Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 25-26 (27.3.1902)
- Date
- 1902-03-27
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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/ vorangehend. Da indeß im Allgemeinen unsere Synagogen— wenigstens in kleineren Orten — der Heizbarkeit ermangeln, so dürfte wohl für die Wintermonate „das Schulzimmer" sich zur Benützung empfehlen. Beides, Synagoge wie Schulzimmer, sind ja öffentliche, gemeindliche Lokale, vor deren Schwelle familiäre Rücksichten zu schweigen und Dinge persönlicher Natur zurückzutreten haben. Beide Orte stehen jedem zum Be-. treten frei, laden stillschweigend Jedermann, der „hungrig ist/ ein, zu kommen und mitzuhalten. Der Schiur gewinnt dadurch den Charakter der Oeffentlichkeit, er wird eine amtliche Handlung im Dienste und zu Nutz der ganzen Gemeint ohne Ausnahme. In gar vielen Fällen und in gar mancher Hinsicht wird das Lernen hier dem Schiur im Hause sogar „vorzuziehen" sein. „Das Bessere ist stets der Feind des Guten," lautet eine weise Lebensregel. Möge der Lehrer ihre Mahnung auch in dem hier erörterten Verhältnisse zu beachten wissen. Fassen wir noch die obigen Darlegungen über daS Schiurlernen zusammen in folgende Leit- und KernsLtze: - w 1) Das Schiurlernen zählt mit zu den wichtigsten Einrichtungen im Gemeindeleben; es sollte überall bestehen, wo man.esjedoch bislang nicht gekannt, da sollte kein Mittel versäumt werden, auf irgend eine Weise es einzuführen. 2) Der Zweck des Schiurlernens ist ein vielseitiger: Es sollen die Gemeindemitglieder mit dem heiligen Schriftthum, der schriftlichen Lehre wie der Tradition, bekannt werden, die moralische Belehrung soll das Gemüth veredeln und den Willen kräftigen, das religiös-sittliche Leben in Familie und Gemeinde soll erstarken. 3) Der Vortragende berücksichtige wohl den geistigen Bildungsgrad seiner Zuhörer, um möglichst populär zu sein bei seinen Ausführungen. 4) Er habe ein Augenmerk auf lokale (familiäre und gemeindliche) Verhältnisse und berühre im Schiur auch Zeitfragen, nehme Stellung zu Verhältnissen der Gegenwart. 5) Er suche den Gemeindemitgliedern den jüdischen Gebetsschatz zu erschließen, um auf diese Weise einen innerlich gehobenen Gemeindegottesdienst zu erzielen. . 6) Der Vortragende nehme auch die Gelegenheit wahr, für seine religiös-sittlichen Belehrungen die Kanzel zu benützen, um so jedem, auch dem weiblichen Geschlecht«, Mehrung des Wissens und Erbauung des Gemüthes zu bringen oder zu bieten. 7) Als Lokal zum Vortrag dürfte sich in vielen Fällen das. Schulzimmer empfehlen, schon um den Vortragen den Charakter der Oeffentlichkeit zu geben. 8) Unablässig sei der Vortragende auf seine Weiterbildung sowohl in den Religionskenntniffen, als in profanen Wissenschaften bedacht, wie überall, so kann auch hier nur Weiterbildung segensreich wirken. Hechinge», 24. März. Den preußischen Kollegen, die S. Müller's „Ein Buch für unsere Kinder," einzuführen beabsichtigen, mag die Mittheilung nicht unerwünscht sein, daß das Kgl. Preuß. Provinzialschulkollegium in Koblenz durch Verfügung vom 28. Febr. 1902 S. C. 3389 die Einführung genannten Werkes von S. Müller bei der Realschule in Hechingen von Ostern 1962 ab genehmigt hat. In Consequenz dessen wird die Einführung auch an anderen preußischen Schulen, sofern sie von diesen beantragt wird, keinem Hinderniß begegnen. . Erfelden, 14. Adar. Eine freudige Ueberraschung wurde heute, am Purim, dem Herrn Lehrer EliaS L i p p m a n n seitens der hiesigen Gemeinde zu Theil. Im Namen der Gemeinde überreichte ihm der erste Vorsteher, Herr M. Sternfels I., einen prachtvollen silbernen Pokal zum Geschenk. Herr Lippman war bei unserer Gemeinde sechs Jahre als Kantor, Schachet und Lehrer thätig und war er als streng-frommer Jehudi und .mn s2 sowie durch seine treue Pflichterfüllung im Amte, sehr geachtet und beliebt, und wird sein Scheiden aus der hiesigen Gemeinde allseitig bedauert. Wir wünschen ihm das beste Glück zum weiteren Fortkommen. > ' S. Memme lödorf, im März. (Auch ein Urtheil über den jüdischen Lehrer auL dem^Jahre 1843.) Vor einigen Jahren.ist von Rektor Dr. Wohlrabe-Halle a. S. ein Werk erschienen unter dem Titel „Der Lehrer in der Litteratur." Dasselbe enthält Auszüge aus zahlreichen Werken der größten Geistesheroen, die eben auf den Lehrerstand und seine Wirksamkeit, feine Stellung, sein Ansehen und seine Entwickelung Bezug haben. In diesem Sinne finden wir auch Verthold Auerbach vertreten und es kann , nicht befremden, wenn derselbe, selbst jüdischem Stamme, entsprossen, auch über den jüdischen Lehrer urtheilt. In der Dorfgeschichte „Der Lauterbacher/ wird uns der Lebensgang eines jungen Lehrers geschildert und dabei auch eine Charakteristik des jüdischen Lehrers entworfen, mit der Kapitelüberschrift: „Der jüdische Kollege." Es heißt dort: „Der jüdische Lehrer stand in Verlegenheit da, feine gefalteten Hände auf einander reibend. Er wußte nicht, sollte er dem neuen Kollegen die Hand reichen oder nicht. Er fürchtete zudringlich zu erscheinen, da man ihn nicht aufgesucht