Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 28 (7.4.1902)
- Date
- 1902-04-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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V Abgeordneter Mannheimer aus Mülhausen erklärte,. daß man im Ober-Elsaß gegen eine Centralisation der israelitischen Konsistorien gestimmt sei. Unterstaatssekretär Dr. Petri verspricht sich auch von einer Centralisirung der drei reichsländischen israelitischen Konsistorien große Vortheile; früher unterstanden die einzelnen Konsistorien dem Oberlonsistorium in Paris, seit 1870 sind sie selbstständig. Die Regierung könne aber mit einer Centralisirung der drei reichsländischen israelitischen Konsistorien nicht Vorgehen, so lange nicht aus der israelitischen Bevölkerung heraus eine größere Mehrheit Vorschläge mache. Nachdem nun Dr. Gumpert und der Staatssekretär Dr. Petri ihre Ansichten zu der Petition kund ge- ' -geben, und Mannheimer, welcher sich ausnahmsweise von seinem Manuskripte emanzipirt und frei gesprochen hat, daß im Oberelsaß das Bedürfniß eines Central- Konsistoriums nicht vorhanden sei, wurde diese Petition in Begleitung noch anderer Petitionen der Regierung als „Material" überwiesen. Strastbrrrg, 27. März. Am 26. dss. Mts. fand hier die feierliche Einweihung des neuen israelitischen Waisenhauses statt. Sämmtliche Behörden und israelitischen Vereine waren zu diesem Feste eingeladen; es erschienen unter anderen: derkaiserl. Statthalter Freiherr . von Liebenstein, dessen Rath, Staatssekretär von Koller, Unterstaatssekretär Dr. Petri, Bürgermeister Vach, Polizeipräsident Dall, Regierungsrath Wolf etc. Mit dem neuen Hause ist den Waisenkindern ein würdiges Heim geschaffen; das Waisenhaus selbst wurde 1862 auf Anregung des Oberrabbiners Arnold Aron gegründet, und befand sich bis jetzt im Gebäude des Alterversorgungshaüses „Hospice Elisa" (eine Gründung . der Familie Ratibonne). Die Anstalt hatte das Glück, auf eine Obligation der Stadt Paris 200,000 Frs. zu gewinnen; ferner wurde derselben vor kurzer Zeit vom Gatten der frühe- - ren Präsidentin, Herrn Alphonse Dreyfuß aus Paris, ein großes Anwesen in Straßburg zum eigenen Heim vermacht. Diese Gebäulichkeiten waren aber nicht zweckentsprechend, da es für die Kinder an genügend Luft und Licht mangelte. So. sah sich die Verwaltung veranlaßt, im neuen Stadttheile in einer gesunden Gegend ein schönes Ge- '. Läude zu errichten, an dem sich ein großer, wohlgepflegter Garten anschließt. Besonders verdient bei dem ganzen Anlaß machte . sich der. Aufsichtsrath, bestehend aus den Herren: Dr. Levy, Präsident des Konsistoriums, Se. Ehrw. OberrabbinerUhry, Roos, Benjamin Levy und Jdon Levy, oütt^sowie'd-äs: Damenkomitee und.dessen-Präsidenttn, Frau Maphtali WeiW^welchesn'fLit Gründung.' der! Anstal - - im Komitee ist. Das Gebäude wurde errichtet nach den 'Plänen d«L Architekten Nadler und ist mit allem Komfort der Neuzeit eingerichtet. Die Einweihung wurde «84 durch einen Chorgesang vom Jungfrauenverem „IeS Obeilles" eingeleitet; Oberkantor Heymann, würdig wie immer, fand durch seine herrliche Leistung besondere Anerkennung vor Sr. Durchlaucht dem Statthalter. Herr Oberrabbiner Uhry hielt eine sehr ergreifende Weiherede, in welcher er die große Mizwoh der Fürsorge ' für Waisenkinder erklärte und hervorhob, daß diese Fürsorge eng mit dem Leben des isr. Volkes verschlungen sei. Herr Dr. Levy, als Präsident des Aufsichtsrathes, gab einen kurzen Ueberblick über das Wirken der Anstalt seit ihrer Gründung. Einige vom Damenchor vorgetragene Psalmen -schloffen diese erhebende Feier würdig ab. Möge den Waisenkindern in ihrem neuen Heime ein glückliches, behagliches'^Leben erblühen und auch aus demselben, ebenso wie früher, tüchtige Menschen und religiöse Juden hervorgehen. AuS Lothringen, 3. April. In Nummer 24 Ihres geschätzten Blattes bringen Sie eine Mittheilung, daß demnächst in Straßburg eine Rabbinerversammlung tagen wird. Die auf der Tagesordnung stehenden Punkte beziehen sich hauptsächlich auf die persönlichen. Interessen der Rabbiner. So erfreulich es scheint, daß die Geistlichkeit um ihre Zukunft bekümmert ist, so wäre es doch vor allen Dingen dringlichere Aufgabe dieser Versammlung, sich um die Förderung und Pflege der Religion in den Reichslanden verdient zu machen, auf daß unserer Thora wieder der Platz eingeräumt werde, den sie früher daselbst behauptete. Erste Bedingung hier- , für wäre, daß schon in absehbarer Zeit in den Gemeinden nur solche Vorstände bestätigt würden, die religiösen Lebenswandel führen, die Herz und Sinn für unsere Emünoh haben. Ferner gibt es noch viele Schäden, die beseitigt werden müssen und dringende Hilfe thut Noth, um den letzten Funken zu retten. Unter den schon seit Jahren bestehenden Verhältnisscii kann und darf es nicht mehr weiter gehen. Ich ersuche den Verband, die Versammlung öffentlich tagen zu lassen, damit den reichsländischen Juden Gelegenheit geboten ist, ihre Erfahrungen in jüdischen Angelegenheiten vorzubringen, ihre Wünsche und event. Abänderungen zu Hörens Es soll denselben gestattet sein, mitzufprechen und mitzuberathen. Sollte die Öffentlichkeit stattfinden, was ich nur als etwas Selbstverständliches ansehe, dann wolle man dies dem „Israelit" bekannt machen. Nicht aber, daß man Schranken ziehe und nur die Gemeindevorsteher dazu berufe; es soll Jedem gestattet sein, sich einzufinden. Ich nehme an, daß auch unsere orthodoxen Rabbinen der Versammlung beiwohnen und sich der hochwichttgen religiösen Angelegenheit auf's Eifrigste annehmen. ES wäre mir sehr erwünscht, wenn einer dieser-Herren sich mit mir in Verbindung setzen würde, damit ich demselben Erfahrungen und Erlebnisse mittheile,? die ' er in Straßburg verwerthen kann.? r. . . - -