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Der Israelit · 1902-04-10 · Heft 29 (10.4.1902) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 29 (10.4.1902)
Date
1902-04-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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wiederkommenden Festtage der großen jüdischen Vergangenheit erinnerten, sind für unsere herangewachsene Jugend Tempi passati. Kaum kennt man noch die Bedeutung der Festtage und es ist auch Niemand hier, der diesem Uebel abhelfen wollte. Der Jndifferentismüs hat sich eingewurzelt seit bald vierzig Jahren und ein Jeder gefällt sich in der Rolle der Unthätigkeit auf religiösem Gebiete. Es scheint, als ob dieselbe von oben herab gewünscht würde, und wird der Plebs in Unwissenheit gelassen über alle religiösen und Geraeindeangelegenheiten, und die Herren Offiziere dürfen sich dann ungestraft der ungeheuren Arbeitslast rühmen, die auf ihren Schultern lastet und über die Trägheit des Gemeinen klagen. Ganz ohne gemeinsame Feier vergeht jedoch dcs jüdische Jahr nicht, denn jedes Jahr , veranstaltet die Gemeinde einen Wohlthätigkeitsball in; schönsten Saale der Stadt, an dem die Mitglieder sich nach Rangordnung aruppiren und an dem die Langeweile die Ehrenstelle einnimmt und die Einbildung und der Stolz den Kühlapparat für den Abend bilden. Doch kommen wir zu unserer Purimfeier zurück. Seit einigen Jahren ist die nichteinheimische jüdische Bevölkerung stetig gewachsen. Dieselbe besteht meist aus Ankömmlingen der Balkanländer. Mit dem einheimischen Element besteht fast keine Gemeinschaft. Niemand bekümmert sich um diese Leute, welche oft brodlos kommen und sich trotzdem nach einiger Zeit eine kleine Stellung erringend" Aber der Mensch" lebt nicht - von Vrod allein, am wenigsten der lernbegierige Jude. So schufen sich diese — sagen wir fremden Elemente — ein geistigen Mittelpunkt in dem Cercle israelite, Grand. Rue 26. In diesem Vereinslokal wird billige koschere Kost verabreicht und auch an hohen Feiertagen Minjan veranstaltet.. Der Verein erhält sich seit zwei Jahren selbst ohne irgend welche Hülfe von außen und mit Aufbringung verhältnißmäßig großer Opfer seitens der Mitglieder. Wenn "es auch leider nicht der religiöse Eifer ist, der diese Mitglieder zusammenhält, so ist es doch ein gewisses Gefühl der Zusammengehörigkeit, und seitdem das Losungswort unter den Juden in Osteuropa: „Zion" ist, segelt auch unser „Cercle israelite" unter zionistischt-r Fahne. Wenn man dem Zionismus auch keinen anderen Erfolg nachrühmen könnte, so ist es doch nicht zu unterschätzen, daß unter seinem Wappen sich Vereinigungen auf der ganzen Erdoberfläche bilden, welche jüdische Fragen auf die Tagesordnung bringen und behandeln. Dieser Verein veranstaltete.hier vor einigen Tagen einen. Purimabend, welcher in jeder Beziehung als gelungen bezeichnet werden kann.- Jnl'/.- stündiger feuriger Rede schilderte vorerst Herr Dr. Rabbiner das Elend der rumänischen und russischen Juden, welche heute noch Opfer der Verfolgungslvuth der Regierungen sind und' am Morgen-oft nicht wissen, .wo sie am Abend ihr Haupt hinlegen sollem Er hob die Unsicherheit in diesen Landern hervor, im Gegensatz zu der relativen Ruhe, deren die Juden in den westlichen Staaten genießen. Er begreift deßhalb die Gleichgiltigkeit dieser Glaubensgenossen gegenüber der zionistischen Bewegung, ohne sie jedoch zu entschuldigen. V Es lag in den Worten und im Ausdruck des Redners eine gewisse Bitterkeit, welche noch gereizter sein mochte durch eine schreiende Ungerechtigkeit, die dem Redner bekannt war, und dir ein drastisches Bild auf, das Unterstützungswesen der Gemeinde Genf zu werfen im Stande ist. Ein würdiger und der Pflege bedürftiger Mann ersucht die kompetente Behörde um ein Darlehen. Dasselbe wurde abschlägig beschieden. Ein anderer junger Mann, zum Studium absolut unfähig, erhält seit Jahren' reichhaltig Pension. Er verdankt dies vielleicht dem Umstande, daß er am Samstag mit der Zigarre im Munde den Spitzen der Gemeinde zu imponiren versteht. .. Die Rede des Herrn Dr. Rabbiner hatte großen Erfolg bei der zahlreichen Zuhörerschaft und erfährt ihr wahrscheinlich die Ehre der Drucklegung. Literarische Notiz. Zur Kunstgeschichte deS Auslands. Heft 8. „Die Baugeschichte des Jüdischen Heiligthums und der Tempel Salomöns." Von Dr. Jakob Prestel, Architekt.' Straßburg. I. H. W. Heitz (Heitz L Mündel) 1902. -T'.•>** .f»;.. Die Beschreibung des Stiftszeltes' und des Salomonischen Tempels und ihrer inneren Ausschmückung und Einrichtung wird zwar in den heil. Schriften ausführlich gegeben, dessenungeachtet ist es . nicht leicht, sich ein richtiges Bild dieser hehren Kunstbauten und ihres Schmuckes zu Machen: Und doch ist die Sehnsucht, mit eigenen Augen die einstige Herrlichkeit zu schauen, so lebhaft in uns Allen vorhanden. Vorliegendes Werk des Architekten Dr. Presiel aus Mainz versucht es, den herrlichen Bau vor unseren Augen erstehen zu lassen. Er schildert die große Kunst und die Pracht des heiligen Tempels, . belehrt uns über die in demselben angewendete spezielle jüdische Kunst, die sich besonders als Kleinkunst enveist in der inneren Ausschmückung, an den kunstvollen, farbenprächtigen Stickereien und Webereien, an den Juwelierarbeiten, an der eigenartigen Dekorationsweise und Ornamentik, der Metallinkrustation und Goldumkleidung etc. Die beigegebenen kunstvoll ausgeführtrn Pläne und Zeichnungen bieten ein ansehnliches. Bildi des heiligen Tempels und des Stiftszeltes nach -der Vorstellung des Verfassers: } \ ..r. "7."' Dieses Heft st eine Zierde für jede Bibliothek: 2>er Preis,. Mk. 4.60, ist ein röcht bescheidener. ... <gy:

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