Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 27 (3.4.1902)
- Date
- 1902-04-03
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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dem alle ihre Bestimmungen von der freien Annahme abseiten der Gemeinden abhängig machten.* - ■ Eingehender sind diese Verhältnisse, wie solche nach den Bestimmungen unserer religiösen Codices sich gestalten, in einer Abhandlung desselben Verfassers über die „Grundzüge der Organisation und Aufgabe eines jüdisch-religiösen Gemeinwesens" dargelegt, : welche er im Jahre 1854 in seiner vorerwähnten Zeitschrift veröffentlichte. Es sei aus dieser Abhandlung hier Nachstehendes'auszugsweise mitgetheilt: „Wollen wir uns ein Urtheil über die gegenwärtigen Zustände irgend einer jüdischen Religionsgemeindebilden, so müssen wir uns den außer derselben und über derselben stehenden Maßstab suchen, müssen uns fragen, was ist denn Wesen und Aufgabe einer jüdischen Religionsgemeinde überhaupt, auf welchen Prinzipien beruht ihre Organisation, nach welchen Grundsätzen hat sie innerhalb derselben die Lösung ihrer Aufgabe anzustreben. Erst nachdem wir diesen Maßstab gefunden, können wir daran die Thatsachen der Vergangenheit prüfen, die Zustände der Gegenwart würdigen, und sodann die Beantwortung der Frage versuchen, welche Aufgabe setzen diese Zustände der Gegenwart einem Heil erzielenden Streben für die Zukunft. Es ist aber das jüdisch-religiöse Gemeinwesen kein Gedankending von heute und gestern, das erst seine beliebige Gestaltung und demnächstige Berechtigung für die wirkliche Existenz zu erringen hatte. Die jüd. Gemeinden sind vielleicht die ältesten Kommunalwesen der Welt, ihre Existenz zählt nach Jahrtausenden. Sie haben eine Aufgabe, die klar und entschieden vorgezeichnet ünd eine solche ist, die nicht erst aus der Gemeinde hervorgegangen, sondern der vielmehr die Gemeinde selbst ihre Existenz überhaupt verdankt. Sie haben Fundamental-Statuten, innerhalb deren freilich grundsätzlich freie Bewegung gestattet ist, die aber naturgemäß jeden gegen sie verstoßenden Akt als nichtig und keineswegs zu Recht bestehend erkennen. Die' Aufgabe einer jeden einzelnen Gemeinde ist aber keine andere, als die Aufgabe.der großen jüdischen Gesammtheit im Allgemeinen.. Wie diese als ewiger . Träger der jüdischen Gotteslehre dieselbe nach schriftlicher und mündlicher Offenbarung unverbrüchlich zu erfüllen hat, so hat jede einzelne jüdische Gemeinde dasselbe Ziel In ihrem kleinen, örtlich beschränkten Kreise gemeinsam'zu verwirklichen. Wo Juden in einem Ort zusammen ivohnen, gleichgiltig wie viele, Haben sie sich zur tatsächlichen Erfüllung ihrer gemeinsamen Goties- KhreM vereinigen'und aus Gesammtmitteln diejenigen Ansthltm.Ms Lehen zu'rufen und zu erhalten, die eben ^Ä^d.E4D^ugt^Hder M.dochbon jedem Einzel- ^hDustetkn. niHt möglich wäre, oder nicht . -VöWmm'en 'und. ziveämäßiggeschehen' könnte, und xoer'Jude'iff nach eben dieser Mligionslehre verpflichtet. nach Kraft und Vermögen an Geld und That Alles; beizutragen und zu leisten, was diese örtliche Gesammtpflicht heischt. .(Schluß folgt.) gettrmgsrrachrrHLen rmd Eorresporrderrzerr. Deutschland. Berlin, 24 März. Im noch nicht vollendeten sechzigsten Lebensjahre ist Herr Rabbiner Dr. Benjamin Friedmann, Prediger und Schuldirigent der ver- ' einigten Schochare hatowünd B'ne Brith-Gemernde, am Dienstag, 11. d. Mts., seinen langen, mit bewundernswerther Gottergebenbeit getragenen Leiden er- . legen. In Csaba (Ungarn) am 7. September 1842 geboren, begann der früh verwaiste Knabe seine Thorastudien bei dem Rabbiner der Vaterstadt und setzte dieselben in den Jeschiwoth zu Gyöngyös, Szerdahely und Preßburg mit so großem Erfolge fort, daß er bereits als Zwanzigjähriger von dem Beth Din in Altofen und von dem gefeierten R. Juda Aszod s. A. mit der Rabbinats-Autorisation ausgezeichnet wurde. Daneben hatte er mit Eifer auch den profanen Studien sich gewidmet, welche ihn befähigten, die Universität Wien und dann im Jahre 1863 in Berlin zu beziehen, wo Dr. Michael Sachs s. A. ihn in sein Haus zog und seiner ganz besonderen Zugeneigtheit würdigte. Nach Absolvierung des akademischen Trienniums wurde er in Rostok auf Grund einer philosophischen Dissertation zum Doktor promovirt. Im Jahre 1863 sowohl in Beuthen als in Szentes zum Rabbiner gewählt, entschied er sich für letztere Gemeinde, und hier führte er ein Jahr darauf die Gattin heim, welche sich ihm bis an sein Lebensende als gleichgestimmte. Gefährtin bewährt hat. Im Jahre 1880 folgte er einem Rufe nach Triesch (Mähren), i. 1.1884 als Nachfolger des R. E.lia Gutimacher s. A. nach Grätz. Nach fünfzehnjähriger Wirksamkeit. daselbst übersiedelte er hierher, wo er seitdem sich dem bereits genannten Amte mit der ihm eigenen Hingebung und Gewissenhaftigkeit widmete, bis ihn ein schweres Leiden niederwarf, dem er nunmehr erlegen ist. Am darauffolgenden Freitag Vormittag wurde der verdienstvolle Mann, der mit umfassender talmudiicher Gelehrsamkeit tiefinnige Religionstreue, edle Selbstlosigkeit des Charakters und schaffensfreudigen Hufs« eifer verband, auf dem Friedhofe der Israelitischen Synagogengemeinde Adaß Jisroel unter großer Betheiligung zu Grabe geleitet. An der Bahre widmeten Herr Dr. Meier Hildesheimer und der Schwiegersohn, Herr Dr. Ed. Baueth, dem Heimgegangenen ergreifende Worte des Nachrufes.. .' : Königsberg i. Pr., 26. Marz. Am 13. Marz fand hierfelbst eine Sitzung des „Vereins jüdischer Lehrer und Lehrerinnen" statt. Die Versammlung erledigte zu-