Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 27 (3.4.1902)
- Date
- 1902-04-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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besserer der jüdischen Wissenschaft vor das Publikum zu treten. Ich war auch ein wenig neugierig und hoffte zu erfahren, in welcher Richtung sich die etwas undeutlich definirte Verbefferüngsthätigkeit, die uns diese Herren verheißen, bewegen würde. Doch vergebens . Ich fand keine Spur der Leistungen eines dieser Herren auf irgend einem Gebiete der jüdischen Forschung. Ich schlug Kataloge nach, ich fragte erfahrene jüdische Buchhändler, ich fragte bei zahlreichen Bekannten herum. Vergebens. Keiner wußte mir zu sagen, womit einer dieser oben genannten vier jüdischen Gelehrten die jüdische Wissenschaft bereichert oder gefördert hätte. Sogar die Namen der vier Großen, die eine neue Epoche der. jüdischen Kulturentwickelung verkünden, hatte nur selten Jemand vernommen. Das machte mich stutzig und meine Wißbegierde wurde dadurch nur noch mehr angestachelt. Um sie zu befriedigen, beschloß ich, keine Mühe zu sparen, um die vier Geistesgrößen, die sich anschicken, 'auf unser Geistesleben einen umwälzenden Einfluß auszuüben, aufzusuchen und sie näher kennen zu lernen, und was ich da erlebt, will ich, geehrter Herr Redakteur, mit Ihrer Erlaubniß Ihren geschätzten Lesern mittheilen, da es außerordentlich merkwürdig und für unsere Zeit ungewöhnlich charakteristisch ist. Ein glücklicher Zufall wollte, daß ich den an erster Stelle zeichnenden Herrn, der nicht in Berlin domicilirt, treffen konnte. Er heißt Martin Vuber. Buber ist ein in der jüdischen Litteratur wohlbekannter Name. Wer kennt nicht Herrn Salomon Vuber in Lemberg,, den verdienstvollen Herausgeber so vieler alter Midraschim? Herr Martin ist sein Enkel. Doch wie traurig berührte es mich, wahrzunehmen, daß der Enkel nicht einmal das Titelblatt eines der zahlreichen Bücher seines Großpapas korrekt durchzulesen, geschweige denn zu übersetzen im Stande ist, dieweil diese Titelblätter nämlich nicht vokalisirt ünd! Mit vokalisirtem Hebräisch geht's schon ein wenig besser, doch darfst du beileibe von ihm nicht verlangen, daß er dir ein Kapitel Jesaias oder einen Psalm richtig übersetze. Solches hat Herr Martin Buber offenbar nie in seinem Leben versucht. Bon der späteren jüdischen Litteratur hat er nicht die geringste Ahnung, die Bräuche und das religiöse und geistige Leben des Judenthums sind ihm vollkommen fremd, was er davon weiß, ist offenbar aus Romanen und Zeitungsartikeln geschöpft. Bon den Problemen, die den Gegenstand der jüdischen Wissenschaft bilden, hat er nicht die geringste Vorstellung, er hat sich nicht einmal die Mühe genommen, auch nur eines der grundlegenden und bahnbrechenden Bücher, die im 19. Jahrhundert über jüdische Wissenschaft verfaßt worden sind, kennen zu lernen. Ich sah vor mir eine höchst betrübende Bestätigung des alten Wortes:. vwdvv .»-ovdn nrrvd v'vvn '-ra&n pnxo p« und ich wundere mich, daß Herr Salomon Buber es unterlassen hat, seinem Enkelkinds eine xwmaö ru»ö einzuschärfen, die da lautet: w row rrm nwfr pm. Nein. Herr Martin Buber ist mit der' Thora seines Herrn Großpapa nicht erblich belastet. Dagegen erzählte er vieles von einer funkelnagelneuen Wissenschaft, nämlich der zionistischen Wissenschaft. Dieweil ich aber, wie gesagt, ein Laie bin, verständlich zu meinem großen Leidwesen nichts davon. Herr Martin Buber, der an verschiedenen deutschen, schweizerischen und österreichischen Universitäten Psychologie und Aesthetik studirt hat, hat einmal einen Artikel von vier Spalten über die Renaissance des Judenthums (*) verfaßt und in der . . . . von den Brüdern Hart zu Berlin gegründeten „Neuen Gemeinschaft" eine Rede gehalten. Nun rüstet er sich, unser Volk aus dem Dunkel der Unbildung zu fuhren und die geschmacklose und fremddienerische Litteratur, die so lange unser Volk vergiftet und verwirrt hat, durch eine Sammlung wahrhaft jüdischer, erhebender und belehrender Bücher zu ersetzen. Ist da3 nicht sehr merkwürdig? Von dem zweiten Reformator der jüdischen Wissenschaft, Herrn Berthold Feiwel, muß ich zunächst etwas sehr LobeNswerthes mittheilen. Er hat sich nämlich auf den Anfängerkursus für Unterricht in. hebräischer Sprache, der in Berlin vor einigen Wochen eröffnet wurde, eingeschrieben. Bedauerlicherweise haben ihn die beträchtlichen Schwierigkeiten bald abgeschreckt, denn seit einiger Zeit besucht er die Unterrichtsstunden nicht mehr. Bisher hat er seine Kenntniß des Judenthums lediglich aus Schriften geschöpft, die in dem Jargon abgefaßt sind, wie er von den Juden in Galizien und Rußland gesprochen wird. Doch sind ihm die hebräischen und namentlich die zahlreichen talmudischen Elemente dieses Idioms eine unüberwindliche Schwierigkeit. Er hat die mittelmäßigen Gedichte eines Jargonpoeten in herzlich schlechte deutsche Verse gebracht. Nun will auch er das jüdische Volk aus dem Dunkel der Unbildung führen und wahrhaft jüdische Bücher zu Tage fördern Helsen. . Der Dritte im Bunde, Herr E. M. Lilien, vertritt das künstlerische Element. Von ihm und Herrn Dr. N ossig in einem folgenden Artikel. . ZeUrmgsnachrrchLm rrrrd Eorresporrderrzen. D e u t f ch I a n b* Berlin, 24. März. In einer sog. kriminalistischen „Beobachtung," die die „Kreuzzeitung" auf Grund der neuesten reichsstatistischen Veröffentlichung für 1899 vor einigen Tagen anstellte, heißt eS wörtlich:; ..Die Religion der- 1899 Verurtheilten ' weist 272,047 evangelische, 195,245 katholische Christen auf,