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Der Israelit · 1902-07-10 · Heft 55 (10.7.1902) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 55 (10.7.1902)
Date
1902-07-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1173 Scheidemünze ganz bestimmter Pflichten umsehte, leitet beispielslveise aus dem Grundsätze der Nächstenliebe Folgendes ab: Aus dem Grundsätze der Nächstenliebe ergibt sich für uns die Verpflichtung: Die Kranken zu besuchen, die Trauernden zu trösten, die Todten zu bestatten, Bräute auszustaiten, Fremde zu begleiten, alle Verrichtungen^ die behufs Beerdigung eines Todten zu besorgen, als da sind: das Hinaustragen zum Friedhofe, ihm das Geleite geben, eine Trauerrede zu halten, das Grab auszuhcben und zu verschütten; — oder Braut und Bräutigam zu erfreuen und sie mit allen Bedürfnissen zu versehen, — und zwar ist jeder alle diese Leistungen persönlich auszuüben verpflichtet! — (Hilch. Abel 14,1) haben wir es hierin wirklich lveiter, als das alte Israel gebracht? Da zeigt es sich am deutlichsten, daß dort, wo das Gewissen den schweren Konflikten gegenüber nicht gerüstet erscheint, es auch den leichten gegenüber sich nicht als gewachsen zu erweisen vermag. (Fortsetzung folgt.) ZettrmgsnachrrHten urrv Gorrespsnderrzerr. Deutschland. Frankfurt a. M., 8. Juli. (Der Zionismus und die Rabbiner.) Die Ortsgruppe der Frankfurter Zionisten veranstaltete aus Anlaß des Rabbinerkongresses eine Versammlung mit obigem Thema, wozu sie die Herren Rabbiner eingeladen' hatte. Erschienen ist von zionistischer Seite Herr Dr. Rülf, der Nestor der deutschen Rabbiner und Herr Dr. G o i - t e i n. Von antizionistischer Seite ist Herr Dr. B ä r - Vrenzlau anwesend. Um 9V£ Uhr eröffnete Herr Sondheimer die Versammlung und übergiebt Herrn Dr. Rülf daS Referat. Dessen Ausführungen gipfelten darin, daß durch den Nationalgedanken das Judenthum gerettet wird u. verwies derselbe hierbei auf die Litteraturu. Studentenvereine, die der Zionismus geschaffen. Er begreift nicht die Gegnerschaft der Rabbiner Deutschlands, die doch im Herzen alle gute Zionisten sind. Nach dem sehr sachlich gehaltenen Referate begann eine sehr lebhafte Diskussion. Rabbiner Dr. Bär führte aus, daß er zu den Rabbinern gehöre, die sich nicht zum Zionismus bekennen. Die Gegnerschaft beruhe zunächst auf den Vorstellungen aus den ersten Kundgebungen des Zionismus, und wenn sich die Meinungen zu Gunsten des Zionismus geändert haben, so ist dies auf die Wandlungen, die derselbe gemacht hat, zurückzuführen. Die Ausführungen Dr. Rülf's unterschreibe er bis auf die Bemerkung, daß die Litteraturvereine auf das Conto des Zionismus zu schreiben sind. Die Litteraturvereine seien nicht aus dem Zionismus hervorgegangen. „Ich will Ihnen erklären, warum so wenig Rabbiner Ihrer Einladung Folge geleistet haben. Die Rabbiner können nicht vergessen Ihre schroffe Kundgebungen; waS Max N o r d a u über die Berliner Rabbiner gesagt, ist direkt verletzend gewesen. Dies hat mich selbst einen gewissen Kampf gekostet, hierherzukommen. Was ich dem Zionismus zum Vorwurf mache, ist nicht das, was der Redner gesagt. Wenn alle Zionisten so denken würden, gebe es keine Gegnerschaft. Der Zionismus hat den Fehler gemacht, Religion als Privatsache hinzustellen; wenn sie die Religion als solche hinstellen, so können sie nicht verlangen, daß sich die Rabbiner für den Zionismus, begeistern und erwärmen. Wir waren längst Zionisten, bevor Herz! seinen Judenstaat geschrieben. Wenn sie den Rabbinern erklären, daß sie die Religion als Wesentliches in den Vordergrund stellen, dann werden die Rabbiner mit Ihnen arbeiten. Herr Lieben: „Wir Zionisten haben Fehler gemacht, die Rabbiner aber auch. Die Rabbiner hätten die Schmähungen einstecken sollen, statt eine Erklärung zu erlassen." . > ~ Herr Goitein dankt Dr. Bär für fein Erscheinen. Herzl's Judenstaat sei die Meinung eines Einzelnen. Wenn der Zionismus auch nicht die Litteraturvereine geschaffen, so doch das jüdische Selbstbewußtsein. Keiner unserer Führer sagt etwas gegen Religion. B e r n o w i tz wendet sich gegen die Erklärung der Rabbiner, wird jedoch von dem Vorsitzenden unterbrochen, da den Rabbinern versprochen wurde, daß deren Erklärung nicht zür Sprache kommen soll. Dr. B ä r.: Wenn Sie die Aussprüche Herzl's und Nordau's, Ihrer Führer, nicht ernst nehmen, und denselben nicht glauben, dann können Sie das Gegentheil auch nicht von ihren Gegnern verlangen. Wir, die Rabbiner, haben die Beleidigung eingesteckt, doch können Sie nicht verlangen, daß wir in Ihre Versammlungen kommen. V- Steinberg: Bevor der Zionismus hier Wurzel gefaßt, haben sich die Leute geschämt, im Caf6 eine jüdische Zeitung in die Hand zu nehmen. Rabbiner Dr. B ä r: Soweit meine^ Erfahrungen reichen, haben wir schon vor 25 Jahren in den Berliner Caf6's jüdische Zeitungen gelesen. Daß sich die Rabbiner nicht ohne weiteres in den Dienst des Zionismus gestellt haben, liegt auch viel daran, .weil sie an verantwörtlicher Stelle stehen. . , ./*; Rabbiner Dr. Goitein: Es wäre nicht,nöthig gewesen, daß die Rabbiner eine Erklärung gegen" den Zionismus erließen. Doch konnte ich auf diescrDersammlung nicht zu Worte kommen, heute ist es . anders; Rabbiner Dr. Eschelbacher -Berlin...sprach heute mit Begeisterung von den jüdischen Studentenvereinen auf dem Rabbinerkongreß und ich stimme Dr. Rülf zu,

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