Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 55 (10.7.1902)
- Date
- 1902-07-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1164 . Sonne und Mond, noch über das Meer herrscht, kann er „Licht bildin und Finsterniß schaffen," wenn er weder über die Sonne noch über den Mond verfügt, kann er Todesschatten in Morgenlicht umwandeln und den Tag zur Nacht verfinstern, kann er aus Staub einen Menschen bilden, wenn er auch nicht über ein Atom des Staubes verfügt, und lann er die Meeresfluten rufen, und sie über die Fläche der Erde ausgießen! Wie b: schränkt und begrenzt ist die Macht, die Herrrschaft eines solch* babylonischen Gottes! Wie ganz anders der Gott Israels, der Gott auf den Höhen des Sinai. . Er bildet Licht und schafft Finsterniß. Er tobtet und belebt. Er bildet aus Staub Menschen und aus Menschen wieder Staub. Er schafft die Plejaden und den Orion, verwandelt in Morgenlicht Todesschatten und verfinstert den Tag zur Nacht, ruft die Meeresfluten und gießt ste aus über die Fläche der Erde. Er herrscht und verfügt über Alles, ihm gebärt Alles, der Himmel und die Erde, die Sonne und' der Mond, die Meere und die Flüsse, und Er kann Alles thun zu gleicher Zeit und mit einem Male, kann die größten Gegensat z mit einander vereinigen und versöhnen. Wie die Babylonier, so glaubten auch die anderen heidnischen Völker an viele Götter. Es gibt, meinten ste, einen Gott des Krieges und einen Gott des Friedens, einen Gott des Lichtes und einen Gott der Finsterniß, einen Gott des Glückes und einen Gott des Unglückes. Sie konnten nämlich nicht beareifen. daß der Gott, der Kriea führt, der so viel Unalück und Elend über die Menschheit bringt, auch das Glück und den Segen des Friedens der Menschheit verleiht, daß der Gott, der durch den Kriea so erbarmungslos alles zerstört und verheert, durch den Frieden wieder voll Gnade und Barmherzigkeit alles erbebt und aufrich.tet, nicht begreifen, daß derselbe Gott, der im Krieae. in seinem Grimme Tausende und Zehntausende tobtet, im Frieden wieder in Liebe und Güte Tausende und Zebntausende.von Neuem belebt! So die Götter des Heidentbums! Wie ganz anders der Gott auf den Höben des Sinai! -pf&K n 'MX Ich bin immer und immer ein und derselbe Gott! Ich zerschmettere und vernichte Aegypten und befreie und erlöse Israel! Ich erkläre den- Krieg bis zur Vernichtung Mizraim und schaffe Hei und Glück und Frieden Israel! rt 'ajte. Ob ich mich der Menschheit als Elohim. als strenger, unerbittlicher Richter im Kriege oder als ysdonai. als gnadenreicher und barmherziger Vater im Frieden offenbare, gleichviel, ich bin immer ein und derselbe Gottt v'V rrm du itfro fw» vriuv wd jfc,:«n*&*;ynwi rmhü. „Obgleich ibr Menschenkinder viele, verschiedene Stimmen im- Leben höret, die wilden Schlachten, die rauhe Stimme des Krieges und der Zerstönlng, und wieder dir sanfte und' melodische Stimme des Friedens, die erhebende Stimme der Freude und des Glückes, glaubet deßhalb nicht, daß es viele verschiedene Götter gibt, nein! Ich bin und bleibe immer derselbe Gott! Ja! Eines, sagt Gott, ist die Bedingung des Anderen! Ich muß erst Aegypten verheeren und vernichten, bevor ich Israel erstehen und erblühen lasse. An Aegypten, an diesem mächtigen Staate, zeige ich der Menschheit, daß alles Irdische vergänglich. daß aller Staub zum Staube zurückkehrt, und wenn die Macht noch so groß, und wenn der Glanz nochso blendend, es sinkt und fällt Alles zurück in die Gräber,- deren Todesschatten Alles verhüllen und Alles bedecken; nur das Geistige, das Ideale, das Himmlische, das Göttliche, ist und bleibt einzig! Ich mußte erst Aegypten, diese irdische Macht, bekriegen und vernichten. bevor ich mich als Gott des Geistes, als Gott der Ewigkeit geoffenbaret, bevor ich Israel zum-Volke des Geistes, zum Volke der Ewigkeit erwählt und erhoben! Auf die ztvei steinernen Tafeln, die Moscheh von oben, aus den Höhen des Himmels gebracht, blicket hin, und nicht auf die vermoderten Täfelchen, die man von unten, aus den Gräbern mit ihren Todesschatten hervorgeholt, und ihr werdet mit Klarheit emporschauen zu den Hohen des Himmels und nicht irre geführt werden von der Finsterniß und den Todesschatten der Gräber! Nur in einer Beziehung lehren und verkünden die T a f e l n auf den Höhen des Sinai und, die Täfelchen aus den Tiefen der Gräber und Würmer Eines und dasselbe: „Wisse, o Mensch, woher du kommst und wohin du gehst, rafrirn nvi iW wprH, nach dem Ort des Staubes, des Moders und Gewürms!" Wo ist heute Babylonien mit seiner Macht und seinem Glanz? Wo Nebukadnezar, der unseren Tempel zerstört, mit seinen Helden und Heldenthaten? Alles ist dahin, alles — auch die Täfelchen — in die finsteren Gräber gesunken und versunken! Nur die Wahrheit, die Gott mit seinem Finger in die Tafeln geschrieben, nur die Wahrheit, die Gott auf den lichten Höhen des Sinai verkündet. lebt, besteht, beherrscht und regiert die Welt für alle Zeiten und Ewigkeiten! ZeiLrmgSrrachrichSerr und Corresporrdenze«. Deutschland. Grandenz, im Juli. Zu der hier stattgehabten Jahres-Versammlung des Verbandes der westpreustkfchen Synagogen-Gemeinden hatten sich insgesammt siebzig Herren. Vertreter der Provinzgemeinden und persönliche Mitglieder, eingefunden. Nachdem der Vorsitzende, Herr Fabrikbesitzer G. Davidsohn-Danzig, die Erschienenen willkommen geheißen; begrüßte.Herr Bankier Belgard die Versammlung Namens der hiesigen jiidischen Gemeinde, indem er das verdienstvolle Wirken