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Der Israelit · 1902-03-27 · Heft 25-26 (27.3.1902) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 25-26 (27.3.1902)
Date
1902-03-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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A. MoS kovits, die Herren Dr. Engl und HaaS. Herr Reichenau aus Debrezin spendete laut Brief an Herrn M. Weiß, Präses der Chewra Kadischa, dem Verein 1000 Kronen, wofür ihm hier Dank ausgesprochen sei! Josef Groß. Bcrhomct (Ungarn), 10. März. Herr Moses G o t t l i e b ist uns in der Blüthe seiner Jahre durch den Tod entrissen worden. Darob große Trauer in unserer Gemeinde und Umgegend. Er vereinigte Thorawissen mit profanen Kenntnissen und lebte und strebte für unsere heil. Religion. Er lernte und lehrte und hat sich dadurch die allgemeine Hochachtung weiter Kreise erworben. An seinem Grabe aus dem Friedhofe in Radautz sprach Herr Rabbiner Kunstadt Worte der Trauer um den Verstorbenen, die vielen edlen Tugenden desselben schildernd. Wilh. Roll. Ä m e r i k a. Newyork, im März. (Zur Sonntagsruhe.) Magistrat Olmsted gab im Essex Market Polizeigerichi eine Entscheidung ab, welche für Israeliten von großem Interesse ist. Im vorliegenden Falle handelt es sich um eine Anklage gegen Wolf Goldberg, einen Schlächter, welcher das Sonntagsgesetz durch Verkauf von Fleisch verletzt hatte. Das betreffende Gesetz trat bekanntlich am 1. September vorigen Jahres in Kraft. _ Goldberg betreibt sein Geschäft in jenem Stadttheil der unteren Ostseite, welcher fast ausschließlich von seinen größtentheils orthodoxen Glaubensgenossen bewohnt wird. Diese Leute betrachten den christlichen Sonntag nicht als einen Feiertag, sondern lassen am Samstag, ihrem Sabbat, Arbeit und Geschäfte ruhen. Zu Goldberg's Vertheidigung wurde geltend gemacht, daß es ungerecht wäre, von ihm am Sonntag Schließung seines Geschäftes zu verlangen, da er dasselbe ohnehin am Samstag schon geschlossen halte und er demnach seine Glaubensgenossen nicht zwei Tage aufeinander mit Fleisch versorgen könne. Neberdies wird zugegeben, daß der Mann die Vorhänge seines Ladens herabgelassen hatte und Niemand durch den Betrieb seines Geschäftes gestört wurde. Die Anzeige über den Fleischverkauf hatte Charles Willi, ein Mitglied der „Venchman's Union" erstattet. Richter Olmsted sprach Goldberg frei, indem er erklärte, daß das Capitel, welches den Fleischverkauf am Sonntag verbietet, auch eine Bestimmung enthält (§ 264), die diesem zu Gute kommt. Diese lautet ungefähr: «Personen, welche einen anderen Tag als Sabbat halten. In einer strafrechtlichen Anklage wegen Werkthätigkeit am ersten Tage der Woche soll als genügende Vertheidigung gelten, , daß der Angeschuldigte regelmäßig einen anderen Tag heilig hält und an demselben nicht arbeitet, vorausgesetzt, daß seine Arbeit in solcher- Weise geschehe, daß andere Personen, die den erste« Tag der Woche heilig halten, . dadurch nicht gestört werden." Der Richter zog auch in Betracht, daß Goldberg's Geschäftsbetrieb in einem fast ausschließlich von Israel liten bewohnten Stadtviertel am Sonntag eine Nothwendigkeit sei. Wie richtig dies ist, dürste schon daraus hervorgehen, daß von 1600 Kindern in den öffentlichen Schulen der Gemeinde nur zwei christlichen Glaubens sind. fttuillttin. Nach vierhundert Jahren. 43] Von Friedrich Rott. „Ich kann Dir das alles nicht sagen, Kind, Du würdest das Meiste vergessen." „Ach nein, Papa, ich werde es ganz gewiß nicht vergessen, sage es mir nur." Er aber schüttelte abwehrend den Kopf. „Ich kann es Dir nicht sagen, aber ich werde es heute Abend in's Deutsche übersetzen und dann kannst Du morgen die Uebersetzung dem Fräulein hinuntertragen." Damit war die Kleine einverstanden. „Fräulein Bella wird mir dann schon sagen, was darin steht, sie sagt mir immer alles, ich habe sie auch so lieb, so lieb." Ein glückliches Lächeln erhellte das Angesicht des Doktors, als er das Kind an sich zog und küßte. „Gute Nacht, mein Liebling!" „Wo hast Du das Schriftstück?" fragte die Mutter, nachdem das Kind sich entfernt hatte. „Hier ist es," entgegnete er, in dem er das Heft aus der Brusttasche zog. „Wie dick und rauh das Papier ist, man sieht ihm ordentlich das hohe Alter an, aber die Schrift ist noch sehr deutlich, kaum vergilbt zu nennen. Soll ich es Dir vielleicht vorlesen?" „Wenn Du Zeit und Lust hast, wäre ich Dir dafür dankbar. Aber wenn es, wie ich vermuthe, in hebräischer Sprache gehalten ist, so möchte ich Dich ersuchen, es gleichzeitig zu übersetzen." Er neigte zustimmend das Haupt, begann aber nicht sogleich mit der Lektüre; denn als er das Schriftstück wieder in Händen hielt, durch das, wie er mit Zuversicht hoffte, das Glück seines Lebens auf's Neue begründet werden würde, da drohte die Erregung ihn abermals zu überwältigen. „Fasse Dich, Leo!" bat seine Mutter, ihre Hand auf seine Schulter legend. -* Er aber rang noch meherere Minuten vergebens nach Fassung. ' ' ' ° „Es ist zu wunderbar!" flüsterte er, „zu wundes bar! Und dennoch, jetzt, da ich weiß, daß sie unserem

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