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Der Israelit · 1902-04-03 · Heft 27 (3.4.1902) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 27 (3.4.1902)
Date
1902-04-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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denen der hohe Prozentsatz von 4428 Juden gegenüberfWji/*. Ganz abgesehen davon, daß die absolute Zahl eben lein Prozentsatz ist, wird für die Behauptung, daß der Antheil der Juden relativ hoch sei, auch nicht die Spur eines Beweises erbracht. Schon dieser Mangel macht die Behauptung verdächtig. Wie aber liegen die Verhältnisse in Wirllichkeit? Soweit für die Konfessionsgliederung im ganzen Reiche Angaben des Kaiserlich Statistischen Amtes vorliegen — und dies ist für die Volkszählung von 1890 der Fall — sind von je IM Personen: evangelisch 62,771, katholisch 3^/759, jüdisch 1149; der Rest von 0,321 entfäW auf sonstige Christen und Personen anderer und unbekannter Religion. Berechnet man hiernach die Konfessionsvertheilung für das Volkszahlungsergebnitz des Jahres 1900: welches an das in Rede stehende Jahr der Kriminalstatistik unmittelbar anschließt, und reduziert man weiter auf die Ergebnisse dieser Rechnung die Zahlen der verurtheilten Evangelischen, Katholiken und Juden, so erhält man folgende Ziffern: Der Antheil der Verurtheilten betragt bei den Evangelischen 0,77. bei den Katholiken 0,97, bei den Juden 0,68, bei der Gesamintbevölkerung 0,85 Prozent. Der Antheil der Juden ist demnach erheblich geringer, als im großen Durchschnitt der Bevölkerung, noch kleiner gegenüber den Katholiken und erreicht auch nicht einmal vollständig den Antheil der Evangelischen. Auf den geringen Unterschied gegenüber dem Letzteren braucht keinerlei Gewicht gelegt zu werden, da leicht auf Abweichungen der Rubrizierung der „sonstigen" Christen bei der Bearbeitung der Volkszählung und der Kriminalität beruhen könnte. ' Dagegen tritt der Unterschied zu Gunsten der Juden im Uebrigen umsomehr hervor. Wie man angesichts dieses Sachverhalts von dem hohen. Prozentsatz der verurtheilten Juden sprechen kann, bleibt das Geheimniß eines Blattes, dessen Frömmigkeit ihm die haltlosesten Verdächtigungen gestattet, wenn sie nur Wasser für die antisemitischen Mühlen abgeben. Mechernirk», bei Euskirchen, 30. März. Selten hat die hiesige Gemeinde in ihrer schönen Synagoge sich so zahlreich vereint gesehen, wie heute Nachmittag. Alt und Jung, Herren und Damen, waren fast vollzählig erschienen, um Zeuge einer erhebenden Feier zu fein. Galt es doch diesmal zu bekunden, daß in religiösen Angelegenheiten hier Alle e i n Band umschließt, das Band der Liebe zur angestammten heiligen Religion. . Heute bewährte sich das Bekenntniß unserer Väter am Sinai: vom wir wollen handeln und dann hören. Die ehrwürdige Gemeinde Mechernich war es, die aus Ueberzeugung um die Nothwendigkeit einer einheitlichen Organisation der religiösen rheinischen Gemeinden, z u - e r st sich dem neu gegründeten „Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands" anschlotz. Und nachdem sie ihren Anschluß bethätigt, da erst vom vernahm sie aus bewährtem Munde die Wichtigkeit ihres edlen Bestrebens. Se. Ehrw. Herr Rabbiner. Dr. B. W o l f aü- Köln war der Einladung des Vorstandes, derGemeinde i Mechernich gefolgt, um an einem zu diesem Zwecke eingerichteten feierlichen Mincha-Gottesdienst / theilzünehmen. ' . . ..." Schon lange vor der festgesetzten Stunde war das schmücke Gotteshaus von Andächtigen dicht gefüllt.. Wir sahen, außer den Gemeindemitgliedern Mechernichs, die Herren Vorstände bezw. Mitglieder der Gemeinden Commern, Rheinbach, Euskirchen, Call, Hellenthal, Lommersum, Eiserfey,. Basen u. a. m. Beim Eintritt in die Synagoge begrüßte Herr Lehrer Voß -Münstereifel, der in liebenswürdiger Weise den Gottesdienst übernommen hatte, den Herrn Rabbiner und die Anwe- - senden mit seiner klangreichen Stimme, durch ein schön gesungenes Matauwu. Nachdem das Minchagebet. ver-. richtet, bestieg der Herr Rabbiner die Kanzel, um in längerer eindrucksvoller Rede auf die Nothwendigkeit der Einigkeit und des Zusammenschlusses der gesetzestreuen Juden hinzuweisen. Ausgehend von dem Ausspruche der dieswöchentlichen Sidra brr bnpn mjn bo wo -wo burr njiö dar. wie durch das erste Heiligthum in Israel zum ersten Male ein sichtbarer Mittelpunkt geschaffen, dem einigenden Gedanken der Thora war nun eine Stätte gestiftet und von ihr aus konnte ein segensreiches Wirken sich entfalten. Seitdem Israel an Sinai die Gotteslehre empfangen, waren die Gegensätze der Anschauungen und Meinungen ausgeglichen, und die in Parteilagern bisher getrennt gezogen waren, am Sinai hatten sie sich verbrüdert und verständigt. Mit Hinblick auf die mancherorts unhaltbaren religiösen Gemeindeberhältnisse in Rheinland weist Redner auf unseren großen Lehrer Moses hin, dessen gepreßtem Herzen der Nothruf sich entringt, nm vb\ M vnb pk. *wk srnv n rhj>. „O, laß doch die Gemeinden Gottes nicht einer Herde gleichen ohne Hirt," und ferner auf die Schilderung im Nichterbuch auf die trübste Zeit in Israel, wo den Schildern der immer wiederkehrende Seufzer unterbricht pk ■jbw brr-!p'2.„Ein Führer fehlte in Israel." Die Pflicht des einzelnen Juden sei die Förderung der Interessen der Gesammtjudenheit, und die Ablenkung des Blickes vom Einzelinteresse zur Gesammtheit. Und ivenn es vorher hieß: unn von in der Mehrzahl, sie zogen, sie lagerten, ein Jeder wohin er wollte, wenn also die Einigkeit vorher gefehlt hat — später heißt: buie» snn in der Einzahl, es lagerte das ganze Volk gemeinsam, ein gleiches hohes Ziel erfüllte es. Und im Hinblick auf dieses hohe Ziel „wollte sich dann diese ehrwürdige Gemeinde Mechernich die. Palme ernsten Strebens im Dienste der guten Sache erringen. Ihr gebührpder Ruhm, daß sie als die erste in dieser Gegend den Muth gefaßt der Ueberzeugung, um dem Wort der Wahrheit eine Stätte zu gründen. Zum Heiligthum, das in diesen Gauen sich erheben soll, trug

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