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Der Israelit · 1902-04-10 · Heft 29 (10.4.1902) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 29 (10.4.1902)
Date
1902-04-10
Page
– (sequence 28)
Language
German
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Wien, sondern nur die Lehre zu verstehen ist. Beweise zu erbringen, und führt dann Stellen aus der Bibel an. in welchen vorgeschrieben wird, die Fremden nicht zu bedrücken, ja nicht einmal zu kränken (Exodes 22, 20, Liviticus 19, .33, Numeri 16, 15). Alle an diesen Stellen erwähnten Fremden waren Heiden, nicht etwa Träger einer Kulturreligion, wie z. B. das Christenthum, das heute seine eigene Mutter, das Judenthum, mißhandelt. Die Juden hatten wirklich gleiches Recht für alle^ > . U n g a r n. Budapest, im April. (Unbegreiflichkeiten.) Die - hiesige israelitische Religionsgcmeinde be-. sitzt zahlreiche, großartige, mustergiltige Humanitätsinstitutionen, deren zwei zu einer Besprechung Anlgtz geben. Unter dem Präsidium Moriz Wahrmann's errichtete die Gemeinde durch Sammlungen bei ihren Mitgliedern das große jüdische Spital, eine wahre Musteranstalt. Ferner erbaute sie durch die wahrhaft fürstliche Munifizenz eines hochherzigen Menschenfreundes, des Magnatenhausmitgliedes Sigmund Brody, unter dem Präsidium Sigmund Kvhner'.s das ihr Eigenthum bildende Adele Brody-Kinderspital. das ein nach den Lehren der modernen Wissenschaft eingerichtetes Krankenhaus ersten Ranges ist. Dieses Kinderspital nimmt kranke Kinder ohne Unterschied der Konfession auf und kostet der Gemeinde 100,000 Kr. pro Jahr an Verpflegungsgebühren. Die Leitung des aus 10 Personen bestehenden ärztlichen Korps, sowie des ganzen Spitals liegt in den Händen des Chefarztes der Abtheilung für innere Krankheiten. Dr. Julius Groß, welcher auf dem Gebiete der Kinderkrankheiten sich einen geachteten Namen erworben hat. Nach dem Ausweise über das. Verwaltungsjahr 1900, das vierte des Bestandes des Spitals, verfügt letzteres über 117 Betten (deren Zahl auf 260 erhöht werden kann) und hatte im erwähnten Jahre 1135 kranke bettlägerige Kinder ausgenommen und 14,383 ambulatorisch behandelt. Unter den gratis behandelten Kindern waren die Hälfte und darüber christliche. Nun aber kommt das Unbegreifliche. Das Knabenwaisenhaus der hiesigen isr. Pester Religionsgemeinde hat sich ebenfalls ein Kinderspital in Kleinem eingerichtet und zu dessen Chefarzt, den jugendlichen Dr. Ernst Deutsch, bestellt, der, mit Glücksgütern reich gesegnet, seine Stelle als Ehrenamt verwaltet, das ihm allerdings keine, .besondere Mühewaltung auferlegen dürfte../, Denn,, wird ein Waisenknabe'wirklich krank, so kömmt er sofort in's Spital,natürlich in das „Adele. Brody-Spital?" ^Welche' ..naive,Vermuthung! Nein/ die. Waisenknaben , wrriä»,in. das städtische Stephanie-Kind'ersjiiial, geschickt. : Ha. möchten, wir uns doch "die Frage, gestattsy/ ^iyarum .dies geschieht? Bedenkt ^deyn die. verehrliA. .Verwaltung. des. zisr. benwarsenhauses nicht, daß es für dew gnte»; Ryf^deD, mit so großen Opfern aufrecht erhaltenen jüdischen Kinderspitals geradezu vernichtend sein muß, wenn die Waisenkinder der Gemeinde in ein fremdes Spital ge- - bracht werden, als ob das Spital der jüdischen Gemeinde nicht im Stande wäre, seine Aufgaben aus das Trefflichste zu erfüllen? ' Und dann das religiöse Moment. Warum müssen denn jüdische Kinder, die von der jüdischen Gemeinde erzogen und mit jüdischem Gelde erhalten werden, während ihrer Leidenszeit nicht-rituell zubereitete . Speisen genießen, wenn es möglich gemacht werden kann, ihnen im Adele Vrody-Spitale rituelle Kost zu bieten? > «* Die Budapester isr. Handwerkerlehrlinge sind nach dem Gesetze in die allgemeine Krankenkasse-einzuschreiben, welche letztere die Kranken in den öffentlichen Spi- . tälern unterzubringen hat. Der Budapester isr. Handwerkerverein sorgt aber, wenn einer seiner Zöglinge in's städtische' Krankenhaus kommt, dafür, daß demselben, auf Kosten des Vereins, durch den Vikur Cholim-Ver- . ein rituelle Speisen verabreicht werden. Das isr. Knabenwaisenhaus soll nur einmal seinen Chefarzt Dr. Deutsch ernstlich darüber befragen, und wir sind überzeugt, daß der junge Kinderarzt dem „Adele Brodh*- Kinderspital unbedingt das Wort reden wird. Warum auch in die Ferne schweifen, wenn das Gute gar so nahe liegt? D. H. Spitzer. Enqlanvs Land- und Scepolitlk und die Orientalische Frage ntbft Vorschlägen inbetreff der Meerenge» und Isthmen de» Mittelländischen und des RothenMeereS. von L. v. Amran. Berlin W. 33, Fußingers Buchhandlung (Preis 1 Mary. Alle europäischen Großtanten, nicht Deutschland allein, sahen sich in de» letzten Jahren, infolge ihrer kommerziellen, wirthschaftlichen und politischen Lage, nnmer mehr und mehr gezwungen. ihr Augenmerk Landern und Völkern znznwenden, die noch vor kurzer Zeit ihrem Gesichtskreis für immer entri'ukt schienen. Ncberall stützen sie. dabei auf das seegewattiae britische Reich, das sich nicht nur die Alleinherrschaft aus alleii Meereii fast schon gesichert hat, sondern auch die fruchtbarsten und komincrziell wichtigsten überseeischen Gebiete aller Zonen seinem riesigen Kolonialreiche tbeilS fcho,i einverleibt hat. tbeils noch anzugliede»n bestrebt ist. Da kann nichts zeitgemätzer u. nützlicher sein als eine klare u. unvoreingenommene Darlegung gerade dieser Verhältnisse, eine Darlegung, die vor Unterschätzung des Gegners ebenso warnt wie vor chauvinistischer Selbstberanchernng. Und sie gestaltet sich zu eineni sensationellen Ereigiiis. wenn sie der Feder ciw's Autors entfloß, der sich, auch wenn er anscheinend nur nnt einem noin <ie gnerre auf der Arena erscheint, schön aus Grund dieses SchriftchenS als einer der besten- Kenner, besonders des asiatischen Orients, erweist. Die klaren und bündigen Allseinandersetzungen des Versauers bezüglich der Losung der sotena»inten Orientalischen Frage, seine Vorschläge hinsichtlich einer keutralistrnng der ivichtigsteii maritimen Weltstraben und der Schaffung, von Neutralstaaten an den wichtigen Meerengen und Isthmen Und so ne,mrtig und originell, da« sie schon aus diesem Grunde das Jutereffe iilcht nur der Staatsmänner und Politiker, sondern auch das Auge,»merk militärischer und maritimer Kreise in, höchsten Grade zu fesseln berufen sind. u. g. weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Und was der Verfasser, immer aus dein Dollen schöpfend, über die Jndenfrage »nd den Zionismus beibrmgt. »st er,t recht geeignet, nicht nur Licht zu verbreiten über diese Dmge. sondern, was mehr sagen will, diese schwerwiegende Frage durch vernumtige Einglieder,mg derselben in das Räderwerk der gesammten internationalen Wcltpolitik auch auf durchaus realem Boden ihrer Lömng. cntgege,uuführen. Kein Leser also, der nur irgendwie Antheil. nimmt an den Frage,,. die die Zeit bewegen., wird das kleine Buchlen, unbefriedigt zur <seite legen. Er wlid vielmehr gerne anerkennen, datz ihm die unscheinbare,! Blätter --erne geradezu verschwenderische Fülle von Anregungen boten.

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