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Der Israelit · 1902-03-27 · Heft 25-26 (27.3.1902) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 25-26 (27.3.1902)
Date
1902-03-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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664 litterarische Bedeutung der drei Propheten, namentlich des Jesaias. Die geistvollen Ausführungen fanden den ungetheilten Beifall aller Anwesenden. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Hahnlein, sprach dem Redner , noch besonderen Dank aus und gab seiner Genugthuung darüber Ausdruck, daß man von einem Angehörigen einer anderen Religionsgemeinschaft — Herr Professor Cornill war früher evangelischer Geistlicher und ist als solcher in die Professur für orientalische Wissenschaften berufen worden — einen solchen Vortrag habe hören können. In einem Rückblick, den Herr Hühnlein alsdann auf die Vortragsveranstaltungen dieses Winters warf,, konnte er den guten Verlauf derselben und ein reges Interesse der Mitglieder an den Darbietungen des Vereins konstatiren. . Grand enz, 14. Marz. Bis zum Jahre 1896 war der inzwischen verstorbene Rabb. Dr. Rosenstein s. A. Mitglied der städt. Schuldeputation. Im Jahre 1896 entdeckte aber Herr Justizrath Wagner, nebenbei bemerkt zweiter Vorsitzender des Ostmarkenvereins und z. Zz in Berlin ansässig, der sich als nationalliberal bezeichnet, ferner Herr Rechtsanwalt Obuch, der sich der Freisinnigen Vereinigung zuzählt, und damals Stadtverordnetenvorsteher war, sowie Herr Medizinalrath und Kreisphysikus Dr. Haynacher, daß die Schule eine rem christliche Anstalt sei und der Herr Rabbiner als Jude daher nicht in die Schuldeputation gehöre. Da auch der hochangesehene und streng liberale Herr Bürgermeister sich dieser Auffassung anschloß, so wurde Herr Rabbiner Dr. Rosenstein sel. A. damals nicht wiedergewählt. Inzwischen hat man eine Wiederwahl des Herrn Medizinalraths Dr. Heynacher als Stadtverordneten nicht durchzusetzen vermocht, er schied also auch aus der städtischen Schuldeputation aus, und bei der nun erfolgten Ersatzwahl kam man wiederum mit dem alten Bedenken, die Schule sei eine rein christliche Anstalt, und die Kgl. Regierung in Marienwerder werde keinen Juden bestätigen, zumal der Herr Regierungspräsident von Jagow strengkonservativer Gesinnung sei! Trotzdem ließ sich die Stadtverordnetenversammlung nicht davon abhalten, den ihr als besonders geeignet erscheinenden Kollegen, den altbewährtes Stadtverordneten Herrn Salomon Lewinsohn, mit 23 von 25 anwesenden Stimmen zu wählen. Und die Kgl. Regierung in Marienwerder? Sie hat diese Wahl eines jüdischen Ehrenmannes in die städtische Schuldeputation schlankweg bestätigt. Am 23. v. Mts. traf bereits die Bestätigung ein! Me man auch hieraus ersieht, ist die Aengstlichkeit und Leisetreterei da, wo es sich um die Wahrnehmung unseres guten Staatsbürgerrechts handelt, durchaus nicht am Platze, und es thut uns außerordentlich leid, daß liberal sein wollende Männer — zur Stärkung der Angst beitragen. Straßbnrg. Der „Israelitische Verein für Ferienkolonien* hier hat im Monat August v. 1.12 Kinder und im Monat September weitere 12 Kinder nach Bad Nauheim zu einem vierwöchrntlichen Aufenthalt entsendet, während ein armer, elternloser, lungenleidender Jüngling in der israelitischen Lungenheilanstalt Bad Soden während zwei Monaten verpflegt worden ist. * , Vom Ober-Elsatz» Geehrte Redaktion! In Nr. 24 Ihres geschätzten Blattes berichten Sie über den geplanten Rabbinerverband in Elsaß-Lothringen. In dem mitgetheilten Programm desselben vermisse ich zu meinem größten Bedauern die wesentlichsten Punkte, die sich der Elsaß-Lothringische Rabbinerverband zur Auf- - gäbe zu machen hätte! Wird der Rabbinerverband dahin wirken, daß in vielen Gemeinden der betheiligten Rabbiner an Stelle der eingeführten Orgel ein Mikwe eingerichtet wird?! Wird der Rabbinerverband dahin wirken, der großen Unkenntniß und der damit verbundenen Leichtfertigkeit der Schochtim, wirksam entgegenzutreten?! Wird der Rabbinerverband dahin wirken, dem öffentlichen Chilul-Schaboß der jüdischen Metzger Einhalt zu thun?! Nur dann können wir dem Rabbinerverband unsere Sympathie entgegenbringen, wenn das seine Ziele sind.!. Euskirchen, 19. März. Eine große Schaar Männer und Frauen'sah man heute hier zusammen, denn es galt dem 83jährigen Abraham Samuels o n das letzte Geleit zu geben. Wer kannte ihn nicht auf viele Meilen im Umkreise? In den vierziger Jahren kam er als Talmudjünger aus Ostpreußen nach dem Rheinland, wo er die Religionslehrerstelle in Münstereifel übernahm. Dort war es der jetzige Oberrabbiner von Holland, Dr. Dünner, der als Gymnasiast und Hauslehrer ihn seines Wissens halber schätzen lernte. Nachdem der Verstorbene in Münchengladbach eine Zeitlang ihätig war, kam er Anfang der fünfziger Jahre nach hier, wo er nur einige Jahre das Amt als Religionslehrer und Schochet verwaltete. Er mußte den Elementarlehrern weichen, blieb aber hier, wo er durch Fleiß und Sparsamkeit sich und feine Familie ernährte und als angesehener Bürger jetzt starb, geachtcet und geliebt von Jedem, der ihn kannte. Er lernte und lehrte und hat Gottes Wort geübt bis an's Ende. Mit der großen Mizwah GemiluS Chefed fchel Emes befaßte er sich mit der größten Hingebung. Wo W mancher zurückschreckte, da war es der Verstorbene, der aushelfen mußte. Er that es gerne. rras». "" O e st e r r eich. AuS Mahre«, 21. März. Man kann nicht behaupten, daß reines, unverfälschtes Jüdenthnm nur ausschließlich in den Hütten der Armen zu suchen wäre,, man hat auch recht viele Beispiele aus allen Zeiten, dass auch in so manchem Palaste jüdischer Geist und jüdische - Sitten anzutreffen waren; aber eines muß denn doch

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