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Der Israelit · 1902-07-10 · Heft 55 (10.7.1902) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 55 (10.7.1902)
Date
1902-07-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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ein grotzes Interesse erregt haben, veröffentlicht und zum ersten Male ihre Zusammengehörigkeit, ihre Herkunft und ihr Alter mit Sicherheit festgestellt. Es sind dies die „Rachegebete von Rheneia," Inschriften auf zwei Grabsteinen, von denen der eine jetzt im Museum von Bukarest, der andere im Nationalmusenm von Athen aufbewahrt wird. Sie stammen aus Rheneia. dem Begräbnißplatze der Bewohner des alten Delos, einer der cykladischen Inseln im ägäischen Meere. Nunmehr gibt im neuesten Heft des „Philologus" der Heidelberger Orientalist Adolf Deißmann eine Erläuterung zu den beiden Texten, welche die „Rachegebete von Rheneia" als ein überaus werthvolles Originaldokument für die Geschichte des Judenthums innerhalb der hellenischen Welt erscheinen lassen. Die „Rachegebete" sind nämlich jüdische Inschriften aus der Wende des zweiten und ersten vorchristlichen Jahrhunderts. Zu Grunde liegt ihnen folgende Thatsache: In der Judengemeinde von Delos sind zwei Mädchen ermordet worden. Niemand kennt die Mörder. So wird denn die Rache dem übertragen, der die Frevelthaten rächt. Am Versöhnungstage bringen die Hinterbliebenen ihre Gebete vor Gott und überantworten die Mörder der Rache des Allwissenden. Dieses Gebet wurde dann auf den Gräbern der Ermorderten in Mar..:or verewigt. Jüdische Inschriften aus vorchristlicher Zeit sind an sich sehr selten, und schon deßhalb sind die „Rachegebete" . von Bedeutung. Aber sie bestätigen ferner die Existenz einer jüdischen Gemeinde auf Delos in der Diadochenzeit und lassen außerdem im Einzelnen die Anpassung der Juden an ihre hellenistische Umgebung erkennen. Dafür, daß die Septuaginta-Bibel schon in alter Zeit bei den Juden in Gebrauch war, sind die „Rachegebete" ein Originaldokument, das nur wenige Jahrzehnte jünger ist als das berühmte Testimonium des Sirach- Prologs, der bekanntlich aus dem 38. Regierungsjahre des Ptolomäers Euergetes II., d. h. aus dem Jahre 132 v. d. g. Z. stammt. Oesterreich. Wien, im Juli. Ein Senat deL Verwaltungsgerichtshofes beschäftigte sich jüngst mit einer Beschwerde, welche das Kuratorium der Baron Hirsch- Stiftung als statutenmäßige Verwalterin der „Baronin Clara v. Hirsch-Kaiser-Jubiläums-Stiftung zur Unterstützung von Knaben und Mädchen in Oesterreich" eingebracht hatte. Infolge eines Rekurses der genannten Stiftung hatte der Verwaltungs-Gerichtshof das Staatsärar zur Rückstellung einer Gebühr von 188,NX) Kronen verurtheilt, welche von einem Legate der Baronin v. Hirsch im Betrage von zwei Millionen Francs Seitens der Finanzbehörde eingehoben worden war. Das Finanzministerium hat zwar diese Gebühr zurückerstattet, jedoch die Zahlung der Vergütungszinsen von dieser rückerstatteten Gebühr abgelehnt. Der Verwaltungsgerichtshof hob die angefochtene Entscheidung des Finanzministeriums auf, und der Staatsschatz hak sonach auch die fünfprozentigen Verzugszinsen für mehr als ein Jahr, somit ungefähr 10,000 Kronen, der beschwerdeführenden Stiftung zu ersetzen. Wien, im Juli. (Jüdische Stiftung.) Vor einigen Tagen starb in Men der Preßhesefabrikant Sigmund Weiner, eine namentlich im zweiten Bezirke sehr bekannte und beliebte Persönlichkeit. Beim Handelsgerichte ist nunmehr das Testament des Verblichenen eröffnet worden. Herr Weiner hat den Hos- und Gerichtsadvokaten Dr. Philipp Reumann zum Tesiaments-Executor ernannt und als Universalerben eine zu errichtende Stiftung für verarmte, würdige, jüdische Gewerbsleute eingesetzt. Das Stistungsvermögen dürfte die Höhe von 330,000 bis 460,000 Kr. erreichen. Außerdem hat der Erblasser in seinem Testamente eine lange Reihe von Wohlthätigkeitslegaten ausgesetzt. Es erhalten: 4000 Kronen die Wiener Freiwillige Rettungsgesellschaft; je 2000 Kronen: die israelitischen Armen Wiens, der Orden der Barmherzigen Brüder, der israelitische Freitischverein für Knaben in Prag, das israelitische Blindeninstitut, das israelitische Taubstummen-Jnstitut, der Fonds für israelitische Waisenkinder in Wien; je 1000 Kronen: die israelitischen Armen Wiens, die jüdischen Armen Prags, die israelitische Kinder-Bewahranstalt und diverse kleinere Wohlthätigkeits-Jnstitute. Ferner hat Herr Weiner seine gesammte Bibliothek dem Volksbildnngsvereine vermacht. Mattersdors, 2. Juli. Heute feierte Herr Salomon Breuer sein 25jähriges Jubiläum an der hiesigen israelit. Schule, woran sich zahlreiche Freunde und Bekannte betheiligten; auch die Behörde war vertreten, selbst von den entferntesten Gegenden strömten Leute herbei, um den Jubilar beglückwünschen zu können. Es wurde ihm aus diesem Anlässe ein sehr kostbares Geschenk überreicht, welches Zengniß ablegte I von der Beliebtheit des Jubilars, der in dem Zeitraum eines Vierteljahrhunderts seiner Wirksamkeit mit ganzer Seele und voller Pflichttreue oblag.?lbends fand unter Betheiligung sämmtlicher Honoratioren und Kollegen ein Festessen statt. Der Schluß der Feier bildete eine Illumination. Möge dem Jubilar noch lange vergönnt sein, wie bisher sein Amt mit gleichem Eifer bekleiden zu können. Jakob Ehrenfeld, Theolog. Olmütz, im Juli. (Der Hauptzeuge im Hilsner-Prozeß.) Der Sträfling Dincenz Zelinger aus Polna, der bekannte Belastungszeuge aus dem Hilsner-Prozeß, beging, wie berichtet wird, in der Strafanstalt Mürau, wo er seine Strafe verbüßte, fünfmal nacheinander das Verbrechen der Majestätsbeleidigung. Als Motiv feiner Handlungsweise gab er an, daß er in der Strafanstalt mißhandelt werde. Als

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