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Der Israelit · 1902-04-10 · Heft 29 (10.4.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 29 (10.4.1902)
Date
1902-04-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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des deutschen Reiches hier angesiedelt. Die junge Gemeinde besteht vorwiegend aus Kaufleuten, einigen Beamten und einem Handwerker; Viehhandel und Metzgereien sind nicht vertreten. (Sächsische Grenze!) Als Kuriosum verdient mitgetheilt zu werden, daß Hof den zweifelhaften Vorzug hat, die einzige bayerische Stadt zu sein, die in ihrem Schlachthause nicht schachten läßt. Die nächste Sorge der neuen Gemeinde bildet die Beschaffung einer weiteren Sefer Thora. Dank dem unermüdlichen Eifer einer hiesigen braven Frau werden wir auch bald ein Mikwe besitzen. H. Würzburg, 8. April. Mit der Einführung der Schußmaske in Bayern beim Tödten des Viehes in dem hiesigen Schlachthofe war der hiesige Magistrat bahnbrechend. Der hiesige Thierschutzverein, von dem die erste Anregung zur Einführung ausging, richtete diesbezüglich ein Dankschreiben an den Stadtmagistrat, fügte aber gleichzeitig die Bitte hinzu, den Mißstand des Schächtens abzuschaffen, eines Verfahrens, das den Prinzipien des Thierschutzvereins zuwiderlaufe. Man solle wenigstens das Schächten soweit einschränken, daß man nur den jüdischen Metzgern das Schächten gestatte. Der Magistrat lehnte nach Vortrag und Antrag des Referenten Herrn.Rechtsrath Körbel, nach Einholung eines Gutachtens des Rabbiners und Einsetzung fachmännischer Gutachten (u. A. des Nürnberger Polizeithierarztes) das Petitum des Thierschutzvereins ab. Rechtsrath Körbel motivirte die Ablehnung mit rechtlichen und rituellen Bedenken, die einem Verbot entgegen seien. Es existire auch thatsächlich in keiner bayerischen Stadt weder ein partielles, noch ein allgemeines Schächtverbot. Fachmännische Urtheile gingen auch dahin, daß das Schächten, keine Thierquälerei sei, es müssen nur gewisse Maßnahmen bei der Vorbereitung des Schächtens beobachtet werden. Nach dieser Richtung hin werden die Vorschriften im hiesigen Schlachthof etwas ergänzt werden— O e st e r r e i ch. Wien, 8. April. Herr Dr. Herzl ist bekanntlich Mitbesitzer der „Neuen Freien Presse." Während er nun auf Zionistenversammlungen und in zionistischen Blättern mit so viel Stolz und Selbstbewusstsein wie nur. möglich sein Judenthum hervorhebt, ist der Ton in seinem „Weltblatt" ein anderer, als im Blatte „Die Welt." Das „Jüd. Volksblatt" schreibt darüber: „Mannigfaches Kopfschütteln erregte in allen selbstbewußten Kreisen eine der vorwöchentlichen Nummern der „N. F. Pr." — allerdings nicht zum erstenmale. Da war ^ein Aufsatz über die erste Toynbeehalle in Wien, die in ziemlich schwülstiger Weise von „Paupers" in der Brigittenau erzählt, denen „vaterländische" Künstler Vorspielen und Vorsingen; wer würde es ahnen, daß unter dieser Verkleidung die jüdische Toynbeehalle besprochen wird, in der zur Unterhaltung jüdischer Proletarier jüdische Künstler auftreten. Ja,, dieses Spiel ist charakteristisch für den Geist dieses Blattes, das,all-, gemein als Bibel der jüdischen Bourgeoisie, gilt. Die. , „N. F. P." findet es reactiünär, vielleicht sogar taktlos, von Juden und jüdischen Instituten zu sprechen; sorg-, sam wird ein Schleier über alles Jüdische geworfen; die „Chewra Kadischa" erscheint als „Verein für fromme und wohlthätige Werke," bei den unterschiedlichen, Frauenwohlthätigkeitsvereinen wird das „israelitisch" im Namen sorgfältig ausgemerzt. Diese Unsitte trägt ihre bösen Früchte. Jahrelang werden diese unjüdischen „Beschneidungen" geübt, bis schließlich die verehrten Vereinsfunktionäre, die ihre „Bildung" aus den Spalten des Weltblattes saugen, selbst diese Titel als etwas - Anstößiges betrachten. Das verschämte „israelitisch" wird immer mehr abgekürzt, schließlich erscheinen nur einige räthselhafte Hieroglyphen, wie „isr." oder „is.", „i." im Namen dieser löblichen Vereine, bis endlich dieser., konfessionelle Bezeichnung ganz verschwindet. Wenn diese braven Musikanten unter sich sind, so antworten.. sie auf diesbezügilche Jnterpellaüonen: „man weiß ja > eh, daß wir mosaisch sind, wozu noch böses Blut - machen ...." und mit ähnlichen tiefsinnigen Sentenzen. O. über diese Armen im Geiste; die nicht begreifen, daß <- ein Arier für solche Knechtesseelen nichts als Verachtung: übrig haben kann. Aber diese ehrenwerthen Herren; lügen oft, denn sie sind nicht einmal mehr ganz „mosaisch." Wir fragen! „Hat ein Mann das Recht, im Vorstande eines jüdischen Vereins zu sitzen,, wenn ein Sohn nach dem anderen Kraft des ..israelitischen" Geistes, den er im Elternhause athmet, sich taufen läßt? : Und solche Musterisraeliten laufen in Wien zu Dützen-r den herum! Wir rufen diesen Herren zu: Ihr möget - sonst so ehrenwerth sein^ wie Ihr wollt; Ihr habt aber. das Recht verwirkt, an der Spitze jüdischer Vereine zu stehen. — Unwillkürlich müssen wir in den Ton der liberalen Presse verfallen — so ungerne wir es thun — die stets die Provinz gegen Wien ausspielt. Lasen wir doch jüngst den Bericht über eine Versammlung deS - Frauenwohlthätigkeitsvereins in Olmüh. Dort stellte' ein wackerer Jude den Antrag, daß der Verein den Na-. men. „jüdisch" in seinen Titel aufnehmen solle, den er bisher nicht führte, und dieser Antrag wurde mit Acclamation angenommen. Fürwahr, der Wiener Boden ist sehr steinig und stellenweise auch sumpfig; es bedarf eines Herkules, um diesen Augiasstall zu reinigen/ S 'ch w e.i z. Gens, im April. Der Seltenheit wegen gestatten Sie mir von einer Purimfeier in Genf zu sprechen. Dieses kleine Fest feierte nicht etwa die hiesige jüdische Gemeinde, denn bei Groß und Klein dieser Gemeinde gehen unsere frohen und heiligen Festtage vorbei, wie etwa die Ringmarionetten an den kleinen Carousselreitern; die Zeiten, wo sich früher unsere Väter bei jedem-

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