Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 27 (3.4.1902)
- Date
- 1902-04-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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590 Feier unserer Festtage an gewisse Jahreszeiten, an das Wiedererscheinen der durch die Sonne, gereisten Bodenerzeugnisse gebunden war, so kann das Mondjahr allein nicht.maßgebend gewesen sein; denn am ersten Omertag wurde die erste reife Gerste und sieben Wochen darnach, am Wochenfeste, der erste reife Weizen dargebracht; das Laubhüttenfest wurde gefeiert, wenn Frucht und Wein vom Felde eingesammelt waren. Wäre lediglich das Mondjahr maßgebend, das nur 354 Tage hat, also um 11 Tage von dem Sonnenjahr verschieden ist, so hätten die Feste nicht der gesetzlichen Bestimmung gemäß an den entsprechenden Jahreszeiten gefeiert werden können. Das Peßachfcst wäre ein Jahr im Winter, dann wieder im Herbst, dann mitten im Sommer gefeiert worden. Der obige Vers wäre demnach geradezu unverständlich, hätte nicht Gott für diese, sowie für alle übrigen Gesetzesvorschriften, die mündliche Deutung gegeben und die Art und Weise der Zeitrechnung mündlich überliefert. Wer demnach diese mündliche Ueberlieferung leugnet, verfällt in unabsehbare Schwierigkeiten. Es ist ihm unmöglich, einen genügenden Grund dafür.anzugeben, warum er das Peßachfest gerade an diesem und nicht an einem andern Tag feiert, wie denn auch die Karaiten, die das mündliche Gesetz nicht anerkennen, zuweilen in Rechnungsfehler verfallen, die sie veranlassen, ein und dasselbe Fest zweimal zu feiern. Mer mit den Grundsätzen, auf denen unsere Zeitrechnung*) beruht, auch nur ein wenig vertraut ist, weiß, daß zur Zeit, wo das große Sanhedrin noch in Jerusalem seinen Sitz hatte, die wirkliche Anschauung des Neumondes' unumgänglich nothwendig war,**) daß jedoch die Ergebnisse dieser Anschauung durch astronomische Berechnungen nochmals geprüft und verglichen wurden.***) - Wenn nun auch der Tag des zu feiernden Neujahrsfestes durch astronomische Berechnung gefunden war, so konnte dessen wirkliche Feier doch erst dann stattfinden, wenn die damit übereinstimmende wirkliche Anschauung des Neumondes stattgefunden hatte. Diese stattgefundene Wahrnehmung des Neumondes mußte dem großen Sanhedrin an gezeigt werden, woraus erst die öffentliche Verkündigung des zu feiernden Festtages geschehen konnte. , F-.- *) Der jühüche Kalender ist so kewunderunaSwiirdig geordnet. dak er die Duimerksamkeit der gelehrtesten Astronomen aus fich gezogen, hat. Seetiger, ein. auSaezeichneter &ts lehrten^ -schreibt; „ES stiehl, nichts BostkommnercS, nichts Genaueres, als her jüd. Kahnb'r." . . **)' Menachoih' Pag 29 aV Rasch Haschönoh v.- 20 a. Rösche Haschönoh! S4L MäimonideS Kiddüsch Hachödeschrrü ins;;: d>i Schubr.pt Dbt, in .seinem.Lehrbuch«;, her, S-ernUnde die sinnreiche., Esncheilung. d.'ir Diunde bei den. Juden,in 1080 Teile'lhervü^'milhinikeS'stanzen TageS in öb'92ä.- die Zahl derMgti'Sen el.rreL - gesunben ^Menschen und - die der!Tage, wen» rine 70-jährige Lebensdauer angenommen wird,--;?.- V Wurde der Bericht über die wahrgenommene Erscheinung des Neumondes am 30. Ellnl nicht erstattet, so wurde auch in Jerusalem der folgende Tag als ein Festtag gefeiert. Zwei Tage wurden jedoch unveränderlich an jedem Orte gefeiert, gleichviel, ob derselbe in oder außer dem heiligen Lande lag. Heutzutage, wo kein Sanhedrin mehr besteht und die wirkliche Wahrnehmung des Neumondes durch die gesetzlichen Autoritäten nicht mehr geprüft werden kann, dehnt sich der Zweifel, welcher von den zu feiernden Tagen der richtige ist, auf alle anderen Festtage aus. und in unserer. Besorgniß, den rechten Tag zu treffen, . feiern wir zwei Tage. v Dagegen könnte eingewandt werden: dieses Verfahren war ganz zweckmäßig zu einer Zeit, wo die astronomische Wissenschaft noch in ihrer Kindheit stand, aber heuzutage fallen alle diese Zweifel bei dem fortgeschrittenen Stand der Wissenschaft fort. Hierauf ist zu erwiedern: Würde der Tempel wieder hergestellt , und das Sanhedrin wieder eingesetzt, so müßte zur Festsetzung der Festtage ganz derselbe. Weg, wie bei den Alten, eingeschlagen werden. Das Erscheinen des Neu- - mondes müßte durch persönliches Anschaueu wahrgenommen werden. Die astronomische Berechnung dürfte nur in der Absicht geschehen, um die Ergebnisse der Mondanschauung zu prüfen. Könnte also der Neumond am 30. Ellul garnicht oder so spät wahrgenommen werden, daß die Vertun-. digung durch das Sanhedrin nicht mehr zeitig genug geschehen könnte, so müßten allüberall zwei Neujahrs-, tage gefeiert werden. . "■ II. . , ■ Der zweite Festtag wurde aber auch' eingeführt als ein nationales Bild für Israel. Zu wiederholten Malen finden sich bei der Vorschrift über die Festesfeier die Worte: b-2 vbw rprt bd'jtcpid. Alle Israeliten, wo sie auch nur wohnen mögen, sollen diese Feste zur selben Zeit feiern. Hinsichtlich des Peßachfestes ist besonders bemerkt» daß die Feier am Abend zur Zeit des Auszuges aus Aegypten stattfindm soll. Wie wäre nun dieses bei den Israeliten, die auf so verschiedenen Langegraden der Erde wohnen, auszuführen? Wer nach Australien reist oder von dorten kommt, gewinnt oder verliert einen Tag je nach der Himmelsgegend, der er zugewandt ist. Nach der geographischen Lage eines Ortes kann dieser Unterschied 24 Stunden betragen. Feiern wir das Fest 48 Stunden, so können alle Israeliten auf der weiten, weiten Erde der gesetzlichen Vorschrift .gemäß das Fest, zu'gleicher Zeit feiere:w , •ä;! In ,der. alten Zeit, als die. ganze Nation an brii* ■ in Jerusalem versainmest'war, da.refchten I. .24 Stunden für. die.Frstesfeier hin. Heutzutage ist ,die Feier der Feste 9«; Damals hatte jede Mannsperson dreimal im Jahre Lor -