Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 24 (24.3.1902)
- Date
- 1902-03-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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552 4 ‘ i i Halb, mechanisch hatte der Doktor das vor ihm liegende Heft aufgeschlagen; ohne besonderes Interesse richtete er den Blick auf die alterthümliche Schrift. Doch kaum hatte er einige Zeilen gelesen, als seine Aufmerksamkeit sich mehr und mehr steigerte und plötzlich fuhr der starke Mann zusammen, als hätte ein elektrischer Schlag ihn getroffen-" „Was steht darin,. Papa?' Etwas Schreckliches?" Der Doktor antwortete nicht, er las weiter — und immer rascher ging sein AtheM und leuchtender wurde sein Blick. „Bitte, lieber Papa, sage mir doch, was darin steht. Ich habe ja Fraulein Bella versprochen, daß ich.ihr's morgen sagen werde." Er fuhr wie liebkosend mit der Hand über das Köpfchen, das sich an ihn schmiegte, aber er wußte vermuthlich selbst nicht, daß er es that, denn er antwortete nicht.. Schweigend las er weiter und weiter, seine ganze Seele lag in seinen Blicken, die das alte Schriftstück durchstreiften.. Noch einmal versuchte es die Kleine, die Aufmerksamkeit des Vaters auf sich zu lenken, es wollte ihr nicht gelingen. Sichtlich enttäuscht schlich sie aus dem Zimmer, hinüber zur Großmama und klagte dieser, daß sie ihr Wort nicht werde halten können, weil der Papa ihr nicht sagen wolle, was in dem Heft steht. „Bitte, Großmama, frage Du den Papa, was darinsteht und sage es mir dann. Willst Du?" „Das kann ich Dir nicht'versprechen, Kind." Aber da kommt .schon der Papa, sei brav und quäle ihn nicht mit Deinen Fragen, sonst würde ich Dich in's Kinderzimmer schicken und Du müßtest allein Dein Abendbrod einnehmen." - „Nein, Großmama, lasse mich nur mit Euch essen, ich werde ganz gewiß gar nichts mehr fragen." Jede Frage wäre auch nutzlos gewesen — und auch ohne den Bericht des kleinen Mädchens hatte das Auge ' der Mutter sofort erkannt, daß dem eben eintretenden Sohne eine Glück verheißende Kunde geworden war.' So hatte sie ihn seit Jahren nicht gesehen, seine Augen leuchteten wie verklärt, seine ganze Haltung drückte. Hoffnungsfreudigfeit aus. Wortlos trat er zu seiner Mutter, nahm ihre beiden Hände und druckte sie an sein . laut pochendes Herz. Sie blickte fragend zu ihm auf. „Sie stammt von Marannen," sagte er leise, indem er ihre Hände noch fester gegen seine Brust preßte. — „Mutter, Mutter — begreifst Du, was ich hoffe?!" Sie neigte bejahend das Haupt, während eine Thräne ihr Auge füllte und langsam über ihre Wange herniederglitt. „Gott segne Dich, mein Sohn!" , Man ging zu Tische. Dieses Mal hielt Selma ihr Versprechen, nicht ein einziges Mal wiederholte sie die Bitte, die ihr doch sehr auf dem Herzen tag. Aber der Hinblick auf den Aufenthalt im Kinderzimmer, der in Viktor's Abwesenheit doppelt langweilig war, hielt die etwas verwöhnte Kleine, im Zaume.. Erst als sie unmittelbar vor dem Zubettgehen dem Vater das Mündchen zum Gutenachtküsse bot, wagte sie es noch einmal. „Lieber Papa, ich habe Dich doch jetzt gar nicht gequält, aber ganz gewiß, ich habe Fräulein Bella versprochen, daß ich ihr morgen sagen werde, was in dem Heft steht. Willst Du es mir nicht sagen?" '(Fortsetz, folgt.) Wschm-Kslmöer. Freitag, 23. Marz. 19. Weadar. . Sabbat-Anfang in Mainz und Frankfurt a. M. 6 Uhr 30 Min. Samstag, 29. März. 20. Weadar. . Sabbat-Ausgang in Mainz und Frankfurt am Main 7 Uhr. 40 Min. — Berlin 7 Uhr 14 Min. — München 7'Uhr 18 Min. — Hannover 7IUhr 31' Min. — Stuttgart 7 Uhr 28 Min.— Prag 7 Uhr 10 Min. — Stratzburg 7 Uhr 35 Min. — Posen 7 Uhr 02 Min. — Stettin 7 Uhr 12 Min. ’ Der „Israelit* «scheint wöchentlich sweftmal, Eäont&gB irnd Donneretags, jebeSmol i» mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Mau abonnirl ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Me Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen' an. — Den Buchhandel vsvLehvk durch V. Is. SkrinarLer, Lripng, Roßplatz )ö. — Inserate 25 Pfennig die vierAespaltene Nonpareillezelle oder deren Raum. Preis der Zelle im Keclamethell 75 Pfennig. — Direkte Francozusendüng unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 ReichS-Mark oder 16 Krone» österr.. für'S Ausland 16 Mark, an die Expedition franco elnsenden. Postzeitungsliste 3792. Telephon 10-5. . . Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine Ausgabe des Israelis vier Wochen lang gratis und franco erhallen. Wünscht man de» Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige daS Vierteljahr, indetz ausschließlich bei der Post, auf dieselbe uni« Kr. 3793» abonniren. Auf Wunsch stunden wir die Zahlung deS JufertionSbetragS an nutzer Stelle Befindliche bis «ach Erlangung einer solche». - . ., . Da vier! Sayn. Anhakt (Sauptbkattj: DaS orthodore Judcnthum. — Zeitungsnachrichten und Corresoondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. nzig. Köln. Mauen i.B. Strehlen. Stratzburg i. E. Frankreich: Parks. Rußland: Cherson. Rumänien: Bukarest. — Feuilleton: Rach rhuudsrt Jahren (Fortsetzung.) . . ... , Inhalt der Beließe: Denkmäler jüdischen Idealismus. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Posen. Rumänien: Bukarest. '. - ' - . : Ertra-DeSaae: Hagadäh schel Vesäch. ^Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des »Israelit". Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der-Foh/Wirth'schen Hofbuchdruckerei Actien-Gesellschast l» Mainz. : Hierzu zwei Beilage»..