Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 27 (3.4.1902)
- Date
- 1902-04-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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43. Jahrgang. M 27, AenLrat-Hrgan für bas orthodoXe IudenLhum. Begründet von ' Vr.'Dehrnsntr.i» Donnerftag, den 3» April 5662 (1S62).- Der zweite Feiertag. <Zu ttnnn 's.) Mainz, 2. April. Der zweite Feiertag wird feit undenklichen Zeiten von den Zerstreuten Israels als göttliche Vorschrift gefeiert, obwohl derselbe in der schriftlich überlieferten Thora nicht deutlich erwähnt ist. Vor etwa eintausend Jahren hat die Sekte der Karäer, die sich bekanntlich nur zur geschriebenen, nicht aber zu der von Moscheh am Sinai mündlich überlieferten Thora bekennt, die Göttlichkeit, dieser Institution zu bezweifeln versucht./ Diese Versuche würden 'jedoch von' benVekemiern des rabbinischen Judenthums so entschieden und so erfolgreich bekämpft,*) das; die Verbindlichkeit des zweiten Feiertags bis auf unsere Zeit nicht wieder bestrittenwürde.' Erst in unserem Jahrhundert sind Rabbiner aufgetreten, die nicht nur die mündliche, sondern auch die geschriebene Thora Gottes leugneten und auch die Feier des zweiten Feiertags zu discreditiren suchten. Die Abschaffung des zweiten Feiertags gehörte zu dem stehenden Repertoir der Versammlungen und Synoden, welche diese Rabbiner beriefen. Der „Israelit" hatte in Folge dessen wiederholt Veranlassung, die Göttlichkeit und religiöse Verbindlichkeit des zweiten Feiertags zu betonen. Seit einigen Jahren hat sich nun insofern eine Wendung zum Bessern vollzogen, als' es heute in Deutschland. auch bei den radikalsten Rabbinen nicht mehr zum guten Ton gehört, mit diesem ihrem Radikalismus öffentlich Staat zu machen'. Aber die Un¬ *) Wir verweisen auS der Fülle der hierher gehörigen Litteralur nur auf den Üusari-Kommentar von R. Jehuda MuSkato zu Kusari IU. 38. und auf p DBÖ "15D von R. David Nieto III. 180,^.. - - wissenheit, die sie systematisch großgezogen haben, ist -, leider aufgegangen und überwuchert das religiöse Leben vieler Gemeinden. Deßhalb sind uns wiederholt Gesuche zugegangen, die Leser des „Israelit" über die. Bedeutung des zweiten Feiertags aufzuklaren.' Wir wollen zu diesem Zwecke heute einmal einem zeitgenössischen Vorkämpfer des gesetzestreuen Jude»-, thums das Wort ertheilen. Es ist . dies der verstorbene Chief-Rabbi Dr. N. Adler in London, dem wir eine Ende der sechziger Jahre erschienene treffliche. Abhandlung in englischer Sprache Lber den ver- , danken, welche alle gegen den zweiten Feiertag geltend . gemachten Momente in genialer Weise znrückweist. Wik/ lassen die markantesten Stellen der vorzüglichen Bär- ' stellung hier im Auszuge folgen: . \ *./ ^7 ^^D.rei.Sätze sind es, durch welche die Rothwendigkert.der Feierndes dcfc" begründet wird: -1) Die Feier des w ' :« d? ist auf 8 Innigste mit dem ganzen System unserer Zeitrechnung verbunden; 2) dieselbe bildet ein B ä n d unserer Nationalität; .. 3) dieselbe steht in vollem Einklänge und in ganzer Folgerichtigkeit zu.unserem heiligen. Ge-' 'setze.. .... - : . I. ' Alles, was die heilige Schrift über unsere Zeitrech-' nung angibt, beschränkt sich auf die Worte: nn vrrm: csb, „dieser Monat soll euch der erste sein von den Monaten des Jahres." Selbstverständlich ist hier der Monat Nissan gemeint und selbstverständlich ist auch hier ein Mondmonat und nicht eiu Sonnenmonat gemeint. denn das Wort vnn hei ß t Erneuerung. Nun. gibt es an der Sonne keine Veränderung am Himmels nach Ablauf von 30 oder 31 Tagen, während der Mond in der Dauer eines Monats in verschiedenen Phasen und nach Ablauf desselben wieder ut der erneuerten anfänglichen Gestalt erscheint. Demnach kann unter nur die Zeit des Mondumlauses um die Erde in der . Zeit von 29V2 Tagen verstanden^sein. Da jedoch die