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Der Israelit · 1902-04-10 · Heft 29 (10.4.1902) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 29 (10.4.1902)
Date
1902-04-10
Page
– (sequence 26)
Language
German
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treiben, mit vereinten Kräften all' das zu leisten, was der Einzelne oder die einzelnen Gemeinden nicht der- | mögen. Zweck dieser Zeilen ist es nun. auch in den anj deren Provinzen Preußens Männer anzuregen und zu erwärmen, die in ihrer Heimath dieses Ziel'zu verwirklichen suchen. Es würde nicht lange dauern, bis ein großer Bund sämmtlicher Gesetzestreuen Preußens tonstruirt wäre. Die Freie Vereinigung in Frankfurt wäre alsdann wohl die geeignetste Centralinstanz, die Einheitlichkeit, das System und die Arbeitsvertheilung zu kontroliren. ■ IV. Wie steht es mit der jüdischen Presse? Wir -brauchen nur einen Blick in die jüdischen Zeitungen zu werfen, um die traurige. Wahrnehmung zu machen, daß sich dieselben in der Hauptsache mit der Widerlegung antisemitischer Verdächtigungen befassen. Abgesehen davon, daß diese trostlose Tantalusarbeit sich nicht rentirt, werden werthvolle Kräfte unseren eigenen Angelegenheiten entzogen. Wir haben doch wahrlich andere, ernstere Missionen zu erfüllen, als unausgesetzt neidische und mißgünstige Anwürfe, zu widerlegen. Laßt uns doch endlich unsere Kräfte uns selbst weihen! Der Bau der Thauroh, der schon ernsteren Gegnern widerstanden, wird durch solche Feindseligkeiten wahrlich nicht erschüttert. Beherzigen wir doch Körners Wort im Zriny: „Was lümmert's den M o n d, wenn ihn der Hund anbellt?" Bedenken wir doch Mosche's Geheiß an Jisroel: oawnBB^ M oib mpt tivm. Tretet aus dem bisherigen Wirken heraus und bringet für Euch Opfer, es ist für Eure — Zukunft. Es wäre ein neues Ruhmesblatt für den „Israelit," wenn er fortab den Kampf gegen antisemitische „Behauptungen" den Blättern überließe, die selbstverständlich vornehmlich diesem Zwecke dienen, wenn er künftig in der Hauptsache für unsere eigenen Angelegenheiten, für die Consolidirung der gesetzestreuen Judenheit Deutschlands, für die .Besserung der -W derselben, mit jener Ausdauer und Unerschrockenheit'eiM'rrLe, die der unvergeßliche Begründer des „Israelit" uns mustergiltig vorgelegt und vorgezeichnet ho^ Wenn meine Anregung in etwaigen Sprechsaal- »der Leitartikeln besprochen und erwogen wird, dann glaube ich nicht umsonst die Frühlingsbotschaft vernommen zu haben, ♦o’enn »kt 22*7 ntn emm Zsrkmgsrsschrrchtsßr rms Sorreworzderrze«. C - Deutsch!and. . Berlin, im April. Die seit 90^ Jahren bereits bestehende „Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden"! im preußischen Staat hat ihren Jahresbericht für 1901 versendet. In dauernder Pflege und Unterstützunp^waren 65 Lehrlinge, die von vier Handnrerksmristern beaufsichtigt wurden. An drei Elektrotechnikern und einem Maschinenbauer wurden Stipendien zum Besuche höherer Fachschulen gewährt. Auch in der landwirthschaftlichen Schule zu Ahlem würden einige Zöglinge unterstützt. Der neuen Arbeiterkolonie in Weißensee wurde ein dreijähriger Zuschuß gewährt mit Rücksicht darauf, daß dort die Kolonisten auch im Handwerksberuf ausgebildet und beschäftigt werden. Zeitweise wurden sechs Lehrlinge unterstützt und sechs Gesuche sind noch in der Behandlung. Auch in diesem Jahre werden für hervorragende Leistungen und Führungen Prämien aus den zur Verfügung stehenden Stiftungen vertheilt werden. An Mitgliederbeiträge sind 4545 Mk., aus Zinsen 3898 Mk., aus Legaten und Geschenken 2310 Mk. eingegangen. Ausgegeben wurden für Lehrlinge 4157 Mk., für Schulzweüe 1532 Mk., für Darlehn an Meister 1900 Mk. Seit dem Bestehen der Gesellschaft hatte diese 1384 Lehrlinge und Stipendiaten. Dafür wurden ausgegeben an Unterstützungen 346,263 Mk., für Fach- und Religionsschulen 13,487 Mk., für höhere Schulen 14,461 Mk. Berlin, im April. In der Generalversammlung des „Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen" vom 16. v. Mts. wurden die ausscheidenden Mitglieder wiedergewählt . . * Der Verein kann auf eine außerordentliche Wirksamkeit zurückblicken. Er verfügt z. Z. über vierzig . Schwestern und zehn Schülerinnen, die theils in Krankenanstalten thätig sind, theils Privatpflege aus- Lben. Besonders erfreulich ist die große Zahl der Meldungen. von Schülerinnen, wodurch die freien Stellen auf Monate bereits vorgemerkt sind. Berlin, 6. April. Ein Nachspiel zur Konitzer Mordaffäre beschäftigte am 3. dss. Mts. das hiesige Schöffengericht. Es handelte sich um eine Privatklage des Lehrers Weiche! in Könitz und dessen Ehefrau gegen den Privatdetektiv Gustav George und den früheren Chefredakteur der „Berl. Morgenpost," Gottl. Meyer. George war während der Konitzer Ereignisse daselbst als Privat-Rechercheur thätig und hat die thatsächlichen Unterlagen zu einem Artikel gegeben, den die „Berl. Morgenpost" in ihrer Nr. 15 vom 18. Januar v. I. veröffentlichte. Darin wurde gegen den Lehrer Weichel der Verdacht ausgesprochen, daß er der Mordthat in Könitz nicht ganz fernstehe, und in längeren Ausführungen wurde die Begründetheit des Verdachts zu erweisen gesucht, der schließlich dahin geführt habe, daß sich Herr Weichel einer polizeilichen Haussuchung habe unterwerfen müssen. Der Artikel schilderte den Privatkläger als in schlechtem Rufe stehend und jähzornig, behauptete, daß er feine Frau so schlecht behandelt habe, daß sie von ihm getrennt lebe und die Scheidungsklage eingeleitet habe, daß er als Lazarethgehülfr während seiner Militärdienstzeit bei Secierungen immer ein auf- ' fallendes Interesse an den kunstgerechten Schnitten Le-

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