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Der Israelit · 1902-04-10 · Heft 29 (10.4.1902) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 29 (10.4.1902)
Date
1902-04-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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647 treffen, halten wir für sehr richtig und ihre Durchf ührun g f ü r nothwendig; aber ein Ober- Konsistorium, nein! ZeiLungsnachrichLerr und Corresponvenzen. Deutschland. Worms, im April. Der Rechenschaftsbericht des „Isr. Holzvereins und des Vereins zur Ausstattung isr. Mädchen" zu Homburg v. d. Höhe liegt vor mir. Ehe ich nur einen Blick in denselben werfe, überkommt mich ein wehmüthiges Gefühl, wenn ich daran denke, daß der Mann, welcher mit diesen Vereinen innig verwachsen war, dieselben poetisch verklärte, nicht mehr unter den Lebenden ist. Und wie mir, so gehts auch den jetzigen Leitern dieser Vereine, denn sie beginnen ihre Berichterstattung mit folgenden ergreifenden und doch tröstenden Morten: „Ein Jahr ist vorüber, seit unser unvergeßlicher Louis Lehmann von der Stätte seiner segensvollen Wirksamkeit abberufen wurde. Wohl manchem drängte sich damals die Besorgniß auf: „Was 'wird aus den Vereinen werden, wenn des Meisters liebevolle Hand sie nicht mehr leitet?" Nun Gottlob!, noch dürfen wir mit Genugthuung sagen: „Keine dieser Befürchtungen ist zugetroffen! Kein Mitglied, außer denen, die leider des Todes rauhe Hand entführt, fehlt in unseren Reihen. Nicht spärlicher als ehedem flössen die Gaben." Die Ideale, die der Verstorbene jahrzehntelang gepflegt, sie. leben fort in unserer Mitte, ihm zum ehrenden Gedächtniß — „ein Segensborn für die Bedürftigen." Darin zeigt sich eben das edle Wirken eines Mannes am besten, daß, wenn er auch nicht mehr unter den Lebenden weilt, fein Geist sein bisheriges Wirken umschwebt, es leitet und auch nach dem Tode noch sein Gepräge aufdrückt. Der Holzverein hat an Einheimische und Auswärtige 655 Ztr. Kohlen und 5 Klafter Brennholz vertheilt; der Mädchenausstattungsverein hat bei Stiftung einer Ehe finanziell eingegriffen und gewährt einem Mädchen die Mittel zum Besuche der Frankfurter Handelsschule. Der Holzverein zählt 77 Mitglieder; sein Vermögen betragt Mk. 11654.14 Der Verein zur Ausstattung isr. Mädchen zählt 97 Mitglieder; das Vermögen beträgt Mk. 23,025.04.. Rothschild. . Oesterreich. Wien, 9. April. (Koche mit Blut!) Einer von den bekannten „Ritualmorden," die sich bisher bescheidenerweise blos in den österreichischen Provinzen abgespielt, ist dieser Tage auch in der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien zur Anzeige gebracht worden. Allein dieser Fall erstickte an seiner Lacherv lichkeit. Zwei Dienstmädchen hatten ihre' jüdischen Dienstgeber beschuldigt, ihnen zu nächtlicher Zeit „Blut entzogen" zu haben, und die Unwahrheit dieser Behaup- ' tung stellte sich von allem Anfang an so eklatant heraus^ daß die Wiener „christlich-soziale" Presse beim besten Willen nicht im Stande war, aus diesem Fall etwas zu „machen". Nunmehr theilt die „Neue Freie Presse" . folgendes amüsante Detail aus der Untersuchung mit: „Bei einem der Verhöre würden die Dienstmäd- ' chen gefragt, ob sie daran glauben, daß die Juden Christenblut zu rituellen Zwecken brauchen?, worauf;' Beide erwiderten, daß sie davon überzeugt seien. Auf die Frage, ob sie Derartiges von ihren Dienstgebern annehmen konnten, von denen sie doch gut behandelt worden seien, erwiederte die Jedlicka, daß im Hause der Fa- -7. milie Kraus die Suppe oft mit. Blut.gekocht .worden'' und daß das Blut in einer Flasche enthalten sei, die? ihren bestimmten Platz in der Credenz habe. Diese'; Angabe machte stutzen; man mußte feststellen, was das-' Mädchen damit meine. Ein Beamter und ein Detektive wurden mit der Jedlicka in die'Wohnung des Ehepaares Kraus entsendet, und dem Herrn und der Frau Kraus wurde mitgetheilt, es handle sich um eine Erhebung an' Ort und Stelle bezüglich einer Aussage der Magd. ' Die - Jedlicka ging sofort zu der Credenz und entnahm dem .'. Innern derselben mit sicherem Griff eine, braune Flasche, ' von der sie erklärte, daß. sie Blut enthalte. Diese Flasche wurde dann zu Amte gebracht, auf den Gerichts-' ' tisch gestellt, und es wurde protokollarisch konstatirt, daß diese Flasche „Maggi's Fleischextrakt" enthalte."' Wien, im April. Die Zeit des Peßachfestes naht' heran und mit ihr fast seit zwei Jahrtausenden immer ' auch-die Vlutlüge. Daß es noch immer Leute . gibt, die daran glauben, oder besser gesagt, glauben ' machen wollen, zeigt folgende Begebenheit: Am Freitag, den 4. April, erstatteten zwei, bei einem gewissen Leop. Kraus bedienstete Mädchen die polizeiliche Anzeige, ihnen sei in der Nacht vom 30. aus den 31. März (lange genug haben sie sich's überlegt) .-, Blut abgezapft worden. Die sofort eingeleitete polizeiliche Untersuchung ergab, daß eines der Mädchen eine leichte, augenscheinlich mit großer Vorsicht am Oberarm : beigebrachte Hautabschürfung aufwies. Zu welcher -. Zeit und auf welche Weise ihr die Verletzung beigebracht wurde, vermag das Mädchen nicht anzugeben,, da sie angeblich zur kritischen Zeit im tiefsten Schlafe lag... Ihre Gefährtin wies nicht die geringste Verletzung aus.' Natürlich wurde gegen die beiden Mädchen sofort, die . straf gerichtliche Untersuchung wegen „Aufreizung zu. Feindseligkeiten gegen Religionsgenossenschaften" ringeleitet. — . .': •, .. V Diesen fetten Bissen kann sich doch nicht das Leib?' organ der Antisemiten entgehen lassen. Es. werden die Juden auf's schmählichste angegriffen und versichert,.

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