruhestätte gefunden, so z. B. der Leibarzt der Königin Christine von. Schweden, Dr. Texeira, und Mitglieder der Familie des portugiesischen Dichters de Castro. Diese Gräber werden jedoch von der Abtretung nicht, berührt. Braunfekd (Kreis Wetzlar), 6. April. Am 16. v. Mts. waren es 25 Jahre, daß Herrn Lehrer Juda die Funktionen als Lehrer, Kantor und Schochet in hiesiger Gemeinde übertragen wurden. Die Gemeindemitglieder, von denen ein großer Theil zu seinen Schülern zählt, hatten es sich nicht nehmen lassen, um ihrem allseitig beliebten und hochgeachteten Jubilar einen Beweis treuer Dankbarkeit und Anhänglichkeit zu geben, diesen Tag feierlich zu begehen. Schon in aller Frühe er-, schienen daher die Gemeindemitglieder, unter Vorantritt der Schüler, in der Wohnung des Jubilars, um ihre Wünsche und Gratulationen persönlich zu überbringen. Nachdem der Schüler Salomon ein das Leben des Ju- - bilars kurz schilderndes, sinnreiches Gedicht vorgetragen und hieraus ein originelles Vlumenbouquet übergeben hatte, ergriff der Vorsteher, Herr Jakob H e y m a n n, das Wort und hielt eine längere von Herzen kommende und zu Herzen gehende Ansprache, in welcher er die Verdienste und das Wirken des Jubilars derart gebührend schilderte, daß alle Anwesende tief gerührt wurden und fast kein Auge thränenleer blieb. Als Zeichen der Liebe übereichte sodann der Vorsteher dem Jubilare einen mit entsprechender Widmung versehenen, prachtvollen, silbernen Pokal, sowie ein silbernes Tafelbesteck. Von Rührung tief ergriffen dankte der Jubilar in bewegten Worten für die ihm zu Theil gewordene Aufmerksamkeit, gelobend, auch fernerhin, so lange es Gottes Wille sei, bestrebt bleiben zu wollen, die ihm obliegenden Pflichten getreulich zu erfüllen und für das Wohl der Gemeinde nach Kräften zu wirken. Tagsüber wurde der Jubilar von allen Seiten mit Gratulationen und Aufmerksamkeiten überhäuft. Nah und Fern lieferte den Beweis, welch großer Beliebtheit sich Herr Juda erfreute. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch recht lange segensreich zu wirken und die Liebe und Anhänglichkeit seiner Gemeinde ihm jederzeit erhalten bleiben. I. R. ■ Oesterr eich. Wien, im April. In seiner bekannten Rede hat Prof. Dr. Wahrmund, der jüngste Liebling der liberalen Presse, auch von der furchtbaren Intoleranz gesprochen, welche die katholische Kirche als unseliges Erbstück des mütterlichen Judenthums den arischen Völkern des Abendlandes überliefert habe. Gegen.diesen Sah richtete der Landesraübiner von Tirol und Voralberg, Dr. A. Tänzer, in der „Meraner Zeitung" einen offenen Brief, in dem er dagegen protestiert, daß die mit Scheiterhaufen und Folterkammern arbeitende Intoleranz der katholischen Kirche auf das Judenthum, ^dieser unerreichten Lehre erhabenster Ethik und Toleranz/' zurückgeführt werde; er fordert Wahrmund auf, nicht Fälschern vom Schlage eines Eisenmenger und Rohling nachzusprechen, sondern für die behauptete Intoleranz, des Judenthums, worunter nicht Personen und Par-

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