Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 24 (24.3.1902)
- Date
- 1902-03-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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651 auf dem Tische stand und nahm die verschiedenen Schmuckgegenstände heraus. Die Kinder staunten ob der wunderbaren Pracht der. funkelnden Steine, Selma wollte von allem die Herkunft und die Bestimmung wissen.- „Und das Alles gehört Ihnen, Fräulein Bella?" : „Alles gehört mir." „Von wem haben Sie diese. Schmucksachen bekommen?" „Ich habe es geerbt von meiner Mama." „Von Ihrer Mama? Und von wem hat Ihre Mama alle die schönen Sachen bekommen?" „Hier diesen Smaragdschmuck hat meine Mama von meinem Papa bekommen, und dieses Armband von meinem Onkel, und alle die übrigen Sachen hat meine Mama von ihrer Mama, diese hat ste wieder von ihrer Mama bekommen und so fort, und so fort. Und nun weist. Du alles ganz so genau, wie ich es selbst weiß. Bist Du nun zufrieden?" „Ja, aber ich möchte Sie gerne einmal sehen, wenn Sie alle diese schönen Sachen anhaben, alle die Halsbänder und die Armbänder, und die Ketten und die —" „Aber dazu hat Fräulein Jsabella heute keine Zeit," fiel Viktor ein, „und wo ist denn das Heft?" . „Das liegt zu unterst, gleich werde ich es herausnehmen. Da ist es. Nun, mein lieber Herr Doktor in 8p6. geben Sie Ihr Urtheil ab, was ist das für eine Schrift?" „Das ist die hebräische Currentschrift, wohl etwas anders, als ich sie gelernt habe, aber es ist doch Hebräisch." - „Nun, so lies." „Das kann ich nicht, wenn das Deutsch wäre, könnte ich es lesen, wenn es auch in dieser Schrift geschrieben, aber so viel Hebräisch verstehe ich noch nicht." „Aber weißt Du denn gewiß, das es Hebräisch ist?" — „Daß die Schrift Hebräisch ist, weiß ich ganz gewiß und ich glaube auch, daß die Worte Hebräisch sind, aber —" . „Aber lesen kannst Du es doch nicht," rief Selma lachend, „das habe ich ja gleich gesagt. Und nun werde ich Ihnen helfen, Fräulein Bella. Ich werde das Heft dem Papa bringen, der kann alles lesen, das weiß ich ganz gewiß." „Ob der Papa alles lesen kann, weiß ich nicht," erklärte Viktor, „aber daß der Papa dieses lesen kann, das glaube ich auch ganz bestimmt." . „Also darf ich es mit hinausnehmen, Fräulein Bella? "Darf ich?" «Ist der Papa zu Hause?" - .-Das weiß ich nicht. Gerade, als wir herunter gegangen sind, ist der Papa zu einem Kranken gerufen worden, aber der. wohnt hiev ganz in der Nähe, vielleicht ist der Papa schon zurück. Also.77--" r- ■.' Selma ward unterbrochen durch die Meldung des . Bedienten, daß der Wagen bereits vor dem Hause warte. „Gleich, gleich." entgegnete Jsabella, indem sie die Schmuckgegenstände zurück in die Kasette ordnete. - „Und das Heft darf ich also mit hinaufnehmen und dem Papa zeigen?" -v.. < „Wenn es Dir gar so große Freude macht, so nimm es mit hinauf, aber Du darfst es dem Papa nur - zeigen, wenn Du ganz sicher bist, ihn nicht zu stören." „Nein, ich werde den Papa nicht stören, ganz gewiß nicht. Und ich werde den Papa Litten, mir zu sagen, was darin steht und das werde ich Ihnen morgen Früh sagen, wenn ich Ihnen das Heft zurückbringe." „Thue das, Herzchen, und nun gute Nacht! Schlafe wohl und grüße die Großmama. — Und Du Viktor, komm', es ist Zeit, wir versäumen sonst die Ouvertüre." Sie verließ mit dem Knaben das Zimmer und beide eilten die Stiege hinunter, während das muntere, kleine. Mädchen die Treppe aufwärts hüpfte, die zu der . zweiten Etage führte. v •- „Ist Papa schon zu Hause?" fragte sie das Mädchen, das ihr die Thüre öffnete.: ‘ : ’ „Ja wohl, der Herr Doktor ist im OrdinationSzimmer." „Aber es sind doch keine fremden Leute drinnen?" . „Nein. der Herr Doktor ist allein." ^- V Die Kleine nickte befriedigt und rannte dann ip das bezeichnete Zimmer, ohne ihres Versprechens, den Vater nicht zu stören, auch nur zu gedenken. > .. r-; . „Papa, Papa! Sieh nur her, was ich da habe. Das hat Fräulein Bella in einem Kistchen gefunden, das. ganz voll ist mit wunderschönen Sachen, Armbänder und Halsbänder, Ketten und Ringe, und daL funkelt so, viel heller, als die Sterne. Und unter all diesen schönen Sachen ist dieses Heft gelegen. Sieh' nur her, Papa! Fräulein Bella kann es nicht lesen.und Viktor sagte, es wäre Hebräisch. Aber lesen kann er es auch nicht. Und da habe ich gesagt, daß ich es Dir zeigen und daß ich Dich bitten will, Du möchtest es lesen und mir dann sagen, was darin steht, daß ich es dann morgen Fräulein Bella sagen werde, wenn ich daS Heft wieder herunter bringe. Ja, Papa? Wirst-Du eS lesen und es mir dann sagen?"/ . Der Doktor hatte offenbar an Anderes gedacht und - von dem langathmigen Bericht des Kindes wenig oder nichts verstanden. „Was ist denn das?" fragte er, alS die Kleine das mehrfach erwähnte Heft vor ihn auf .den Tisch legte. : .;>/'• „Ich habe es Dir doch eben gesagt. Das hat Fräulein Bella unter ihrem Schmuck gefunden. Fräulein Bella meint, das in dem Heft Geschriebene müßte alles schon über hundert Jahre her sein, aber mehr weiß sie auch nicht. Wirst' 'Du' es 'lesen,-PaW,./Jch''mätz'te "so-'- gerne wissen, was darin steht." ./i?