Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 55 (10.7.1902)
- Date
- 1902-07-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449845--56253-2518307- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
4g. Jahrgang M 55. , '•■:'■ ■■ ■ Ei» - ■•; Kmtrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von - - x Vr. Dehmsnn in Msinz. Donnerstag, den 10. Still 5662 (1902). Die Änaiüschen Tafeln und die Babylonischen Täfelchen! Von Rabbiner Dr. KohN—Jnowrazlaw. Der erste Vers der Offenbarung Gottes am Berge Sinai: „Und Gott redete alle diese Worte und sprach" (2. B. M., 20,1) veranlaßt unsere alten Weisen zu folgendem bedeutungsvollen Ausruf: mns *n-*p?7 mx ro2bsn. Gott der Herr vermag Alles zu gleicher Zeit und mit einem Male zu thun; Er vereinigt und versöhnt die größten Gegensätze mit einander! .,Er tödtet und belebt" (1. B. Samuel, 2, 6), Er bildet Licht und schafft Finsterniß." (Jesaia 45, 7.) „Er bildet aus Staub Menschen und aus Menschen Staub." (1. B. M., 2, 7.) „Er schaffet die Plejaden und den Orion, und verwandelt in Morgenlicht Todesschatten und verfinstert den Tag zur Nacht, ruft die Meeresfluten und gießet sie aus über die Fläche der Erde — der Ewige ist Sein Name." (Amos. 5,8.) Er ist Krieger und zugleich Lehrer, führt Krieg gegen Mizraim (2. B. M., 15, 3) und belehrt und unterweist Israel auf den Höhen des Sinai! Hier auf den Höhen des Sinai redete Gott alle diese Worte und sprach: „Ich bin der Ewige dein Gott, der ich dich geführt aus dem Lande Mizraim, aus dem Sklavenhause. (Midrasch Rabbah 2. B. M., P. 28.) Auch wir Israeliten hatten in den letzten Wochen und Monden einen harten Kampf, einen Krieg zu führen gegen diejenigen, die die Göttlichkeit der Thora, die Heiligkeit und Erhabenheit des Judenthums bestritten und die Priorität des Monotheismus uns, dem Judenthum, streitig machen wollten. Das Judenthum mit seinem Einzigen Gotte, behauptete vor Kurzem ein nichtjüdischer Gelehrter, sei nicht etwa eine neue Lehre, die Moscheh seinem Volke, die Israel der Menschheit verliehen; nein, Moscheh und Israel haben diese Lehre von den alten Babyloniern übernommen, die Babylonier haben alles das schon früher gewußt, was Moscheh später seinem Volke mitgetheilt, man hat nämlich bei Ausgrabungen, die man im Orient unternommen, zahllose Tontäfelchen gefunden, auf denen in Babylonischer Schrift vieles von dem verzeichnet steht,'was in der Lehre Mosche's enthalten ist!! Jeder vernünftige Mensch mußte ohnehin im vorhinein wissen', daß die " „z w ei Tafeln" vom Sinai, v'pbx inswa - raro „die beschrieben waren mit dem Finger des lebendigen ^. Gottes" (2. B. M., 31, 18), glaubwürdiger und ehrwürdiger sind, als vie vermoderten, verwitterten, unleserlichen, von jedem anders gedeuteten und entzifferten Täfelchen, die man aus den Gräbern der längst todten, untergegangenen Babyloniern hervorholt . . Babel heißt „Verwirrung" und wahrlich nichts . anderes als Verwirrung und nichts weniger als Klar-', heit auf wissenschaftlichem und religiösem Gebiete haben diese armseligen, dem. finsteren Grabe entstiegenen Täfelchen geschaffen. Mit dem Propheten Samuel, ruft * das aus dem Grabe heraufbeschworene Babylon „W a - rum hast du mich beunruhigt, mich heraufkommen zu lassen" (1. Sam., 28,15) dem todtenbeschwörenden Professor zu, der mit seinem Zauberstabe, mit einem Federstriche, das Judenthum als entbehrlich und überflüssig, als verdienstlos und sich . mit fremden Federn schmückend, aus der Geschichte der Menschheit, und allenfalls aus der Reihe der großen, weisen, um die Menschheit hochverdienten Völker streichen möchte! - V \ ^ac^j dem übereinstimmenden Urtheil aller jüdischen und nichtjüdischen Gelehrten war Babylonien daS . Land, das Volk des rohesten Politheismus, der extremsten Vielgötterei. Die Babylonier hatten und verehrten einen Gott des Himmels, und einen zweiten , Gott der Erde, einen dritten Gott des Meeres, einen vierten Gott - der Sonne, und einen fünften Gott des Mondes u. s. w. Mir fragen nun, kann ein solch' babylonischer GotK der nur im Himmel und nicht über die Erde, nicht über :